Brannenburg – Die Chance ist groß, dass Besucher von auswärts Brannenburg vor allem mit der Wendelsteinbahn verbinden. Schließlich nutzen pro Jahr gut 145000 Menschen die Zahnradbahn, um auf den Wendelsteingipfel zu kommen, darunter jede Menge Touristen aus nah und fern. Und die werden ab jetzt, wenn sie bei der Ausfahrt Brannenburg von der Autobahn abfahren und in den Ort hineinfahren, sofort wissen, dass sie tatsächlich richtig sind: Seit gestern Vormittag steht eine jener alten Loks, die fast schon zum Inbegriff der Wendelsteinbahn geworden sind, an der Nußdorfer Straße unweit der Sparkassenkreuzung ab der diese in die Sudelfeldstraße übergeht.
Möglich geworden ist dieses neue Wahrzeichen Brannenburgs, weil die Lok vor einigen Jahren einen kapitalen Motorschaden hatte. Die Kosten für eine Reparatur hätten sich nicht mehr rentiert, denn ungefähr zeitgleich hatte die Wendelsteinbahn ja eine neue Lok bekommen und auch eine grundlegende Überholung der beiden Triebwagengarnituren war schon geplant. Die Schrottpresse wäre deshalb wahrscheinlich das traurige Schicksal des Veteranen aus dem Jahr 1935 gewesen, wenn da nicht der Dritte Bürgermeister Christian Zweckstätter die Idee gehabt hätte, sie in die Ortsmitte zu stellen. Sozusagen als Willkommensgruß an alle Gäste und für die Einheimischen als Erinnerung an die 113-jährige Geschichte, die den Ort mit der Wendelsteinbahn verbindet.
Die Idee, so überzeugend sie nun auch scheinen mag, jetzt da die Lok an ihrem neuen Platz steht, war anfangs kein Selbstläufer, wie Christian Zweckstätter erzählt. Den Gemeinderat schreckten, als ihm der Plan vor vier Jahren zum ersten Mal vorgestellt wurde, vor allem die Kosten. Christian Zweckstätter aber gab seine Idee nicht auf und die Hartnäckigkeit wurde belohnt: Jetzt ist der Umzug der Lok und vor allem ihr überdachter Aufstellplatz möglich geworden, weil mittlerweile zahlreiche Firmen Brannenburgs das Projekt unterstützen und ihre Arbeitsleistung in das Projekt einbrachten.
Der Umzug selbst ging überraschend flott vonstatten: Nur knapp vier Stunden dauerte es, da war die Lok von den Gleisen am Talbahnhof mittels Schwerlastkran auf einen Tieflader gesetzt und am neuen Standort wieder auf ein Schienenstück.
Die Männer von der Wendelsteinbahn bildeten mit der Kranmannschaft aber auch ein Team aus einem Guss: Sie arbeiteten dermaßen reibungslos zusammen, als würden sie seit Jahrzehnten nichts anderes machen. Selbst die Millimeterarbeit, die nötig war, um die gut 16 Tonnen schwere Lok auf ihre Schienen zu setzen und die Zapfen der Stützen in die Überdachung einzuführen, wurde souverän gemeistert.
Für Christian Zweckstätter wie auch für Bürgermeister Mathias Jokisch war dieser reibungslose Abschluss ein durchaus passendes Symbol: Dafür nämlich, wie viel in einer Gemeinde zu erreichen ist, wenn sich viele Einzelne tatkräftig für ein gemeinsames Ziel einsetzen. Und auch Florian Vogt, der Geschäftsführer der Wendelsteinbahn, war rundum glücklich: „Es ist schön zu sehen, welchen Rückhalt die Bahn in Brannenburg und bei den hiesigen Firmen hat“, sagte er.