Prutting – „Diesen Leuten muss geholfen werden“ dachte sich Barbara Stein, Bezirks-, Kreis- und Gemeinderätin von Prutting für die Freien Wähler, als sie im September vergangenen Jahres zu Gast bei einer Mitgliederversammlung des Sportvereins war. Dort stellte der Verein eine sehr ambitionierte Planung vor, mit der seine Anlage zu einer barrierefreien Stätte der Begegnung und des Sports weiterentwickelt werden sollte.
Darin enthalten ist eine Erweiterung der Umkleidemöglichkeiten, sodass diese auch den Bedürfnissen durch den Zuwachs beim Frauen- und nicht zuletzt Mädchenfußball genügen würden; dazu barrierefreie Toiletten und ein Umbau des Gemeinschaftsraumes: Der sollte so hergerichtet werden, dass er ein echter Versammlungsort werden könnte, nicht nur für die Sportler, sondern auch für alle anderen Vereine im Ort, mit denen man im engen Austausch steht.
Ehrgeiziges Projekt für den ganzen Ort
Das ganze Vorhaben mit veranschlagten rund 300000 Euro ist nicht billig, aber auch da hatte der Sportverein bereits mehr als gründliche Vorarbeit geleistet: Eine Leader-Förderung war beantragt und in Aussicht gestellt worden, ebenso Unterstützung durch den Bayerischen Landessportverband (BLSV). Dazu gab es noch das eigene Rücklagenpolster. Am Ende fehlten für die Umsetzung aber doch noch gut 100000 Euro, die der Verein über eine Kreditaufnahme decken wollte. Grundsätzlich war auch dieser Kredit seitens der Bank schon zugesagt worden. Im September war es nun darum gegangen, ob der Verein dieses ambitionierte Konzept mit der angedachten Finanzierung tatsächlich schultern wollte. Das Ergebnis war eindeutig und der Beschluss einstimmig: „Wir machen’s.“
Barbara Stein war, wie sie erzählt, eigentlich nur zu der Versammlung gekommen, um dort ein bisschen Werbung für den damals anstehenden Bauernmarkt zu machen. Sie war aber dann vom Engagement der Sportler und der detaillierten Planung so begeistert, dass sie sich überlegte, wie beides zu unterstützen wäre. Sie fragte noch am selben Abend bei ihrem Parteikollegen, dem Landtagsabgeordneten Sepp Lausch an, ob es da nicht irgendwelche Fördertöpfe gäbe, die man anzapfen könnte.
Und die gab es tatsächlich, in Form der sogenannten Fraktionsinitiative. Das ist ein Budget von 90 Millionen Euro, auf das die beiden bayerischen Regierungsparteien Zugriff haben, um Projekte, die der Allgemeinheit dienen, unterstützen zu können. Als Barbara Stein Markus Schäffner, dem Vereinsvorsitzenden, von dieser Möglichkeit erzählte und ihm riet, doch einen Antrag zu stellen, war dessen Reaktion, wie er sagt: „Helfen wird’s wahrscheinlich nicht, aber schaden kann’s auf keinen Fall.“
Umso größer die Überraschung, als man jetzt erfuhr, dass das Vorhaben des Vereins tatsächlich gefördert werden würde und das mit gut 150000 Euro. Markus Schäffner dazu: „Ich konnte es am Anfang gar nicht glauben, hab dreimal bei der Barbara angerufen, ob das auch wirklich kein Faschingsscherz ist.“
Und auch Bürgermeister Johannes Thusbaß, war, wie er sagt, zunächst mal sprachlos, als er von der Nachricht erfuhr. Doch es ist kein vorgezogener Aprilscherz. Auch Sepp Lausch war von dem Konzept überzeugt. Beeindruckt hat ihn, wie auch Barbara Stein, nicht zuletzt die Absicht, aus dem Sportlerheim eine Treffpunktmöglichkeit für ganz Prutting zu machen. „Der Sportverein war ja schon immer offen“, sagt dazu Markus Schäffner: „Unsere Fußballfelder etwa sind nicht nur für unsere Vereinsmannschaften, dort können andere, Jugendliche zum Beispiel, auch einfach so mal bolzen. Und mit allen anderen Vereinen, von den Böllerschützen bis zum Arbeitskreis Dorfgemeinschaft und Soziales, stehen wir sowieso im besten und engen gegenseitigen Austausch.“ Mit den verbesserten Räumlichkeiten aber habe man noch wesentlich mehr Möglichkeiten.
Und Ideen, diese auszunutzen, gibt es bereits mehr als genug. Etwa die, den Kontakt zum Ü60-Wohnen auszubauen und die Senioren immer wieder mal aufs Sportgelände einzuladen, „nicht einfach so“, wie Markus Schäffner sagt, „sondern, wenn gewünscht, durch Paten aus unseren Jugendmannschaften individuell betreut.“
Überhaupt Jugendarbeit: Auch die könnte der Verein über das direkte Sportangebot hinaus noch einmal deutlich attraktiver machen. Es soll eine Art Jugendbereich geschaffen werden, mit neuem Kinderspielplatz für die ganz Kleinen, aber auch freie Sportmöglichkeiten für die Größeren: Basketball spielen oder Inline-Skating könnten dort möglich sein. Und nicht zuletzt hat man auch an die Anlage eines kleinen Verkehrserziehungsplatzes gedacht, denn nicht wenige der kleinen Pruttinger lernen in der Nähe der Sportanlagen dank des dort geringen Verkehrsaufkommens das Fahrradfahren.
Erste Baumaßnahmen – die Erstellung der erweiterten Umkleidekabinen samt Terrassenerweiterung – könnten nun dank der Finanzspritze noch in diesem Jahr in Angriff genommen werden, der gesamte Umbau inklusive Erneuerung des Versammlungsraumes dann im Laufe des nächsten Jahres abgeschlossen sein.