Pfraundorf – Uriger Saal, erwartungsfrohe Stimmung, eine gute Verpflegung, dazu Helena Buys an der Harfe und Jona Schopf mit der
Ziach zur Einstimmung: Unverkennbar, es ist Theater-Premiere der Kleinen Bühne Pfraundorf beim „Oidn Wirt“.
Der Vorhang ging auf, Vroni Dinzenhofer trat auf die Bühne und begrüßte das Publikum im vollen Saal, wobei sie bat, die Handys auf „Flugmodus“ zu stellen. Kaum gesagt, schon klingelte es unüberhörbar aus den vorderen Sitzreihen. Die nicht abgesprochene Szene löste bereits kurz vor Beginn der bayerischen Komödie „Der Mascara“ in drei Akten von Peter Landstorfer lautstarke Jubelrufe des Publikums aus.
„Der Mascara“ handelt von der Gutgläubigkeit der Bewohner eines Dorfes, die letztendlich bereit sind, all ihr Hab und Gut einem zu überlassen, der ihnen Glück, Ansehen und Reichtum verspricht. „Wias geh ko, wenn oa Oanziger olle anderen zum Narren hoit?“, machte Dinzenhofer das Publikum neugierig. Viele Themen seien aktueller denn je, beispielsweise Social Media, KI oder Fake News. „Vielleicht bringen wir euch heute dazu, etwas genauer hinzuschauen, zu hinterfragen, was ist echt und was ist Schein? Lasst euch überraschen und ein klein wenig täuschen, denn darum geht es beim ,Mascara‘“, gab Dinzenhofer zu bedenken.
Das Stück begann mit Blitz und Donnergrollen. Die Bewohner eines Dorfes versammelten sich in einer alten Schmiede zum gemeinsamen Gebet, damit das Unwetter vorübergehen möge. Während der Bürgermeister (Stephan Hemberger), seine Frau (Christina Rekofsky), der Wirt (Alexander Geisberger), der Toagerl (Vitus Mayer), das Bepperl (Theresa Franz), die Hebamme (Stephanie Rothbächer), das Miadei (Bernadette Deutschenbaur), der Ungläubige (Adrian Stadler) und der Knecht (Valentin Franz) ihre Stoßgebete zum Himmel schicken, taucht plötzlich der geheimnisvolle „Mascara“ (Florian Antretter) auf. Eigentlich ist er ein gewöhnlicher Maskenhändler, der aber geschickt die Angst der Einheimischen mit seinen angeblich hellseherischen Fähigkeiten ausnutzt.
So nehmen dann die gutgläubigen Wünsche der Dorfbewohner ihren Lauf, der Bürgermeister will Minister werden und schwingt eine Rede, von der er selber im Nachhinein sagt: „Da bin ich im Misthaufen, bis zum Bauch im Dreck gestanden.“ Mit allen möglichen Verlockungen wie einem Gugelhupf, einer gebratenen Ente oder einer goldenen Taschenuhr versuchen die Bewohner, den „Mascara“ seine hellseherischen Fähigkeiten spielen zu lassen. „Nix is, wia’s war, drum nennt ma mi an Mascara“, gibt er großspurige Prophezeiungen. Nur einer lässt sich nicht täuschen, Sebastian Franz in der Rolle des Pater Friedl. Ob der „Mascara“ nur die Dummheit und Leichtgläubigkeit der Dorfbewohner ausgenutzt hat, das konnte sich das Publikum fragen. Darunter auch Raublings Bürgermeister-Dreigestirn mit Bürgermeister Olaf Kalsperger an der Spitze, der vor rund 30 Jahren für die Theatergruppe des Trachtenvereins Raubling auch schon in die Rolle des „Mascara“ geschlüpft ist.
Wer die Premiere unter der Regie von Stephanie Rothbächer nicht gesehen hat, verpasste einen gelungenen Theaterabend. Der tosende Applaus des Publikums, begleitet von freudigen Pfiffen und Bravorufen, sprach Bände. ru