Stephanskirchen – Er war überzeugt und bewies es am Ende allen anderen: Kilian Demberger war nicht der klassische Kandidat für einen handwerklichen Beruf. Etwas leicht war er, dazu noch klein gebaut. Doch der Beruf des Ofenbauers hatte es dem jungen Mann aus der Region Rosenheim angetan. Er wollte unbedingt die Ausbildung machen. Doch dafür musste er erst einmal rudern gehen.
Ein Praktikum
gab den Ausschlag
Als er noch zur Schule ging, musste Demberger Praktika absolvieren. „Ich wusste nicht ganz, was ich machen wollte. Ich war mir aber sicher, dass ich ins Handwerk gehen will“, sagt Demberger. Eines seiner Praktika war bei der Firma Ofenbau Madl in Stephanskirchen. Das habe ihm am meisten Spaß gemacht. „Die Vielfalt dabei. Man hat einfach mit so vielen unterschiedlichen Materialien zu tun“, erklärt Demberger die Hintergründe. Aber auch die kurze Zeit, die er mit einem Projekt verbringt, habe ihn überzeugt. „Der Ofen ist in ein oder zwei Wochen fertig“, sagt er. Gleichzeitig habe er dabei viel Kontakt mit anderen Leuten.
Für ihn stand nach dem Praktikum fest: Er will Ofenbauer werden. „Mein jetziger Chef, Matthias Madl, war sich am Anfang sehr unsicher, was ich verstehen kann. Ich war extrem klein und extrem leicht“, sagt Demberger. Beim Beruf des Ofenbauers habe man viel mit schweren Dingen zu tun, weshalb die Bedenken aufkamen, dass Demberger zu schwach sei. „Ich habe damals mit ihm vereinbart, dass er ein paar Monate später nochmal zum Praktikum kommen und in der Zwischenzeit trainieren soll, damit er mehr Kraft bekommt“, sagt Matthias Madl, Inhaber der Firma Ofenbau Madl.
Das nahm sich Kilian Demberger zu Herzen und begann mit Rudern. „Ein Spezl von mir hatte das angefangen und ich wollte das mal probieren. Das ist recht anstrengend und kann Kraft bringen“, erzählt er. Also ging er zum Ruderverein in Rosenheim und rudert seitdem auf dem Inn. Denn das, was ursprünglich nur zum Kraftaufbau dienen sollte, macht er inzwischen als Hobby. „Das macht jetzt so viel Spaß, dass ich mir gesagt habe, das will ich weiter machen“, so Demberger.
Spaß macht ihm auch sein Beruf. Seine Ausbildung konnte er sogar verkürzen, wodurch er nach zweieinhalb Jahren fertig war. In der Zeit gab es schon einige Höhepunkte. „Wir hatten mal sechs Wochen ein Projekt, also relativ lang. Das war ein alter Kachelofen, den wir restauriert haben“, erzählt Demberger. Solch eine Arbeit sei eine Besonderheit. Denn in der Regel mauere er bei seiner Arbeit Grundöfen, die weiß verputzt werden. Also einen klassischen Holzofen, wie es auch ein Kachelofen ist, der die Wärme lang anhaltend und gleichmäßig abgibt. Trotzdem sei die Spannweite bei den Öfen sehr vielfältig. Er baue auch klassische Kachelöfen oder baue Schwedenöfen ein.
Doch leicht war es bis hierhin nicht. „Vor allem am Anfang war es schwer. Gleich zu kapieren, wie alles angedacht ist, was von einem erwartet wird und wie man das dann umsetzt“, erklärt Demberger. Und auch im zweiten Lehrjahr sei es immer wieder herausfordernd gewesen: „Ich wusste noch nicht alles, aber häufig wird erwartet, dass man schon alles kann“, sagt Demberger. Trotzdem schaffte er seine Gesellenprüfung und das mit bayerischer Bestnote von 1,3. Vor Kurzem bekam er sogar einen Preis überreicht, für die beste Gesellenprüfung Deutschlands im Ofenbau.
Ein Fakt, den seine Freunde beim Antritt der Ausbildung nicht von ihm erwartet haben. „Im Freundeskreis wurden sogar Wetten abgeschlossen, wie lange ich das durchhalte“, erzählt er. Einige seien davon ausgegangen, dass er innerhalb der ersten vier Wochen kündige. Eine Fehleinschätzung, wie sich herausstelle. Aber seine Eltern hätten immer hinter ihm gestanden. „Sie meinten, wenn das mein großer Traum ist, soll ich das auf alle Fälle ausprobieren“, sagt Kilian Demberger. Ähnlich sieht es auch sein Chef Matthias Madl: „Für mich ist Kilian das beste Beispiel dafür, dass man alles schaffen kann, wenn man es wirklich will.“
Den eigenen Wünschen
nachgehen
Das hat er erfolgreich getan. Jetzt ist er bayern- und deutschlandweit der Beste. „Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Ich fand es recht lustig: Anfangs galt ich als nicht geeignet für den Beruf und dann bin ich Jahrgangsbester. Das ist schon was“, sagt Demberger stolz. Und für alle, die in einer ähnlichen Lage sind, habe er einen Rat: „Trotz der Verunsicherung, die von allen Seiten kommt, sollte man dem nachgehen, wenn es der Wunsch ist.“