Kaum Wärme- und Stromverbrauch

von Redaktion

Bürgerantrag für Netz im Rotter Neubaugebiet – Gemeinderat stimmt dagegen

Rott – Die Rotter Bürger wollen mehr Klimaschutz, darauf lässt ein Bürgerantrag schließen. 57 Rotter haben unterschrieben und sich dafür ausgesprochen, dass im neuen Baugebiet am Rotter Feld ein autonomes, klimafreundliches Fernwärme- und Stromnetz entstehen soll. Grundsätzlich ein nobles Anliegen, darin war sich auch der Gemeinderat einig. Allerdings mit wenig Sinn, denn ein Fernwärmenetz in einem Neubaugebiet, das lohne sich kaum.

Gutachten
2021 eingeholt

Wie Bürgermeister Daniel Wendrock (parteifrei) erläuterte, hatte Rott bereits bei den Planungen für das Rotter Feld im Jahr 2021 ein Gutachten eingeholt, ob sich eine Hackschnitzelheizung hier lohnen würde. Damals sei dies wegen der lockeren Bebauung und der damit verbundenen langen Leitungen als wenig lukrativ abgetan worden. Auch im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung sei dies noch einmal angesprochen worden. Allerdings sei der Verbrauch neu gebauter Häuser so gering, dass auch hier die beauftragte Firma keine Möglichkeiten sah, ein Fernwärmenetz zu verwirklichen. Einzige Möglichkeit: ein genossenschaftliches Netz.

Wendrock erklärte, dass er aufgrund des Antrags Rücksprache mit einem genossenschaftlichen Betreiber im Landkreis Altötting gehalten habe. Dieser habe den Bau eines Fernwärmenetzes in einem Neubaugebiet wie dem Rotter Feld nicht kategorisch ausgeschlossen. „Unter bestimmten Umständen kann das sich wohl durchaus lohnen“, meinte Wendrock und machte deutlich, dass er diese Idee begrüßen würde. Ein genossenschaftliches Fernwärmenetz könne er sich auch im Ortszentrum vorstellen. Wendrock plädierte deshalb dafür, die Möglichkeit eines genossenschaftlichen Fernwärmenetzes im Rotter Feld zu prüfen. Auch Johann Gilg (Bürger für Rott) sah in einem solchen Wärmenetz ein „Zukunftsprojekt für Rott“.

Kommunale Wärmeplanung gibt Fahrplan vor

Matthias Eggerl (CSU) sprach sich jedoch dagegen aus. Grundsätzlich begrüße er es zwar, dass sich die Bürger Gedanken machen würden und er sei auch „absolut dafür“, in Rott sinnvolle Fernwärmenetze aufzubauen. „Aber wir haben uns schon viele Stunden im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung damit beschäftigt“, betonte er. Seitens der Experten sei stets die klare Aussage gekommen, dass sich die Gemeinde von innen nach außen vorarbeiten sollte und beim Bau von Fernwärmenetzen mit dem Ortskern beginnen solle. „Wir haben einen klaren Fahrplan und wir sollten uns an diesen Fahrplan halten“, meinte Eggerl. „Ich bin nicht dafür, dass wir hier Geld ausgeben für etwas, das aus meiner Sicht sowieso nicht umgesetzt wird.“ Unterstützung bekam Eggerl von Parteikollegen Sebastian Mühlhuber, der von einem „totgeborenen Kind“ sprach. Häuser mit den heutigen Baustandards hätten kaum Wärme- und Stromverbrauch und auch eine Genossenschaft brauche Umsatz, in den Sommermonaten werde dieser aber kaum vorliegen. „Wir geben nur Geld dafür aus, dass wir’s am Ende schriftlich haben, dass es keinen Sinn macht“, meinte Mühlhuber.

Auch Dritter Bürgermeister Christoph Sewald (SPD) sah den Bürgerantrag kritisch. In seinen Augen sei dies eine „Methode, um den Wahlkampf einzuläuten“. Am Ende sprach sich der Rat mit sechs zu acht Stimmen gegen die Forderung des Bürgerantrags, ein eigenes Fernwärme- und Stromnetz im Rotter Feld aufzubauen, aus.

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