Ruhpolding – Großes Glück mit dem Wetter hatten die gut 1000 Beteiligten bei der 78. Hauptalmbegehung des Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern (AVO) am vergangenen Mittwoch (wir berichteten). Bestens organisiert vom AVO, den Ruhpoldinger Almbauern und der Gemeinde Ruhpolding gab es zwar kleinere Veränderungen des Organisationsablaufs, aber insgesamt eine gut funktionierende Großveranstaltung dank unzähliger ehrenamtlicher Helfer wie Feuerwehr, Bergwacht und Polizei.
Die Begrüßung auf der Thorau-Alm fand pünktlich um 9 Uhr statt, wobei prominentester Gast der neue Bundesagrarminister Alois Rainer war, der ständig von Journalisten, Rundfunk und Fernsehen umlagert war. Auf die Frage der Chiemgau-Zeitung, welchen Eindruck er von der Almwirtschaft auf den Ruhpoldinger Almen bisher habe, zeigte er sich ehrlich begeistert: „Da geht mir einfach das Herz auf.“ Man müsse alles tun, um diese wunderbare Landschaft, die nur dank der über Jahrhunderte andauernder Arbeit der Almbauern so erhalten bleiben konnte, weiter zu fördern.
„Da geht mir
das Herz auf“
Die Begrüßung der Gäste nahmen der Vorsitzende des AVO, Josef Glatz, und die erst seit Kurzem amtierende Geschäftsführerin des AVO, Brigitte Meier, vor. Danach erteilte Pfarrer Otto Stangl den kirchlichen Segen für diese Hauptalmbegehung mit dem Sonnengesang von Franziskus von Assisi.
Grußworte sprach der Bürgermeister der Gemeinde Ruhpolding, Justus Pfeifer, der sich freute, dass so viele Besucher zu der Hauptalmbegehung gekommen waren, die nun seit 25 Jahren – damals auf dem Rauschberg – wieder in Ruhpolding stattfinden kann.
Ohne die Leistungen der Almbauern gäbe es im bayerischen Alpenraum weder den so wichtigen Tourismus, Arbeitsplätze und Artenvielfalt würden fehlen. Daher müsse die Almwirtschaft in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen werden.
Kurz hielt sich Traunsteins neuer Landrat Andreas Danzer und sprach sich dafür aus, ein Netzwerk zum Erhalt der Almwirtschaft zu gründen. Günther Felßner, seit 2022 Präsident des Bayerischen Bauernverbandes und seit 2023 stellvertretender Präsident des Deutschen Bauernverbandes, betonte seinerseits die tägliche harte Arbeit der Almbauern.
In der Politik gebe es zwar viele „Schützer“ und auch Erfolge in der Landwirtschaft, aber beim Schützen würden oftmals falsche Akzente gesetzt. „Wir verlieren Tiere, Bauern und Bauernhöfe.“ Beim Thema Wolf kritisierte er stark die „Verschleppungstaktik“ des Bundesumweltministeriums. Zum Abschluss der Reden stellte Bernhard Haberlander, einer der neun Berechtigten der Alm, die Thorau-Alm südlich des Hochfelln auf einer Höhe zwischen 1100 und 1400 Metern vor. Im Jahr 1993 sei hier die Trennung von Wald und Weide vorgenommen worden. Jährlich würden 250 Tiere aufgetrieben und es gebe eine sehr hohe (Mankei-) Murmeltierpopulation.
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer sagte, dass die Stärkung der regionalen Vielfalt Kern der Heimatpolitik der CSU sei. „Wir machen Politik für die, die uns mit allem fürs tägliche Leben versorgen.“ Es gehe nicht um Symbolpolitik, sondern um Lösungen, „die tragen – in der Praxis, im Alltag und der Zukunft“. Genau deshalb habe er einen Kurswechsel in der Agrarpolitik eingeleitet.
Die ersten Weichen seien gestellt: schlankere Regeln statt Meldewahnsinn. Seit Mai diesen Jahres sei die Landwirtschaft um mehr als 20 Millionen Euro entlastet worden. Endlich würde vermehrt auf vorliegende Daten zurückgegriffen, anstatt neue zu erheben. Weiter müssten die Höfe seit Juli diesen Jahres keine Stoffstrombilanz mehr erstellen – das sei deutlich weniger Bürokratie bei gleichen Umweltzielen, so Rainer. Wichtiges Kulturgut sei auch, dass die Weidetierhaltung besser geschützt und erhalten werde, so der Agrarminister, der nun seit 100 Tagen im Amt ist. Die zuständigen Bundesministerien hätten sich mit den Ländern darauf verständigt, wegen der raschen Ausbreitung des Wolfs in Deutschland und regionaler Besonderheiten den Erhaltungszustand des Wolfs in kontinentalen, biogeografischen Regionen vorerst als „unbekannt“ an die EU zu melden. Die bestehenden Bewertungsgrundlagen würden derzeit noch nicht ausreichen, aber nun von Bund und Ländern überarbeitet. Noch heuer werde auf Basis einer wissenschaftlich fundierten Methodik eine Bewertung an die EU-Kommission übermittelt. Rainer versprach, dass der Wolf in das Bundesjagdrecht mit aufgenommen würde. Ziel sei es, das Gesetzgebungsverfahren Anfang 2026 abzuschließen, so der Agrarminister. Die übrigen hohen Vertreter aus Politik und Landwirtschaft trafen erst bei den nächsten Stationen der Almbegehung ein, der Eschlmoosalm und der Haaralm, so die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Ilse Aigner, die bayerische Land- und Forstministerin Michaela Kaniber und der stellvertretende bayerische Ministerpräsident Hubert Aiwanger. „Die Almwirtschaft ist bedroht – nicht zuletzt durch eine Wolfspolitik, die an der Lebensrealität der Menschen und Tiere im Alpenraum vorbeigeht“, sagte Michaela Kaniber bei ihrer Ansprache den Almbauern. Der ideologische Kampf gegen die Nutztierhaltung, wie ihn die Ampel betrieben habe, sei nun vorbei. Noch sei nicht genug geschehen, weitere Schritte müssten folgen.
Kritik an
der Wolfspolitik
Die geplante Abschlussbesprechung im Bergwalderlebniszentrum in der Urschlau fiel aus, weil die meisten Politiker direkt nach ihrem Ausflug auf die Almen zurückfuhren. Dennoch kamen Hunderte der Teilnehmer, um bei gutem Essen, Getränken und der zünftigen Blasmusik der Musikkapelle „D´Rauschberger“ Ruhpolding die gelungene Almbegehung und den schönen Tag zu feiern.