So wenig Schnee wie noch nie

von Redaktion

Der Winter war zu mild, zu trocken und teilweise ein Totalausfall. So wenig Schnee gab es in den Voralpen noch nie. Welche Folgen das für die Lawinenkommissionen in Aschau im Chiemgau, Brannenburg und Oberaudorf hatte. Und wieso es trotzdem 40 Tote bei alpinen Unfällen gab.

Oberaudorf/Aschau/Brannenburg – Auch wenn Bayern mit einer durchschnittlichen Temperatur um den Gefrierpunkt das kälteste Bundesland war: So wenig Schnee gab es in den Bayerischen Voralpen und Chiemgauer Alpen noch nie. „Seit Beginn der Aufzeichnungen wurden die geringsten Schneehöhen gemessen“, informiert Quirin Stimm vom Landesamt für Umwelt.

Keine Einsätze,
viel Training

Doch die magere Schneebilanz des Winters hatte auch einen Vorteil: Es gab nur an einem Tag eine erhebliche Lawinengefahr. Meist war sie sehr gering. „Durch Trieb- und Altschnee kam es in den Hochlagen zu vier Lawinenabgängen mit Personenbeteiligung.“

Die gute Nachricht: Im bayerischen Alpenraum gab es keinen tödlichen Lawinenunfall. Die schlechten: Der schneearme Winter machte den Skibetrieb in Naturschnee-Skigebieten wie an der Kampenwand oder am Wendelstein unmöglich. Zudem kam es durch die Trockenheit schon Anfang März zu einem großflächigen Waldbrand, der etwa zehn Hektar Almwiesen und Bergwald an der Heißenplatte bei Bayrischzell (Landkreis Miesbach) vernichtete.

Wenig Schnee bedeutete für die drei Lawinenkommissionen des Landkreises Rosenheim in Aschau, Brannenburg und Oberaudorf einen ruhigen Winter – keine Rettungseinsätze, keine Schneefeldmessungen und keine Lawinensprengungen. Die „freie“ Zeit investierten die ehrenamtlichen Retter in Aus- und Weiterbildungen sowie Übungen, um Skiabfahrten, Wanderwege, Bergbahnstrecken oder Parkplätze auch künftig optimal vor Lawinen schützen zu können.

Wie überlebenswichtig „Fachwissen und körperliche Fitness in diesem besonderen Ehrenamt“ sind, würdigte Landrat Otto Lederer jetzt bei einem Erfahrungsaustausch von Lawinenkommissionen, Alpiner Einsatzgruppe der Polizei und Landratsamt. „Schnelle Rettung ist entscheidend“, betonte er: „Die Überlebenswahrscheinlichkeit bei einer Lawinenverschüttung fällt innerhalb weniger Minuten rasant ab, von 91 Prozent in der 18. Minute bis 34 Prozent in der 35. Minute.“

Polizei hatte alle Hände voll zu tun

In den europäischen Alpen sterben pro Jahr etwa 100 Menschen durch Lawinen. In den Bergen des Landkreises Rosenheim waren im vergangenen Jahr zum Glück keine Lawinen-Opfer zu beklagen. Trotzdem hatte die Alpine Einsatzgruppe (AEG) der Polizei alle Hände voll zu tun. „Vor allem mit Ski- und Rodelunfällen“, wie Martin Schuster von der AEG Rosenheim berichtete. Sie gehört neben den AEG in Traunstein und Weilheim zum alpinen Einsatzzug des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd.

In dessen Zuständigkeitsbereich – neun Landkreise und die kreisfreie Stadt Rosenheim – wurden im vergangenen Jahr 338 Einsätze verzeichnet, 75 Prozent mehr als im Jahr zuvor (193). Darunter waren nur zwei Lawinenunfälle, aber 72 Ski- und Rodelunfälle, 60 Bergunfälle, 50 Vermisstensuchen sowie 16 Kletter- und zehn Wintersportunfälle. Bei den 338 Unfällen verloren 40 Menschen ihr Leben, 135 Personen wurden verletzt.

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