Neubeuern – Der Andrang war groß. In starker Beteiligung zeigten sich die Mitglieder des Veteranen- und Kriegervereins Neubeuern bei ihrem 154. Jahrestag. Im Kirchenzug, angeführt von der Blaskapelle Neubeuern, marschierte man zum Marktplatz, zur Pfarrkirche und zum erneuerten Ehrenmal. Auch wenn man der Toten gedenke, betonte Pfarrer Christoph Rudolph, sei der Glaube an Christus das Tor zum weiteren Leben.
„Friedenszeit war
ein Geschenk“
In diesem Sinne erinnerte der Vorsitzende Erich Rasinger an das denkwürdige Datum des Jahrestages, an dem sich Reichspogromnacht, aber auch der Mauerfall jährten. Rasinger führte weiter aus, dass weltweit kein Monat vergehe, in dem nicht von Krieg, Unruhe oder Unglücken berichtet werden müsse. „Unsere Friedenszeit war ein Geschenk“, sagte der Vorsitzende mit besorgtem Blick auf die Krisengebiete der Welt.
Bedrückende Stille herrschte, als ein Kranzgebinde niedergelegt wurde und an die 103 gefallenen Kameraden gedacht wurde, die namentlich während des Gottesdienstes in Erinnerung gebracht wurden. In das Totengedenken eingeschlossen war die Erinnerung an Sepp Winghard, den letzten Kriegsteilnehmer in den Reihen des Vereins, dem man die Ehre erweisen konnte.
Der umfangreiche Dank des Vorsitzenden galt allen Beteiligten, die bei der Renovierung des Kriegerdenkmals an der Pfarrkirche geholfen haben. Dies wurde möglich durch die enge und verantwortliche Zusammenarbeit des Vereins mit der Gemeinde, der Kirche, Handwerkern sowie großzügigen Gönnern und Geldgebern. Es sei eine Gemeinschaftsaufgabe mit Erfolg und ein Zeichen für die Zukunft, sagte Rasinger. Er gestand, dass er deswegen auch schon schlaflose Nächte verbracht habe.
Geselligkeit und kameradschaftliche Verbundenheit prägten den Jahrestag beim Wirt in Altenbeuern. Auch die Neuwahlen, Ehrungen und ein Rückblick standen auf der Tagesordnung. Hans Heibler informierte über den Ausflug nach Berchtesgaden, berichtete über das Bezirkstreffen in Kiefersfelden, die Teilnahme an kirchlichen Festen und die erfolgreiche Sammlung für die Kriegsgräber.
Ein ereignisreiches Vereinsjahr bestimmte auch die Kassenbewegungen, über die Hans Schwaiger informierte. Bei Ausgaben von rund 8800 Euro für das Vereinswesen und die Renovierung des Kriegerdenkmals, die eigens bilanziert wurde, ergab sich ein Minusbetrag von 444 Euro. Dieses Kassenminus war aber nicht der Beweggrund für die Erhöhung des Mitgliederbeitrags. Die erfolgte mit Blick auf die letzte Beitragsanpassung, die es 1990 gegeben hat. Einstimmig und ohne Diskussion beschlossen die Mitglieder die Erhöhung des Beitrags von sechs auf zukünftig zwölf Euro. Ab dem 75. Lebensjahr werden die Mitglieder beitragsfrei geführt.
Zufriedenheit mit der geleisteten Arbeit belegte auch die von Konrad Stuffer geleitete Neuwahl. Dabei wurden Erich Rasinger als Vorsitzender, Florian Paul als sein Stellvertreter, Hans Schwaiger als Kassier und Johann Heibler als Schriftführer eindrucksvoll bestätigt.
Als Fähnrich wurde Erhard Heiß neu gewählt, als Beisitzer fungieren Andreas Leitner und Vitus Krapf. Franz Bichler, Volker Sennhenn, Martin Perret und ab sofort auch Harry Schulz. Dankbarer Applaus galt Peter Poll, der rund vier Jahrzehnte als Fahnenträger verantwortlich war und nun krankheitsbedingt das Amt abgab. In der 154-jährigen Geschichte des Vereins waren er und sein Vater mehr als 70 Jahre für diese Aufgabe tätig. Aus der Beisitzerriege zog sich Wolfgang Sattelberger zurück, der hier zwölf Jahre mitgewirkt hat. Sepp Estner und Bernhard Warter wurden als Revisoren bestimmt.
Dank und Ehrungen
für langjährige Treue
Im Anschluss arbeitete der Vorsitzende Rasinger eine lange Dankesliste ab für Hilfsaufgaben, die still im Hintergrund getan werden. Für Bürgermeister Christoph Schneider bedankte sich sein Stellvertreter Wolfgang Sattelberger, selbst aktives Vereinsmitglied, für den geleisteten Arbeitseinsatz im abgelaufenen Jahr. Als wichtig und wertvoll bezeichnete er die getane Arbeit der Ortsvereine für ein gutes Zusammenleben. Ferner galt sein Appell der weiteren Sammlung für die Kriegsgräber als erkennbares Zeichen der Dankbarkeit.
Der Verein ehrte zudem noch Markus Schmid, Günther Hochhäuser, Erwin Schön, Georg Amtesbichler und Willi Kolb für 25 Jahre Vereinstreue. Michael Leitner und Johann Paul, die als Musikanten seit Jahrzehnten den Verein begleiten, sowie Wast Doff und Franz Stocker wurden für 40 Jahre Mitgliedschaft ausgezeichnet.
Auch für 50 Jahre bekamen einige Mitglieder Ehrennadel und Urkunde: Dazu gehörten Hans Bichler, Christian Grießenböck, Konrad Volker, Hans Schmid senior, Hans Kraus, Georg Paul und Josef Schneidt.