„Wir sind aus allen Wolken gefallen“

von Redaktion

Schonstetter Heim-Bewohner suchen wegen Schließung nach neuen Einrichtungen

Schonstett – „Wir sind aus allen Wolken gefallen“, erinnert sich Anna-Maria Obermaier. Mitte März hat der Caritas-Verband ihr und den anderen 39 Bewohnerinnen und Bewohnern des Heims für Menschen mit körperlichen Behinderungen in Schonstett verkündet, dass er die Einrichtung schließen wird. „Für uns ist das eine Katastrophe“, so Obermaier.

Manche von ihnen würden bereits seit 30 oder 40 Jahren in dem Caritas-Heim wohnen, sagt die 44-Jährige, die selbst seit acht Jahren in Schonstett lebt. „Ich fühle mich hier wohl und habe mir hier ein Leben aufgebaut“, sagt Obermaier.

Bis 2017 bei
Familie gewohnt

Bis 2017 war die 44-Jährige als Hauswirtschafterin tätig und hat bei ihrer Familie gewohnt. Ihre Arbeit musste sie aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Daraufhin zog sie nach Schonstett. Auf das gute Zusammenleben im Heim legt Obermaier großen Wert, weswegen sie auch Vorsitzende der Bewohner-Vertretung ist. Sie nimmt Klagen und Beschwerden entgegen, leitet diese an die Heimleitung weiter und repräsentiert die Bewohnerschaft, beispielsweise bei Spendenübergaben, erklärt Obermaier.

„Wir sind hier wie eine Familie“, verdeutlicht die 44-Jährige. Sowohl Bewohner als auch Mitarbeiter würden sich gut kennen und seien aufeinander abgestimmt. Auch im Ort seien die Bewohner integriert. „Wir besuchen die Kirche, den Dorfladen oder das Wirtshaus. Im Ort kennen wir uns gut aus und finden uns zurecht“, so die 44-Jährige. Auch Feste wie der Weihnachtsmarkt, die Faschingsparty oder das Weinfest seien feste Bestandteile für die Schonstetter Heim-Bewohner. Doch auch Fahrten nach Rosenheim zum Einkaufen oder zu Konzerten nach München seien stets möglich gewesen, erklärt Obermaier. „Ich war auch mal bei Coldplay. Solche Ausflüge waren kein Problem“, sagt sie. Von Schonstett aus habe sie alles erledigen und erleben können. „Wir sind hier ja nicht eingesperrt“, verdeutlicht sie.

Auch in den alten Mauern des Heims hat sich Obermaier wohlgefühlt. „Die Aufzüge sind relativ neu. Einer davon ist extra breiter für größere Rollstühle“, sagt sie. An den Vormittagen gebe es zudem verschiedene Unterhaltungsangebote. „Wir häkeln gemeinsam, spielen Spiele und sitzen auch gerne zum Ratschen beisammen“, sagt sie. Mit 44 Jahren ist Obermaier die zweitjüngste Bewohnerin. Die jüngste Person ist Ende 20.

Das gewohnte Zuhause nun verlassen und woanders neu anfangen zu müssen, ist für Obermaier eine „wahnsinnige Belastung“. Auch, weil sie sich mehr Unterstützung vonseiten der Caritas wünschen würde. „In den vergangenen Wochen wurden meine Anrufe nicht wahrgenommen und meine E-Mails nicht beantwortet“, kritisiert Obermaier. „Wir fühlen uns hier gerade etwas alleine gelassen. Letztlich fällt alles weg, was ich mir in acht Jahren hier aufgebaut habe. Das ist eine große Unsicherheit“, sagt sie mit Tränen in den Augen. Der Verband unterstütze zwar bei der Suche nach neuen Wohnmöglichkeiten. Bisher hätten schon zwei Treffen in der Gruppe, bei denen es auch Einzelgespräche gegeben habe, stattgefunden. Dennoch braucht es laut Obermaier mehr Zusammenkünfte und Kommunikation. Das nächste Treffen soll bereits in wenigen Tagen stattfinden. Hiervon erhofft sich die 44-Jährige, dass auf viele Bewohner persönlich und einzeln eingegangen werde.

Seniorenheim
kommt nicht infrage

Wohin Obermaier ziehen wird, weiß sie noch nicht. Ein Heim im Landkreis Rosenheim würde für sie zwar infrage kommen, dieses müsse die 44-Jährige jedoch erst noch besichtigen, sagt sie. Erste Bewohner haben ihr zufolge bereits eine neue Unterkunft gefunden und sind ausgezogen. „Manche wechseln nun in ein Seniorenheim. So etwas kommt für mich nicht infrage“, sagt die 44-Jährige. Für sie ist es wichtig, einen Platz in der Nähe ihrer Familie, die in Bad Endorf wohnt, zu finden. „Natürlich werden wir hier nicht vor die Tür gesetzt“, betont sie. Bis Ende des Jahres sollen jedoch alle Bewohner ausgezogen sein.

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