„Als der Chiemgau beinahe protestantisch wurde“

von Redaktion

Lokalhistorischer Vortrag von Gustl Lex in Frasdorf

Frasdorf – Wie schon seit mehreren Jahren gab der Grabenstätter Ortsheimatpfleger und Mundartautor Gustl Lex auch heuer wieder beim Heimat- und Kulturverein Frasdorf eine Geschichtsstunde der besonderen Art. Detaillierte Geschichtskenntnis, die auf gründliche Recherchearbeiten beruht, eine mit originellen Details gespickte Themenauswahl und die Fähigkeit, komplizierte Sachverhalte in schönster Chiemgauer Mundart darzustellen, zeichneten auch diesen Vortrag aus. Typisch für Lex ist, dass er seine Ausführungen mit historischen Bildern untermalt, wobei ihn seine Frau Hildegard an der Technik unterstützt.

Ausgehend von den Zuständen in der Kirche im ausgehenden Mittelalter wie Ablasshandel, Kauf von kirchlichen Ämtern, schlechte Ausbildung der Geistlichen und dergleichen, die dann zum Thesenanschlag Luthers geführt haben, ging Gustl Lex vor allem auf eine Visitation in den Chiemgauer Pfarreien vom Jahr 1558 ein. Der gesamte Chiemgau gehörte damals kirchenrechtlich zur Erzdiözese Salzburg, was immer wieder zu Spannungen mit den bairischen Herzögen führte.

Damals wurde eine gemeinsame Aktion durchgeführt, bei der alle Pfarrer, Hilfsgeistlichen und Kirchpröbste befragt wurden, wie sie es mit dem „rechten“ Glauben hielten, oder ob sie gar einzelnen Thesen Luthers zugeneigt waren. Die Fragen und Antworten sind alle überliefert. Teilweise sind sie sehr originell und Gustl Lex zitiert sie genüsslich. Dabei zeigte sich, dass die Lehre Luthers bis ins kleinste Bauerndorf hinein bekannt war und dass einzelne Geistliche durchaus Sympathie dafür zeigten. Im westlichen Chiemgau trug dazu nicht zuletzt der Herrschaftsinhaber von Hohenaschau, Pankraz von Freyberg, bei, dessen Lebensgeschichte bei der hiesigen Bevölkerung bestens bekannt ist.

Rudi Mörtl vom Verein Bairische Sprache und Mundarten Chiemgau-Inn, der Mitveranstalter war, beschloss den Abend mit dem Dank an Gustl Lex und dem Appell an die zahlreichen Zuhörer, unsere Sprache zu pflegen und sie vor allem auch an die Kinder weiterzugeben.

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