Prutting – Seit Jahrzehnten ist es so sicher wie das Amen in der Kirche: Regnet es länger oder aber auch kurz und dafür sehr heftig, tritt das Mösl über seine Ufer. Zunächst wird die Brücke an der Kirchstraße unter Wasser gesetzt, dann macht sich das Mösl daran, weitere Ortsbereiche zu überfluten.
Anlagen wieder auf
Vordermann bringen
Seit gefühlten Jahrzehnten deshalb auch das Bemühen der Gemeinde, die beiden Schluckbrunnen, die beim Mösl existieren, wieder auf Vordermann zu bringen. Die sollen eigentlich das Wasser nach unten, in den Grundwasserkörper ableiten, müssten aber, um diese Aufgabe erfüllen zu können, längst wieder ausgebaggert, möglicherweise sogar etwas tiefergelegt werden.
Diese Maßnahme war bislang unmöglich. An die bestehenden Schluckbrunnen durfte aufgrund gesetzlicher Vorgaben keine Hand angelegt werden, da half kein Bitten und kein Betteln. Das ist seit Anfang Januar anders, das Wasserwirtschaftsamt hat für die Neuanlage von zwei Schluckbrunnen seine Zustimmung signalisiert.
Der Hintergrund für diese Neubewertung: Die Anlage der Schluckbrunnen ist jetzt ein Teil eines ganzen Maßnahmenkatalogs, ausgearbeitet vom Büro Aquasoli im Rahmen der Erstellung des erwähnten Sturzflutrisikomanagements. Weitere Elemente dieses Katalogs: Es soll beim alten Sportheim eine zusätzliche Retentionsfläche geschaffen werden, durch die das Wasser gewissermaßen verlangsamt beim Mösl ankommt. Zusätzlich ist für die etwas fernere Zukunft ein Pumpwerk am Mösl angedacht, mit dem bei einem drohenden Überlaufen des Mösls Wasser in Richtung Rinser oder Hofstätter See abgeleitet werden kann.
Man muss es noch einmal betonen: Dass das Wasserwirtschaftsamt dem von der Firma Aquasoli vorgeschlagenen Maßnahmenkatalog nach eingehender Prüfung zustimmen kann und dass deshalb als erste Maßnahme neue Schluckbrunnen erstellt werden dürfen – das ist eine Entwicklung, von der weder der Gemeinderat noch Bürgermeister Johannes Thusbaß zu träumen gewagt hätten: „Es ist ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk“, sagte Johannes Thusbaß in der jüngsten Gemeinderatssitzung, bei der Bernhard Unterreitmeier von der Firma Aquasoli das Konzept vorstellte.
Noch einmal vorgestellt wurden bei der Sitzung aber auch die übrigen Erkenntnisse, die sich aus der Erarbeitung des Sturzflutrisikomanagements ergaben. Sie waren bereits während der Entwicklungsphase schon einmal Thema auf einer Bürgerversammlung gewesen. Ein ganz entscheidender Vorteil ist, dass jetzt die Auswirkungen von sich ankündigenden Starkregenereignissen schon vorher simuliert werden können. Mit Wasserhöhen, Strömungsrichtung und das so, dass bis auf Hausgröße in die entsprechenden Karten hineingezoomt werden kann. Wesentlich dabei: Diese Simulation wird sich zeitnah auch auf der Homepage der Gemeinde finden, steht damit jedem Grundstücksbesitzer zur Verfügung. Er weiß damit also definitiv, mit welcher Wasserhöhe er zu rechnen hat und vor allem auch, von welcher Seite das Haus angeströmt werden wird.
Entscheidend auch, dass diese Simulation nicht bloß eine Näherung ist nach dem Motto, „so könnte es in etwa aussehen“, sondern dank zahlreicher Messpunkte sehr präzise: Die Simulation deckt sich jedenfalls perfekt mit den einschlägigen Erfahrungen, die auch die Pruttinger Feuerwehr hat. Die Simulation ist damit gewissermaßen bereits an der Realität überprüft.
Mösl-Überflutungen
Vergangenheit?
Was die weiteren Punkte des Maßnahmenkatalogs betrifft, die ja feste Voraussetzung sind für die jetzt erteilte Genehmigung der Schluckbrunnen, so ist die Gemeinde in Sachen Retentionsfläche noch in Verhandlungen mit dem Grundstücksbesitzer.
Das angedachte Pumpwerk am Mösl wird noch deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen, denn hier sind vorab noch etliche Fragen zu klären, an deren Aufstellung man sich jetzt erst machen wird. Die Schluckbrunnen aber könnten schon nächstes Jahr in Betrieb gehen. Prutting ist ab dann höchstwahrscheinlich um ein ungeliebtes Wahrzeichen ärmer: Das über die Ufer tretende Mösl wird es so nicht mehr geben und auch die ganze restliche Gemeinde wird von dem verbesserten Abfluss profitieren.