Aschau – Stefanie Sattlberger scheint in Aschau jeden zu kennen. Sie begrüßt die Gäste im Gasthof Kampenwand mit einem strahlenden Lächeln, bevor sie sich an einen freien Tisch setzt. Neben ihr nimmt Leonhard Mentzel Platz – ihr Prinz für diesen Fasching. Ein Paar sind die beiden allerdings nicht, sondern anderweitig „glücklich vergeben“, wie sie betonen.
Durch einen
Kumpel zur Gilde
Leonhard Mentzel kam 2019 durch einen Kumpel zur Faschingsgilde. „Er war nämlich Prinz“, erinnert sich der 27-Jährige, der ursprünglich aus Frasdorf stammt. Dort gibt es ihm zufolge aber keine Faschingsgilde. „Deshalb war es schon immer so, dass die Frasdorfer nach Aschau gegangen sind“, erklärt Mentzel.
Faschingsprinzessin Stefanie Sattlberger war bisher nicht in der Gilde aktiv. „Aber ich liebe den Fasching und bin ein totales Faschingskind“, betont sie. Die 24-Jährige wuchs in Aschau auf und verbrachte hier ihre Kindheit. Mittlerweile lebt sie am Samerberg.
„Haben uns
narrisch gefreut“
Die beiden kannten sich schon vorher und wurden von der Vorstandschaft und den Präsidenten des Vereins gefragt, ob sie für diese Saison das Prinzenpaar stellen möchten. „Das ist eine besondere Ehre“, sagt Sattlberger. „Wir haben uns narrisch gefreut, dass das klappt“, betont auch Mentzel. Gerade, weil sie damit überhaupt nicht gerechnet hätten. „Meine Eltern waren auch schon mal Prinzenpaar“, erzählt Sattlberger. Die Fotos und Videos aus dieser Zeit habe sie immer sehr bewundert. „Ich habe mir früher schon gedacht, dass es schön wäre, das einmal selbst zu machen“, erinnert sie sich. Auch Mentzel hatte schon immer Lust darauf, wie er selbst sagt. Einige Leute aus seinem Bekanntenkreis seien bereits Prinz oder Prinzessin gewesen. „Tanzen macht mir ohnehin viel Spaß“, betont er.
Dass Stefanie Sattlberger und Leonhard Mentzel das perfekte Prinzenpaar für diesen Fasching sind, da ist sich auch Sophia Winkler, Präsidentin der Faschingsgilde, sicher. „Stefanie ist zwar neu in der Garde, aber in Aschau längst nicht unbekannt“, betont sie. Ihre Herzlichkeit und ihre Fröhlichkeit verzaubere nicht nur das Publikum, sondern auch das gesamte Team. „Leonhard ist schon seit 2019 im Verein dabei und immer mit voller Begeisterung am Start“, erzählt Winkler. Beide hätten eine sehr positive Ausstrahlung und eine Leidenschaft für das Tanzen.
Die braucht das Prinzenpaar auch, denn innerhalb kürzester Zeit muss es eine Choreografie einstudieren. „Dafür trainieren wir seit September dreimal pro Woche“, sagt die Faschingsprinzessin.
Gar nicht so leicht, wie die beiden festgestellt haben, denn sie sind auch noch berufstätig. Sattlberger arbeitet als Tourismuskauffrau im Tourismusbüro in Prien, Mentzel ist Schreiner und als Werkstattmeister bei der Schreinerei Daxenberger in Riedering tätig. „Für die Tanztermine muss man flexibel sein“, erzählt Sattlberger.
Es komme immer darauf an, wann der Tanzlehrer Zeit habe. „Aber es ist halt einfach so. In dieser Zeit steht das im Vordergrund und andere Hobbys stellt man zurück“, sagt die 24-Jährige. Für sie bedeutet das, dass sie nicht mehr so viel singen kann, wie sie es sonst gerne tut. „Ich trete manchmal bei kleinen Events wie Hochzeiten oder Taufen auf“, erzählt sie. Auch bei den Trachtenvereinen Grainbach und Hohenaschau sei sie schon lange aktiv. Ihr Faschingsprinz ist bei der Frasdorfer Feuerwehr, geht gerne in die Berge und spielt schon lange bei einer Musikkapelle. „Da habe ich mich schon mal von den Proben davongeschlichen, um zum Tanztraining zu kommen“, erzählt Mentzel und lacht.
Eine Show mit
„Profi-Charakter“
Sie seien keine Profi-Tänzer, müssten aber dennoch innerhalb von drei Monaten eine Show präsentieren, „die Profi-Charakter hat“. „Ich habe davor schon viel getanzt, das hilft ein bisschen. Aber eine Choreografie ist etwas ganz anderes als frei auf einem Fest zu tanzen“, erklärt der Faschingsprinz.
In der Zeit, die noch bis zum Krönungsball am 10. Januar bleibt, werden sie das Erlernte nun festigen. „Es muss routinierter werden“, sagt Sattlberger. Schließlich sollen sie und ihr Prinz im Januar mit „Lockerheit und Leichtigkeit“ über das Parkett fegen.
Anfangs mussten sie das Training geheimhalten. „Das war sehr anstrengend“, betont Mentzel. Nur seine Partnerin habe davon gewusst, sonst niemand. „Ab und zu war es schon lustig, weil man sich Ausreden überlegen musste“, erzählt er. Prinzessin Sattlberger ging es ähnlich. „Mein Freund hat es natürlich gewusst. Und auch meine Mama“, sagt sie. Denn die sei Friseurin und kümmere sich deshalb um Sattlbergers Frisur. Es sei ihr aber schwergefallen, etwa ihren Freundinnen nichts davon zu erzählen.
Familien stehen
hinter dem Prinzenpaar
Als am 11. November das Motto „NEW YORK NIGHTS 2026 – Aschau erobert den Broadway!“ und das Prinzenpaar bekannt gegeben wurden, seien die Eltern der Prinzessin sehr stolz gewesen. „Meine ganze Familie ist sehr glücklich und steht komplett hinter mir“, betont Sattlberger.
„Meine Eltern haben sich auch sehr gefreut“, berichtet Mentzel. Zwar sei seine Familie nie so richtig im Fasching involviert gewesen, doch sie fände es durchaus cool, dass er das macht. „Und natürlich freuen sie sich schon auf den Krönungsball, den Gildeball und die Auftritte“, betont er.
Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren, wie Sophia Winkler von der Faschingsgilde erzählt. „Die Gardemädels trainieren fleißig, an den Kostümen werden die letzten Glitzer-Feinschliffe gemacht, und wir tüfteln an Deko und Technik für unseren Krönungsball“, erzählt die Präsidentin.
Sie sorgt dafür, dass vor und während des Faschings alles reibungslos läuft. „Ich plane die Veranstaltungen, koordiniere die Auftritte, kümmere mich um organisatorische Themen und treffe gemeinsam mit der Vorstandschaft wichtige Entscheidungen“, erklärt Winkler. Der Garde und dem Publikum will sie eine unvergessliche, schöne Faschingszeit ermöglichen.
Das wünschen sich auch Stefanie Sattlberger und Leonhard Mentzel. „Wir wollen den Leuten zeigen, dass wir wirklich Bock auf das alles haben“, betont Mentzel. „Sie sollen Freude an unserer Show und den Tänzen haben“, fügt Sattlberger hinzu.