Tempo-30-Wunder in Niedernburg

von Redaktion

Geschwindigkeitsbegrenzung ab 22 Uhr beendet jahrelange Anwohner-Beschwerden

Prutting – Über zwei Dinge sind sich wohl alle Bürgermeister im Landkreis einig. Erstens: Ist eine Baustelle im Ort, an der die Bahn beteiligt ist, hast du am Ende graue Haare. Zweitens: Wer glaubt, auf einer Staatsstraße, die mitten durch den Ort führt, aus Lärmschutzgründen Tempo 30 durchsetzen zu können, glaubt auch an den Weihnachtsmann, an Wunder oder sogar beides.

Doch Wunder gibt es bekanntlich immer wieder, und ein solches ist in Prutting eingetreten: Auf der Staatsstraße, die mitten durch den Ortsteil Niedernburg führt, gilt demnächst Tempo 30 – zumindest in der Zeit von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens.

Langwierige
Verhandlungen

Doch zugegeben, dieses Wunder kam nicht ganz von selbst. Pruttings Bürgermeister Johannes Thusbaß hat einige Zeit darauf verwendet, bis es eintrat: „Richtig intensiv waren es ganze 31 Monate“, wie er sagt. Ab 2022 hatte er bei den einschlägigen Stellen – Landratsamt und Straßenbauamt – immer wieder das Problem der Niedernburger Bürger vorgetragen: Dass die Anlieger wegen des Lärms auf der Staatsstraße nachts nur schwer ein Auge zubekämen. Schließlich ist sie eng bebaut, aber viel befahren: Schon im Jahr 2021 waren es nach offizieller Zählung über 7700 Fahrzeuge am Tag. Ob denn unter diesen Umständen innerorts nicht eine nächtliche Beschränkung auf Tempo 30 möglich wäre?

„Ist nicht möglich“ war stets der knappe Kern der Antworten, die der Bürgermeister erhielt. Doch wie Johannes Thusbaß sagt: „Mich – und das gilt auch für meine ganze Verwaltung – uns interessiert eigentlich nicht, dass etwas nicht geht, auch nicht, warum das so ist. Wir wollen stattdessen wissen, was wir aktiv tun können, damit etwas vielleicht doch möglich werden kann.“

Im Falle des Tempo-30-Wunsches war das klar: Es musste die tatsächliche nächtliche Lärmbelastung durch ein Gutachten festgehalten werden. Und dieses Gutachten, das die Gemeinde im Juli 2023 in Auftrag gegeben hatte, stellte durch nachprüfbare Messungen fest: Im Bereich der direkten Anlieger an der Staatsstraße ist die nächtliche Lärmbelastung eigentlich nicht zumutbar.

Das allein aber hat zunächst nicht geholfen – die allgemeine Zurückhaltung der zuständigen Behörden, den Verkehr auf einer Staatsstraße, also einer wichtigen Verkehrsader, deutlich einzubremsen, blieb auch für diesen konkreten Fall einfach zu groß.

Allerdings fand sich am Ende in der Person von Alfred Stockinger, dem neuen Sachgebietsleiter Verkehrswesen im Landratsamt, jemand, der bereit war, sich die Situation nochmals anzusehen. Und auch dieser Ortstermin ergab: Der Lärm, der hier auch durch den Straßenbelag und die Straßenführung mit verursacht wird, stellt vor allem nachts tatsächlich eine Belastung der Anlieger dar.

Die Schilder
sind schon bestellt

Damit fand ein fast dreijähriges Bemühen der Gemeinde nun doch noch ein gutes Ende. Die Hinweisschilder, die zwischen 22 und 6 Uhr morgens Tempo 30 vorschreiben, sind bereits bestellt und können wohl noch im Laufe dieses Monats durch das Staatliche Bauamt aufgestellt werden. Für die unmittelbaren Anlieger ist dies, wie von ihnen übereinstimmend zu hören war, ein durchaus großer Moment, da mit dem Bescheid des Landratsamtes ein bereits Jahrzehnte altes Anliegen endlich in Erfüllung gegangen ist.

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