Raubling – Lauscht man den aktuellen Debatten der Politik, könnte man meinen, Fluchtbewegung und Klima sind zwei unabhängige Themen. Hintergrundinformationen dazu, wie diese Themen ineinandergreifen, ebenso wie neue Blickwinkel zu umweltbedingter Migration erhält man durch die Wanderausstellung „Klimaflucht“, die in der Aula des Inntal-Gymnasiums noch bis Ende März für jedermann zu den üblichen Öffnungszeiten der Schule zugänglich ist. Auch externe Schulklassen können die Ausstellung gerne besuchen. Schüler des Inntal-Gymnasiums der 10. und 11. Klassen führen durch die Ausstellung.
Lebensgroße
Aufsteller-Figuren
Alternativ kann man sich bei den zehn lebensgroßen Aufsteller-Figuren, die jeweils mit einem wahren Menschenschicksal verknüpft sind, Audiobeiträge zu ihrer Lebenssituation anhören. Die Informationen vermitteln eine Sicht auf Folgen des Klimawandels in verschiedenen Teilen der Erde.
Bei der feierlichen Eröffnung der Ausstellung begrüßte der neue Direktor des Inntal-Gymnasiums, Anton Seitz, die Gäste. Unter ihnen waren die stellvertretende Landrätin Alexandra Burgmaier, die Bürgermeister von Raubling und Kiefersfelden, Olaf Kalsperger und Hajo Gruber, der Meteorologe und Wetterexperte Björn Walz, außerdem Katrin Röber, die Bildungskoordinatorin des Landkreises, und natürlich auch viele Schüler.
Oberstudiendirektor Seitz, als Geografielehrer mit der Klimaerwärmung und ihren Folgen für die Erde gut vertraut, unterstrich: „Ich freue mich, dass durch diese Ausstellung der Fokus wieder mehr auf das Thema Klima gerückt wird, welches in der Öffentlichkeit aktuell etwas verloren geht.“ Besonders gut passt das Thema auch zum Inntal-Gymnasium, da die Schule im vergangenen Jahr das Zertifikat „Klimaschule“ verliehen bekam.
Die stellvertretende Landrätin Alexandra Burgmaier stellte in ihrem Grußwort das große Engagement des Organisators Michael Rauch, Latein- und Religionslehrer am Gymnasium, lobend heraus. Burgmaier unterstrich: „Solche Ausstellungen stärken die Demokratiebildung der Schüler. Wir müssen in dieser globalisierten Welt lernen, Empathie zu entwickeln, und dazu verhilft uns diese Ausstellung.“
Ähnlich betonte das auch Olaf Kalsperger, bei dem man den Stolz auf die Schule durchhörte: „Solche Ausstellungen haben in dieser Schule eine gute Tradition. Es ist wichtig für die Schüler, sich eine Meinung zu bilden und in der Schule kann man sich gut informieren, denn hier wird man am wenigsten manipuliert.“
Den Vortrag zur Ausstellungseröffnung begann der Meteorologe und Experte für Naturgefahren, Björn Walz, zunächst mit einer Entschuldigung, dass er nicht mit einem positiven Thema aufwarten könne. Walz ist seit vielen Jahren Risiko-Analyst bei einer weltweit agierenden deutschen Rückversicherungsgesellschaft, die Schäden durch Naturereignisse abdeckt. Zur Verdeutlichung der Dramatik belegte er mit genauen Zahlen die „Fieberkurve der Erde“.
Er zeigte Fotos eines in den letzten Jahren fast komplett abgeschmolzenen Gletschers und erläuterte den Zusammenhang zwischen globalen Temperaturrekorden und menschlich verursachtem Treibhauseffekt. Anhand von Extremwetterereignissen, wie zum Beispiel den Bränden in Kalifornien oder dem Hochwasser in Valencia vor wenigen Monaten, aber auch der verheerenden Flut im Ahrtal oder auch Überschwemmungen in unserer Region, zeigte er, wie die Erwärmung bereits auch in den gemäßigten Klimazonen bedrohliche Wetterphänomene erzeugt. Grundlage dieser Ereignisse sei jeweils, dass Wetterlagen aufgrund der Klimaerwärmung persistenter, also länger anhaltend, seien und damit die jeweiligen Effekte umso massiver wirkten, erklärte der Meteorologe.
Planet B
nicht vorhanden
Abschließend warb Walz nachdrücklich für ein klimaneutraleres Verhalten eines jeden Einzelnen, denn „Es gibt keinen Plan(et) B“. In der folgenden Diskussionsrunde mit den Schülern gab er auch einen Einblick in Details seiner persönlichen, seit vielen Jahren geänderten, Lebensweise ohne Flugreisen und mit intensiver Nutzung von Solarstrom.