Feldkirchen-Westerham – Mitten im Raum steht eine große Edelstahlwanne. Daneben befindet sich ein Edelstahltisch, auf dem mehrere Kisten platziert sind. Sie sind bis oben hin gefüllt mit Pistazien verschiedener Geschmacksrichtungen. Es gibt Pistazien, verfeinert mit Salz und Zitrone, mit Chili, nur mit Salz, geröstet oder naturbelassen. Alles wird hier von Hand zubereitet. In der kleinen Pistazien-Rösterei in Feldkirchen-Westerham macht das Ehepaar Syamak und Jana Amin Salehi alles selbst. Und sie lieben, was sie tun.
Die Suche nach der
perfekten Röstung
Seit 2018 gibt es die Rösterei nun schon. Angefangen hat alles als Hobby. Die Idee dazu entstand bereits ein Jahr zuvor in einem Sommerurlaub im Iran, der Heimat von Syamak Amin Salehi. „Wir haben von dort immer naturbelassene Pistazien mitgebracht und unsere Freunde waren begeistert von denen“, erinnert sich seine Frau. Daraus sei dann die Idee entstanden, die Steinfrucht aus dem Iran mitzubringen und in Feldkirchen-Westerham selbst zu rösten.
Ein Jahr lang führte das Ehepaar Tests durch und suchte nach der perfekten Röstung für die „lachende Nuss“, wie die Pistazie im Iran genannt wird. Von Freunden getestet, fanden die Amin Salehis dann die perfekte Zubereitung.
Was zunächst als Spaß begann, wurde 2021 dann zum Vollzeitjob. Doch dafür musste das Ehepaar zunächst einmal seine vorherigen Jobs kündigen.
Ein wohlüberlegter Schritt, den aber beide bis heute nicht bereuen. „Ich hatte damals einen unkündbaren Job“, sagt Syamak Amin Salehi. 23 Jahre lang arbeitete er als Maschinenbauer. Außerdem hat das Ehepaar zwei Kinder, die es bei dem Schritt in die Selbstständigkeit berücksichtigen musste. „Uns haben auch einige davon abgeraten, aber wir haben es dann doch gemacht“, sagt Jana Amin Salehi. „Es macht uns einfach wahnsinnig viel Spaß. Wir sind stolz darauf, wenn wir unsere eigenen Produkte in den Händen halten dürfen.“
Und davon gibt es reichlich. Neben den Pistazien in mehreren Geschmacksrichtungen kann man im Online-Shop der Amin Salehis auch Pistazienöl, Pistazienmehl und Safranfäden kaufen. Doch was macht die Pistazien-Rösterei in Feldkirchen-Westerham nun so besonders? „Wir machen alles selbst. Vom Import der Pistazien bis hin zur Fertigstellung packt allein die Familie an“, so Syamak Amin Salehi.
Die Pistazien wachsen auf der familieneigenen, landwirtschaftlichen Plantage im Iran, für die Syamak Amin Salehis Familie zuständig ist. Hin und wieder werden auch Pistazien von benachbarten Plantagen verwendet. „Aber nur von denen, die wir sehr gut kennen“, betont der 60-Jährige.
Neben regelmäßigen Qualitätskontrollen und der Pflege pflückt die Familie auch selbst die reifen Steinfrüchte von den Bäumen. „Zweimal im Jahr besuche ich die Plantage und schaue mir vor Ort alles an“, sagt der Feldkirchen-Westerhamer.
Wichtig sei es ihm, dass nach der Ernte die Wertschöpfungskette so kurz wie möglich gehalten werde, denn nur dann würden die Pistazien frisch bleiben. Und das sei sehr wichtig, betont das Ehepaar.
Wenn die Pistazien von Mitte September bis Anfang Oktober geerntet werden, werden sie bei Familie Amin Salehi nur für eine Nacht gelagert. Denn die Schale ist zunächst feucht und muss zwingend trocknen, damit sich dort kein Schimmel ansetzt.
Nach der Lagerung werden die Pistazien dann naturbelassen nach Feldkirchen-Westerham importiert. Und dieser Schritt ist sehr aufwendig. „Die Pistazien werden zweimal durch Labortests kontrolliert“, erklärt Syamak Amin Salehi. „Erst einmal im Iran und dann direkt nach der Ankunft in Europa.“ Nur einwandfreie Produkte gelangen in die Pistazien-Rösterei.
In Feldkirchen-Westerham angekommen, macht sich das Ehepaar dann an die Weiterverarbeitung. Durch eine schonende Röstung bei milden Temperaturen bleiben der nussig-süßliche Geschmack der Pistazien sowie die natürlichen Nährstoffe erhalten. „Bei uns bleiben die Pistazien circa eine Stunde im Ofen und werden bei 120 Grad geröstet“, erklärt Syamak Amin Salehi. Kommt allerdings eine Würzung hinzu, erfolgt vor der Röstung noch ein Bad in der Edelstahlwanne.
In Salzwasser und gegebenenfalls mit Zitronensaft oder Chili werden die Pistazien für ein paar Minuten eingelegt. Danach geht es auch für sie in den Ofen. Zum Schluss werden sie verpackt und mit der Post ausgeliefert.
Auf ihre Arbeit sind die Amin Salehis sehr stolz. Auch wenn es nicht immer einfach ist, als Ehepaar zusammenzuarbeiten, wie beide lachend verraten. „Aber es passt auch sehr gut, da wir doch ziemlich unterschiedlich sind und uns so gut ergänzen“, sagt Jana Amin Salehi. „Mein Mann ist eher der Techniker, der den Ofen bedient und alles organisiert. Und ich bin eher die, die auch einfach mal etwas ausprobiert.“
Jana Amin Salehi probiert
gern neue Kreationen
So hat die 54-Jährige die Pistazien mit Chiligeschmack ins Sortiment gebracht und gerade ist sie dabei, mit dem Pistazienmehl neue Backrezepte auszuprobieren. „Und mein nächstes Projekt werden Pistazien mit Rosmarin sein. Das könnte sehr gut schmecken und ist vielleicht etwas für nächstes Weihnachten“, so Jana Amin Salehi.
Was sie in Zukunft noch erreichen wollen, können beide auf Anhieb nicht beantworten. Denn so wie es jetzt gerade ist, sei es gut, sagen die beiden. Das Ehepaar, das seit 27 Jahren verheiratet ist, betont immer wieder, dass sie ein Familienunternehmen bleiben wollen. „Wir sind sehr stolz darauf, dass wir unsere eigenen Produkte verkaufen können, die eine Mischung aus Persien und Deutschland sind“, so Jana Amin Salehi.