Bad Endorf/Höslwang – Plötzlich steht die Welt still: Als Nicola Kohoutek aus Bad Endorf zu ihrer Vorsorgeuntersuchung ging, wusste sie nicht, dass diese ihr Leben verändern wird. Die 48-Jährige aus Bad Endorf ist Tierschützerin, Mutter, Ehefrau, pflegende Tochter – und sie hat Krebs. Die Diagnose hat ihr den Boden unter den Füßen weggezogen. Auch ihr Mann Georg und Tochter Angelina sind erschüttert. „Wir sind am Ende“, sagt Nicola.
Kündigung wegen
Eigenbedarfs
Dabei war gerade erst etwas Ruhe in den Alltag der Tierschützer eingekehrt. Die Familie betreibt einen sogenannten Lebenshof für Federvieh. Dahinter steht der Verein „Federn und Pfoten“. Nicola Kohoutek ist nicht nur als Mitbegründerin eine der tragenden Säulen des Vereins. Sondern pflegt parallel auch ihren 71-jährigen Vater und kümmert sich um die ganze Familie. Vor etwa einem Jahr erhielten sie die Kündigung wegen Eigenbedarfs. Nach über 16 Jahren auf dem Hof mussten sie eine neue Bleibe suchen. Für sich, den Großvater, der ebenfalls bei ihnen lebt, und knapp 100 Tiere. Kein einfaches Unterfangen, da sie einen Bauernhof suchten, der sich für ein Mehrgenerationen-Lebensmodell eignet, Platz für alle Tiere bietet und obendrein noch bezahlbar ist. Mitte Dezember 2024 erlebten sie dann ihr ganz persönliches Weihnachtswunder. Nur wenige Kilometer Luftlinie von ihrem Zuhause fanden sie in Höslwang ein Anwesen, das sie zu ihrem neuen Zuhause machen können. Ein OVB-Leser war auf das Gesuch der Familie aufmerksam geworden. „Sie haben sich explizit einen Tierschutzverein als Mieter gewünscht“, so Nicola Kohoutek. Ein wahrer Glücksfall. Seit 1. Mai läuft der neue Mietvertrag.
Doch nun hat die Kohouteks ein weiterer schwerer Schicksalsschlag ereilt und ihre schlimmsten Befürchtungen haben sich bewahrheitet: Darmkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Der Tumor hat wahrscheinlich auch bereits Metastasen gebildet. Die diagnostische Abklärung läuft derzeit noch. Dann beginnt für Nicola der eigentliche Kampf. „Chemo, Bestrahlung, das volle Programm“, sagt sie. Sobald der Behandlungsplan steht, können die Kohouteks abschätzen, welche Behandlungen notwendig sind und ob die 48-Jährige auch operiert werden muss. Laut den Ärzten ist es „fünf vor zwölf“.
Die Diagnose stellt die Familie und den Verein vor enorme, zusätzliche Belastungen. Neben den ohnehin straff kalkulierten Kosten für Umzug und Umbau kommt jetzt ein weiteres Problem hinzu. Durch die Behandlung der Krankheit fällt nicht nur Nicola als helfende Hand aus. Auch Georg und Tochter Angelina belastet die Krebsdiagnose schwer. „Wir hängen komplett in der Luft. Seit der Diagnose sind wir nicht imstande zu planen, wie es weitergeht“, sagt Georg Kohoutek. Als Selbstständiger musste er inzwischen auch einige Aufträge seiner Montagefirma ablehnen, da er seine Frau zu den Behandlungen fahren muss. Außerdem will er seiner Frau Beistand leisten, für sie da sein in dieser schweren Zeit.
Gleichzeitig wird es den Kohouteks nicht möglich sein, ihren Zeitplan beim Umbau und Umzug einzuhalten. „Den Großteil des Umbaus im Haus haben wir in Eigenleistung geplant“, erklärt Nicola Kohoutek. Nun falle nicht nur sie als Arbeitskraft aus. Auch ihr Mann Georg könne nicht so anpacken, wie ursprünglich geplant.
Das Gleiche gilt für die 18-jährige Angelina, die auf dem Hof ihrer Eltern tatkräftig anpackt. Auch sie ist stark belastet. Um die Schülerin zu entlasten, haben ihre Eltern nun einen Teil der Tiere bei anderen Vereinen unterbringen können.
Doppelbelastung
durch zwei Mieten
Was die Familie zusätzlich unter Druck setzt: Sie wird zwei Mieten gleichzeitig stemmen müssen. „Wie lange, das können wir noch nicht sagen“, so Nicola Kohoutek. Ein Umstand, den keiner vorhersehen konnte und der droht, ihnen finanziell das Genick zu brechen. Dies würde auch unweigerlich das Ende des Vereins bedeuten.
Deswegen hat Matthias Taschner, langjähriger Freund der Familie und Gründungsmitglied des Vereins „Federn und Pfoten“, eine Spendenaktion auf der Plattform „Gofundme“ ins Leben gerufen. „In dieser schweren Zeit ist es mein Anliegen, ihnen und dem Verein wenigstens finanziell etwas unter die Arme zu greifen, damit sie sich voll und ganz auf den Kampf gegen den Krebs konzentrieren können“, sagt er. Nicola Kohoutek möchte sich nicht unterkriegen lassen. „Ich versuche, positiv zu bleiben. Besonders für meine Familie.“