Rohrdorf – Wenn der Liederkranz unter der Leitung von Felix Spreng zu einem Konzert einlädt, werden die ganz großen Werke aus der Musikgeschichte aufgeführt. Und das auf einem Niveau, das den musikalischen Edelsteinen und deren Komponisten gerecht wird. Im vergangenen Jahr war es das Mozart-Requiem, dessen zweimalige Aufführung bewiesen hat, dass der Chor in seiner jetzigen Zusammensetzung ganz oben anzusiedeln ist. Er ist keine Sammlung von Sängerinnen und Sängern, die gemeinsam singen, sondern ein einziger, geschlossener Klangkörper, ebenso machtvoll wie feinfühlig.
Uraufführung
1937 in Frankfurt
Bei diesem Niveau konnte man sich auch für dieses Jahr ein großes Werk vornehmen: die Carmina Burana von Carl Orff. Dabei handelt es sich um eine mittelalterliche Text- und Liedersammlung, aufgefunden im Kloster Benediktbeuern, womit sich auch die Namensergänzung „burana“ erklärt. Der mittelalterlichen Entstehung im elften und zwölften Jahrhundert entsprechend sind die Lieder in Latein und Mittelhochdeutsch verfasst. Orff widmete sich ihnen in den Jahren 1935 und 1936, uraufgeführt wurde sein Werk dann 1937 in Frankfurt. Ab da begann das Werk einen Siegeszug. Es soll heute zu den meistaufgeführten Werken der Welt gehören.
Und auch all jene, die mit „ernster“ Musik weniger am Hut haben, werden zumindest Stücke daraus kennen: Der Eingangschorsatz „O fortuna“ hat eine Karriere als Filmmusikelement hinter sich, Teile daraus werden häufig auch in der Werbung oder als Untermalung von Fernsehproduktionen verwendet. Dennoch ist dieser Chorsatz keineswegs zu einem musikalischen Allgemeinplatz verkommen, seine Kraft und Dynamik ziehen einen jedes Mal aufs Neue in seinen Bann.
In Rohrdorf wird man nun das ganze Werk zu hören bekommen, und dafür haben der Liederkranz wie auch der Verein Musica Inn Regio keine Mühe gescheut: Knapp 30 Musiker – Bläserensemble, großes Schlagwerk, zwei Flügel – werden beteiligt sein. Im Grunde also die „ganz große“ Aufführungsvariante, nur ohne Streicher. Dazu rund 80 Chormitglieder, nicht nur der Liederkranz mit den drei Solisten Teresa Boning (Sopran), Markus Herzog (Tenor) und Ansgar Theis (Bariton), sondern auch der Kinder- und Jugendchor „Apostelsingers“.
Nur eine
einzige Aufführung
Eine Besonderheit ist auch die Örtlichkeit, an der das Konzert stattfindet, ein Platz, an dem Kultur und Industrie harmonisch zusammenfinden: die große Packhalle im Zementwerk. Ein Ort, wie geschaffen für eine Aufführung der Carmina Burana: Hier, in dieser besonderen Umgebung, findet der spezielle Charakter, den das Werk durch seine lateinischen und hochmittelalterlichen Texte hat, seine räumliche Entsprechung. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es dabei: Der Aufwand für diesen Auftritt ist nicht ohne, denn allein die Anlieferung und das Stimmen der beiden Flügel sind aufwendig. Deshalb wird das Konzert nur am Samstag, 10. Mai, um 19.30 Uhr stattfinden. Karten gibt es bei „Wildblume Floristik“ in Rohrdorf und „Der Bleistift“ in Stephanskirchen.