Vogtareuths Ortskern blüht auf

von Redaktion

Dorferneuerung schafft Gemeinschaftsräume für vielfältige Nutzung

Vogtareuth – „Demokratie kann harte Arbeit sein, aber es lohnt sich.“ Gerhard Rinser, von dem dieser Satz stammt, meint damit nicht die große Politik, sondern das, was gewissermaßen an deren Anfang steht: den Versuch, die unmittelbare Umgebung, in der man lebt, aktiv mitzugestalten. Gerhard Rinser weiß, wovon er spricht, denn er war sechs Jahre lang der Sprecher des Vorstands der Teilnehmergemeinschaft zur Vogtareuther Gemeindeentwicklung. Ein Baustein dieser Gemeindeentwicklung ist die Dorferneuerung.

Einladender
Ortskern

Das klingt sperrig, die Erfolge der Dorferneuerung sind aber klar erkennbar, sie liegen in Vogtareuths Mitte vor aller Augen: Der Dorfplatz samt der umliegenden Gebäude ist jetzt ein Schmuckstück, das den Ortskern prägt, ihm ein unverwechselbares und vor allem einladendes Gesicht gibt. So überzeugend der Dorfplatz jetzt wirkt, der Weg dahin war lang: Die Gestaltung wurde ja nicht von außen, von irgendeinem Planungsbüro, dem Ort aufgedrückt, sondern sie wurde Stück für Stück als Gemeinschaftsprojekt mit dem beauftragten Architekten, den Bürgern – etwa als Mitglied eines Arbeitskreises – und vor allem auch den Anliegern selbst erarbeitet. Diese mit großem Engagement beteiligten Akteure waren somit Motor und Antriebskraft der Dorfentwicklung.

Jetzt, nach sechs Jahren, muss der Vorstand der Gemeindeentwicklung neu gewählt werden. Das passiert morgen, Mittwoch, um 19 Uhr im Feuerwehrhaus. Dann geht die Gemeindeentwicklung in die nächste Runde.

Peter Höcherl vom Amt für Ländliche Entwicklung und Vorsitzender des Vorstands der Teilnehmergemeinschaft Vogtareuth, der die Ideen der Teilnehmergemeinschaft und ihrer Arbeitskreise in förderfähige Projekte gießt, hatte es schon im letzten Jahr bei der Einweihungsfeier des Dorfplatzes gesagt: Eine Gemeindeentwicklung mit ihrer Dorferneuerung sei kein Projekt von jetzt auf gleich, auch keines, für das sechs Jahre ausreichten. Das Gesamtprojekt müsse man vielmehr als Marathonlauf ansehen „und Vogtareuth befindet sich dabei gerade mal ein paar hundert Meter hinter dem Startblock“.

Konkret wird es im jetzigen Abschnitt der Dorfentwicklung darum gehen, im Ort Versammlungsmöglichkeiten zu schaffen. Und das sowohl im Ortskern von Vogtareuth als auch in Zaisering. Denn die Zeiten, in denen der Wirt im Ort die Möglichkeit dafür bot, sind vorbei. Selbst dort, wo es überhaupt noch ein Wirtshaus gibt.

Schließlich haben sich die Ansprüche an eine Versammlungsstätte stark gewandelt. Die Örtlichkeit muss am besten „multifunktional“, also für viele verschiedene Veranstaltungen geeignet sein, vom Theater über den Fasching bis zu Seniorennachmittagen und Vereinstreffen.

Welche Örtlichkeiten dafür in Vogtareuth infrage kommen, ist eigentlich schon klar. In Zaisering ist es das ehemalige Feuerwehrhaus, im Ortskern selbst das Untergeschoss der Turnhalle. Und dort macht allein schon diese Ortsbenennung „Untergeschoss“ und „Turnhalle“ klar, dass es viel an Überlegung und einiges an Aufwand brauchen wird, um aus diesen Örtlichkeiten eine Versammlungsgelegenheit zu schaffen, die sowohl gemütlich als auch praktisch und nützlich ist.

Erste Ideen von bereits existierenden Arbeitskreisen liegen vor: das Untergeschoss der Vogtareuther Turnhalle soll auf jeden Fall barrierefrei zu erreichen sein und auch eine kleine Küche enthalten. In Zaisering wiederum soll das Feuerwehrhaus zukünftig nicht nur für Vereine oder Gruppen, sondern auch für den Wochenmarkt mit nutzbar sein.

Die Aufgabe der Teilnehmergemeinschaft und ihres Vorstandes wird es jetzt sein, aus den vielen Ideen, die am Anfang naturgemäß oft einem bunten Blumenstrauß von Wünschen ähneln, ein tragfähiges Konzept zu entwickeln. Also eines das finanzierbar und umsetzbar ist. Weshalb dieses Konzept sowohl mit dem Gemeinderat als auch mit dem Amt für Ländliche Entwicklung abgestimmt werden muss.

Ergebnis
harter Arbeit

So ein Prozess geht nicht von jetzt auf gleich, er setzt viel Überlegung und Diskussion voraus. Es müssen Kompromisse geschlossen, manchmal auch errungen werden. Genau deshalb sagt Gerhard Rinser, dass Demokratie harte Arbeit sei und Zeit brauche. Ein Politikwissenschaftler, Max Weber, hat das in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts einmal so formuliert: „Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich.“

In Vogtareuth war in den vergangenen sechs Jahren tatsächlich beides, Leidenschaft wie Augenmaß, vorhanden. Weshalb Gerhard Rinser eigentlich überzeugt davon ist, dass das auch in den kommenden sechs Jahren der Fall sein wird.

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