Obing – 6. Februar, 10 Uhr: Ein 39-jähriger VW-Fahrer fährt die B304 entlang. Auf der langen Geraden überholt er kurz nach der Abzweigung Hausen einen Lkw und kollidiert dabei mit einer 28-jährigen Skoda Fahrerin im Gegenverkehr. Wie durch ein Wunder werden seine beiden Mitfahrer, ein 33-jähriger Mann aus Klüsserath (Rheinland-Pfalz) und ein 42-jähriger Trostberger, sowie die Unfallgegnerin nur leicht verletzt. Der Unfallverursacher wird jedoch mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.
Gutachten
angefordert
„Da ein Ableben des Unfallverursachers nicht auszuschließen war, wurde nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Traunstein ein Gutachter angefordert“, hatte es in der Pressemitteilung der Polizei Trostberg am Donnerstagnachmittag geheißen. Wie ein Sprecher der Polizei gestern auf Nachfrage erklärte, habe sich der Gesundheitszustand des Mannes mittlerweile verbessert, Lebensgefahr bestehe nicht mehr.
Es ist nicht der erste Unfall auf der B304 zwischen Obing und Rabenden. Im Gegenteil: Inzwischen ist dieser Abschnitt der Bundesstraße vielen ein Begriff. Erst im Dezember hatte sich dort ein tödlicher Unfall ereignet, bei dem ein 54-Jähriger aus dem Landkreis Rosenheim in der langgezogenen Rechtskurve, auf Höhe Neustadl, auf die Gegenfahrbahn kam und mit einem weiteren Autofahrer zusammenstieß. Der Unfallgegner, ein 67-jähriger Trostberger, verlor dabei sein Leben. „Dabei handelte es sich also um einen Kurvenunfall“, erklärt ein Sprecher der Polizei Trostberg, „bei dem jetzigen Unfall haben wir es mit einem missglückten Überholmanöver zu tun.“ Vergleichbar seien die Unfälle also nicht, auch die Stelle ist um einige hundert Meter verschoben.
Dennoch ist der Abschnitt der B304 zwischen Obing und Rabenden auch bei der Polizei Trostberg bekannt. Insbesondere die Gerade bei Hausen ist den Beamten ein Begriff. „Es ist die erste Stelle nach Altenmarkt, wo ein Überholmanöver überhaupt möglich ist“, so der Beamte. Zu gefährlichen Situationen komme es daher immer wieder. Aufgrund vieler Überholmanöver in Kombination auch mit überhöhter Geschwindigkeit sei hier bereits eine konstante Geschwindigkeitsüberwachung eingerichtet, so die Polizei. Eine weitere Entschärfung der Stelle sei aber kaum möglich.
Um einen Unfallschwerpunkt handelt es sich bei der B304 im Bereich von Rabenden aber dennoch nicht. Erst im Dezember hatte Trostberger Polizei dazu die Zahlen der Unfallstatistik ausgewertet. Im Zeitraum vom Januar 2022 bis Dezember 2024 hätten sich laut damaligen Angaben zehn Unfälle auf der Bundesstraße zwischen Altenmarkt und Obing ereignet. Hinzu kommen der tödliche Unfall bei Neustadl und der Zusammenstoß nun am 6. Februar. Auf der B304 im Bereich Altenmarkt waren es ansonsten zwei Auffahrunfälle mit verletzten Personen.
Keine Häufung
an einer Stelle
Auf der B304 im Bereich Obing ereigneten sich acht Unfälle, davon fünf mit verletzten Personen. Unfallursachen waren laut Polizei zu geringer Abstand, Fehler beim Abbiegen und Überholen. Diese Unfälle ereigneten sich aber nicht am gleichen Ort, sondern auf einer Strecke von drei Kilometern verteilt. Eine Häufung an einer Stelle liege nicht vor.