Ein Erbe, das verbindet

von Redaktion

Themenjahr Seit 150 Jahren prägt die Familie Cramer-Klett Aschaus Geschichte

Aschau – Die zwei Kirchtürme, die Kinderklinik, der Bahnhof, die Festhalle, die Wälder rund um das Priental – vieles von dem, was Aschau heute ausmacht, hat die Gemeinde der Weitsicht der aus Nürnberg stammenden Industriellenfamilie zu verdanken. Trotz ihrer vielfach internationalen Lebenswege fühlen sich die Mitglieder der Familie bis heute mit Aschau verbunden. So nimmt es nicht Wunder, dass das Jahr 2025 ganz im Zeichen von „150 Jahre Familiengeschichte und prägende Kraft im Priental“ steht.

Die Sitzplätze
reichten nicht aus

Klar, vieles hat man einst im Heimat- und Sachkundeunterricht gehört. Der Heimat- und Geschichtsverein Aschau, die Landesausstellung 2008 „Adel in Bayern,“ die Tourist-Info, die Schlossführungen, die Infotafeln und -broschüren quer durch den Ort haben ebenfalls dazu beigetragen, dass man so einiges über die mittlerweile sechs Generationen umspannende Geschichte der Familie in Aschau weiß. Und doch war das Interesse an dem Vortrag der Historikerin Martina Stoib und der Kunsthistorikerin Michaela Thomas so groß, dass bei der Auftaktveranstaltung in der Priental-Halle viele Zuhörer stehen mussten.

„Kaufe Hohenaschau Stopp Cramer-Klett.“ Mit diesem kurzen Telegramm Theodor von Cramer-Kletts sen. (1817 bis 1884) begann das Engagement der Familie in Aschau. Untermalt mit zahlreichen Fotos nahmen die beiden Referentinnen ihre Zuhörer mit auf eine Reise durch 150 Jahre Familiengeschichte.

1876 wurde die Industriellen-Familie geadelt. Mit Verleihung der Freiherrenwürde durch den bayerischen König entstand das Cramer-Klett-Wappen, dessen Symbolik Martina Stoib erklärte. Das unverwechselbare Logo ist bis heute in Aschau präsent. Michaela Thomas ging auf das unternehmerische Vermögen ein, das Theodor sen. durch Weitblick und das passende Quantum Glück – er gewann umgerechnet sieben Millionen Euro bei der österreichischen Staatslotterie – aufbaute. Der Fluss des Geldes sei „nicht unwichtig in der lange gelebten Symbiose zwischen der Gemeinde Aschau und der Familie Cramer-Klett“, betonte Thomas. Mäzene, Fürsorger, Arbeitgeber, Verwalter, Investor und auch Restrukturierer: „Es war und ist der stetige Wechsel zwischen Aufstieg und Verantwortung, der die Familie und die Gemeinde Aschau prägt.“ Ohne das Bauherren-Engagement der Cramer-Kletts wären der frühe Bahnanschluss Prien-Aschau, die Anfänge des Tourismus und die Orthopädische Kinderklinik Aschau nicht in ihrer heutigen Form denkbar. Dass die katholische Pfarrkirche „Zur Darstellung des Herrn“ zwei Türme trägt, ist ebenso den Cramer-Kletts zu verdanken wie der Wandel der einst baufälligen Burg in das repräsentative Schloss Hohenaschau.

„Schöner als Bad Ischl“ fanden die Cramer-Kletts das Priental schon 1875. Sie brachten Freunde und Gäste nach Aschau. Mit der Sommerfrische wurde der Tourismus zum Wirtschaftsfaktor. Und die von Theodor sen. initiierte Bahnlinie Prien-Aschau beförderte neben Gütern auch die ersten Urlaubsgäste.

Familieneigene Brauerei

Burghotel, Bahnhofsgaststätte, das spätere Hotel zur Post in Aschau sowie die Post in Sachrang waren einst in Familienbesitz. Auch das Hohenaschauer Bier der familieneigenen Brauerei war bis 1989 ein regionales Aushängeschild. Nicht zu vergessen das Festhallen-Gelände – früher luxuriöse Stallungen und Reithalle, heute soziales und kulturelles Zentrum. Tradition verbinde sich mit Moderne in Aschau auf besondere Weise, so Thomas und Stoib.

Innovation und Vision waren die Basis für alles: Angefangen bei Theodor sen. mit seinem Aufstieg durch die Maschinenfabrik Klett & Co., über die sozialen und christlichen Visionen des Theodor junior bis hin zum heutigen Chef des Hauses, Ludwig von Cramer-Klett (Jahrgang 1977), der die unternehmerische Tradition mit neuartigen Gastronomie- und Food-Startups fortsetzt. Frühe Forstreformen, Bahnanschluss, Arbeitsplätze, Wegebau und Tourismusförderung öffneten Aschau und das Priental: ein Erbe, das bis heute die Gemeinde und die Familie Cramer-Klett verbindet.

Schaufenster und 30 Veranstaltungen

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