Kiefersfelden – Ein Montagabend in Kiefersfelden, der die Herzen der Zuhörer höherschlagen ließ: Unter dem Motto „Moll ist eher selten…“ gastierte das Ensemble Geschwister Auer im Rahmen der Konzertreihe in der Dynafit Speedfactory und verwandelte den modernen Saal in ein klingendes Wohnzimmer voller Charme, Klangfülle und überraschender familiärer Intimität.
Die Idee hinter „Montag und Musik“, den oftmals ungeliebten Wochenstart durch Musik und Begegnung in ein sinnliches Erlebnis zu verwandeln, ging an diesem Abend voll auf.
Bereits mit dem eröffnenden Salzberg Marsch von Hans Auer, charmant selbst anmoderiert und mit einem Augenzwinkern als Hommage an den Veranstaltungsort verstanden, gelang der Einstieg in ein Programm, das sich kunstvoll zwischen alpenländischer Volksmusik, barocker Klassik und zeitgenössischer Hausmusik bewegte. Die musikalischen Beiträge waren liebevoll ausgewählt und abwechslungsreich in Blöcken strukturiert, die jeweils mit Anekdoten, Wissenswertem und einem Augenzwinkern von einem der Geschwister eingeführt wurden. So wurde etwa das Hackbrett nicht nur gespielt, sondern auch historisch eingeordnet – ein kleines musikalisches Bildungserlebnis inklusive.
Ein Höhepunkt des Abends war das feinfühlige Zusammenspiel von Kontrabass und Harfe beim irischen Stück Irish breathe. Katrin Auer am Bass und Veronika Maria Schoosleitner an der Harfe ließen die Töne beinahe schwerelos durch den Raum schweben. In seiner Intensität kaum zu übertreffen war das folgende Solo von Hans Auer auf der diatonischen Harmonika, das fließend überging in den Boarischen zum Entschleunigen, eine berührende Komposition des Vaters Johann C. Auer – eine leise, fast kontemplative Klangreise, die das Publikum spürbar bewegte.
Auch die klassischen Beiträge fügten sich nahtlos ins Repertoire ein. Händels inniges „Dank sei dir, Herr“ verströmte in der dynamischen Interpretation des Ensembles eine spirituelle Tiefe, ohne pathetisch zu werden. Mozarts 3. Menuett, Trio II, KV 250 wurde mit federnder Leichtigkeit und einer fast tänzerischen Eleganz präsentiert, während die Zwei Deutschen Tänze von Joseph Haydn mit subtiler Ironie und rhythmischer Raffinesse daherkamen.
Besonders bemerkenswert war auch das Concertino Romano. Nicht zu vergessen: die musikalischen Eigenkompositionen von Hans und Johann C. Auer, etwa der Kerzenliacht Landler oder der beschwingte Blaaofen Landler, letzterer mit einer charmanten Anekdote zur Verbindung zwischen Kiefersfelden und dem Ainringer Blaaofen, Geburtsort der Geschwister. Solche persönlichen Bezüge, gepaart mit technischer Virtuosität und authentischer Bühnenpräsenz, machten diesen Abend zu einem besonderen Erlebnis. Zum Schluss gab es noch eine Überraschung: Die Eltern der Geschwister Auer wurden spontan auf die Bühne gebeten und musizierten gemeinsam mit ihren Kindern eine berührende Zugabe. Ein Moment, der alles in sich vereinte, wofür diese Konzertreihe steht: Echtheit, Nähe und musikalische Lebensfreude.
Am 12. Mai geht es weiter mit dem Duo Levan Tskhadadze (Klarinette) und Sandro Nebierdze (Klavier) im Programm VOYAGE – Verdi, Gershwin, Nebierdze. Beginn ist um 19 Uhr im Saal der Dynafit Speedfactory Kiefersfelden. Man darf gespannt sein – denn Montage klingen in Kiefersfelden eindeutig nach Musik.
Volkhard Steffenhagen