Söllhuben – Bachs Weihnachtsoratorium wurde in Söllhuben aufgeführt, und das Dorf jubelte musikalisch und freudvoll. „Jauchzet, frohlocket!“ – mit diesem Unisono-Ausruf des Chores aus dem Weihnachtsoratorium (WO) beginnt für viele Menschen die weihnachtliche Feststimmung. Eine große Schar an Söllhubenern stimmte in diesen freudigen Jubel mit ein, nicht nur als Zuhörer, sondern auch als Mitmusizierende. Generationenübergreifend, teilweise machten ganze Familien mit.
Aus einer Idee geboren, luden Matthias Linke, Dirigent und Chorleiter, Trompeter (Hauptfach Zink), Mitglied des Grassauer Blechbläser Ensembles und Leiter des Chiemgau Orchesters, sowie Marie-Theres Härtel, Bratschistin und Konzertmeisterin, Interessierte zum Mitmusizieren ein. Schon im vergangenen Jahr hatten der Kirchenchor Söllhuben, das Söllhubener Streichorchester und die Söllhubener Kirchenbläser einen großen Auftritt mit der anlässlich des 250-jährigen Bestehens der Söllhubener Pfarrkirche St. Rupert eigens von Linke, Marie-Theres Härtel und ihrem Mann Florian Trübsbach, Professor für Jazzsaxofon an der Musikhochschule in München, sowie Maria Rothmayer, Lehrerin und Musikerin, komponierten Jubiläumsmesse. Schon damals waren alle Musizierenden – von acht bis weit über 80 Jahre alt – mit Feuereifer und Leidenschaft dabei.
Nun also das Projekt WO, von Söllhubenern für Söllhubener und Liebhaber des WO von nah und fern. Ein ambitioniertes Vorhaben, ja. Tobias Gaiser, Gemeindereferent und das WO am Orgelpositiv begleitend, konnte sich deshalb in seinem Willkommensgruß nicht verkneifen zu erwähnen: „So mancher von uns verzweifelte am WO und Bach wäre vielleicht an uns verzweifelt…“ Und doch zahlten sich die monatelange Probenarbeit, die Geduld und der Mut aus. Die ersten drei Kantaten des WO, das vor fast 300 Jahren, am 25. Dezember 1734, seine Uraufführung mit dem Thomanerchor in der Leipziger Nikolaikirche erlebte, kamen glanzvoll in der Söllhubener Pfarrkirche zur Aufführung.
Der Eingangschor „Jauchzet, frohlocket“, der die Vorfreude auf die Geburt des Christkinds in einer prägnanten musikalischen Geste bündelt, gelang mit tänzerischem Schwung, mit Pauken (wunderbar Barbara Brunner) und Trompeten (stimmführend brillierte hier Konrad Müller) und mit Jubelgesang. Unter der souveränen Leitung von Matthias Linke und der großartig aufspielenden Konzertmeisterin Marie-Theres Härtel an der Bratsche erlebte das Publikum eine runde Aufführung, auch wenn die Tempi bei manchen Chorsätzen (etwa beim „Ehre sei Gott in der Höhe“) und Chorälen (etwa beim „Seid froh dieweil“) ruhig noch etwas flotter hätten daherkommen können. Doch die Begeisterung der Mitwirkenden, die Hingabe zum barocken Klang und zur Kernaussage des WO machten vieles wieder wett.
Aus den eigenen Reihen kamen die Gesangssolisten, vor allem Bassist Johann Schmid und der für den erkrankten Tenor Matthias Heinz Leisenheimer spontan als Evangelist eingesprungene Benedikt Ganter (im Orchester an der Klarinette wirkend) überzeugten. Dem Kinder- und Jugendchor aus den Orchesterreihen nahm man gern das „er ist auf Erden kommen arm“ ab, und die Tenor-Arie „Frohe Hirten, eilt, ach eilet“ kam dank Sopransaxofon (großartig Florian Trübsbach) auch ohne Worte aus.
Das Instrumentalensemble, allen voran die Instrumental-Solisten, sowie der Chor, der schönen Klang mit klarer Deklamation verband, müssen gewürdigt werden. Das WO, das Evangelien von Lukas und Matthäus mit Choralstrophen verbindet, ist ein musikalisches Kunstwerk, das perfekt zu den Affekten und Bildern der Weihnachtszeit passt. Und das die Söllhubener mit musikalischer Leidenschaft gekonnt umzusetzen wussten.
Die Felix Mendelssohnsche Kantate „Verleih uns Frieden“ verlieh dem Konzert einen würdigen Abschluss.