Durch das Leben auf der Gori-Alm geprägt

von Redaktion

Die Kastenauerin Luise Schreiner feiert in Stephanskirchen ihren 90. Geburtstag

Stephanskirchen/Rosenheim – Der rote Faden, der sich durch das Leben von Luise Schreiner zieht, ist das Engagement für ihre Mitmenschen. Die 90-Jährige, die von sich sagt „ich bin in der Kastenau aufgewachsen – und dort vielleicht auch gscheid worn“, hält es für sehr wichtig, dass man sich so entwickelt, „dass man ins Leben reinpasst“. Und sie passte so rein, dass sie für ihr gesellschaftliches Engagement sogar mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.

Im Alter von neun Jahren wurde Schreiner „auf der Gori-Alm versteckt“, um sie vor den Herrschern zu schützen. Ihr Vater war nämlich nicht in der Partei, was für die Familie zur Gefahr wurde, „denn die Nazis sind immer mehr geworden, auch in der Kastenau“, wie sich Schreiner erinnert. Der Winter, in dem sie auf der Almhütte auf der Kampenwand nicht heizen durfte, um sich nicht durch den Rauch aus dem Kamin zu verraten, war es wohl, wie die stellvertretende Bürgermeisterin Steffi Panhans vermutet, was sie für ihr weiteres Leben prägte: das Engagement für ihre Mitmenschen.

Pfarrer Herbert Holzner, der 1987 seinen Dienst hier angetreten hat, erinnert sich noch an Ratschläge, die er damals bekommen hat. „Kirche und SPD, das passt nicht zusammen“, so eine Warnung. Durch Schreiner, die Mitglied der durch die Sozialdemokratie geprägten Arbeiterwohlfahrt (Awo) war, sei er aber „eines Besseren belehrt“ worden.

Schreiner wollte schließlich wissen, wer sie damals auf der Alm mit Essen versorgt hat. Sie wandte sich an den Aschauer Tourismus-Chef Herbert Reiter, der herausfand, dass es die Familie Moosmüller war, die sich um sie gekümmert hat. Um an diese Zeit zu erinnern, hat sie auf der Alm eine Bank gestiftet, die von der Seelsorgerin Hannelore Maurer eingeweiht wurde.

Auch als Stadträtin in Rosenheim hat sich Schreiner, die 33 Jahre als Kindergärtnerin – Holzner war damals ihr Chef – gearbeitet hat, für die Bürger engagiert. Auf sie geht die Gründung des Seniorenclubs zurück, den sie vier Jahrzehnte lang bis 2007 geleitet hat. Auf ihre Initiative hin bekamen die Stockschützen 1994 ihre Asphaltbahnen und zwei Jahre später ein Vereinsheim.

Auch mit 90 Jahren ist Luise Schreiner noch aktiv. Sie engagiert sich vor allem für ältere Menschen in ihrem Umfeld. „Solange man geistig noch fit ist“, so die rüstige Seniorin, die Lebensfreude ausstrahlt, „kann man auch was für seine Mitmenschen tun.“ Auf ihrer Geburtstagsfeier im Leonhardihof, wo sie jetzt „von den Mitarbeitern gut versorgt“ lebt, sang sie auch selbst, als der Musiker Beppo Wieczorek die Anwesenden zum Mitsingen aufrief. Anlässlich der Geburtstagsfeier holte die Awo eine Ehrung nach, die wegen der Corona-Pandemie nicht vorgenommen werden konnte. Schreiner erhielt das silberne Treuezeichen für 50 Jahre Mitgliedschaft in der Arbeiterwohlfahrt. als

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