Amerang – Die Murn ist ein östlicher Nebenfluss des Inns, der mit seinen Seitenbächen große Teile des nordöstlichen Landkreises Rosenheim entwässert. Dies betrifft vor allen Dingen die Gemeinden Amerang, Halfing, Eiselfing, Schonstett, Griesstätt und Vogtareuth. Vom Quellteich im Grenzgebiet zwischen den Gemeinden Schnaitsee und Amerang und der Mündung in den Inn bei Untermühle, Gemeinde Griesstätt, heißt der Fluss heute einheitlich „Murn“. Allerdings sei der Verlauf des Flusses sehr unübersichtlich und von mehreren abrupten Richtungsänderungen gekennzeichnet, so Heimatforscher Wolfgang Klautzsch.
Fluss windet sich durch Hügelketten
Der Grund dafür ist durch die eiszeitliche Vergangenheit dieses Landstriches zu erklären. Aus dieser Zeit stammen unterschiedliche Moränenzüge. Zwischen diesen Hügelketten musste sich die Murn hindurchwinden. Andererseits verdankt die Murn diesem Umstand, dass weite Teile des Flusses heute noch sehr ursprünglich, naturbelassen und unverbaut sind, vor allen Dingen im Unterlauf, der sich tief in die Landschaft eingeschnitten hat. Dieser verwirrende Flussverlauf könnte möglicherweise ein Grund dafür sein, dass es unterschiedliche Namen für die einzelnen Flussabschnitte gab. Fest steht, dass der Oberlauf dieses Gewässers ab der Quelle und bis nördlich von Untersur jahrhundertelang den Namen „Sur“ trug. „Dies lässt sich eindeutig beweisen, weil auf den historischen Karten aus dem 16. Jahrhundert dieser Bach als ,Sur‘ bezeichnet wird und in ,Surprun‘ entspringt“, erklärt der Heimatforscher.
Ein Beispiel dafür sei die historische Karte von Philipp Apian von 1568. Außerdem liegen an seinem Lauf mehrere Ortschaften mit der Vor- oder Nachsilbe „-sur“, unter anderem Suranger, Surau, Kirchensur, Ober- und Untersur. Umso erstaunlicher ist es, dass in dem betreffenden Urmesstischblatt von 1815 erstmals bei Obersur der Name „Murn“ für diesen Bach auftaucht. „Offenbar ist den alten Landvermessern hier ein Fehler unterlaufen, der den ganzen späteren Namens-Wirrwarr ausgelöst hat“, vermutet Klautzsch. Denn der nächste Widerspruch zur Namensgebung „Murn“ findet sich im Mittellauf bei der Einmündung der ehemaligen Sur nördlich von Untersur in die Achen. Dieser Name „Achen“ für den Ausfluss aus dem Zillhamer See ist in den Urkunden des Schlossarchivs von Amerang seit dem Jahre 1448 verbürgt. Und so hieß dieses Gewässer auch in den alten Katasterblättern nach dem Zusammenfluss mit der Sur jahrhundertelang „Achen (Acha)“, was auch der Name „Achen“ für die Ortschaft unterhalb von Evenhausen beweist. Erst im Unterlauf ab der Ortschaft Aham, Gemeinde Eiselfing, ist einheitlich in den historischen Karten und in den frühesten Katasterblättern der Name „Murn“ verzeichnet. Rätselhaft bleibt, warum dieser Fluss abschnittsweise über Jahrhunderte drei unterschiedliche Namen hatte. Es gibt aber Hinweise, dass diese drei Namen verschiedenen, ursprünglichen und dort angesiedelten Volks-und Sprachgruppen entsprechen könnten: „Sur“ für altbayerische, „Achen“ für römische und „Murn“ für keltische Wortwurzeln.
In vielen Landkarten des letzten Jahrhunderts wurden immer wieder verschiedene Namen für denselben Fluss verwendet. Dieses Durcheinander beendete schließlich 1984/85 das Landesvermessungsamt, indem der ganze Flussverlauf in den amtlichen Karten einheitlich „Murn“ benannt wurde. Allerdings geschah dies eigenmächtig, ohne die sonst übliche Rücksprache mit den Gemeinden. Für manchen Einheimischen klingt „Murn“ sehr befremdlich, weil dies so gar nicht zu den althergebrachten, historischen Namen der anliegenden Ortschaften in der Gemeinde Amerang passt.
„Aus Gemeindesicht kann die Argumentation nachvollzogen werden, dass im Laufe der Zeit es einmal eine Benennung Murn in ein öffentliches Dokument geschafft hat und dann nicht mehr hinterfragt worden ist. Gleichzeitig ist der Name Murn seit vielen Jahrzehnten für den gesamten Flusslauf etabliert, wir werden hier keine Korrektur anstreben“, sagt Amerangs Bürgermeister Konrad Linner.
Gemeinde
lässt Tafel erstellen
Aktuell hat die Gemeinde eine Info-Tafel erstellen lassen, die sich am Nordausgang von Evenhausen am Fahrradweg Richtung Hebertsham befindet. Dort können auch per QR-Code oder aus dem neuen Ameranger Heimatbuch vier ausführliche Artikel zu diesem Thema abgerufen werden: www.unser.amerang.de/natur-landschaft.