Bürgermeister nach Filmriss in arger Not

von Redaktion

Kieferer Heimatbühne zündet bayerisches Lustspiel „Die saure Wiesn“

Kiefersfelden – Wenn sich der Bürgermeister nicht mehr an den vergangenen Tag erinnern kann, er mit Kaufangeboten für seine saure Wiesn überschüttet wird und dann sogar noch ein echter Scheich sich die Ehre gibt, dann ist wieder mal Theaterzeit bei der Kieferer Heimatbühne angesagt. Die zeigte beim Premierenabend vor sehr gut besuchtem Haus „Die saure Wiesn“, ein Lustspiel in drei Akten von Robert Nemecek.

Doch so lustig ging’s aber doch nicht los, denn Bürgermeister Bartl Stanglmeier hat nach der vergangenen nächtlichen Gemeinderatssitzung einen kompletten Filmriss, er kann sich an nichts mehr erinnern. Die entsprechenden Vorwürfe seiner Frau Rosalinde versucht er zu entkräften, „da muss gestern wohl ein Bier schlecht gewesen sein“, meint er voller Unschuld. Als er dann auch noch aus der Tasche seines demolierten Trachtenanzugs ein rotes Dessous herauszieht, ist’s um den Hausfrieden geschehen, die Frau Gemahlin wittert eheliche Untreue. Und es kommt zunächst einmal noch schlimmer, denn eine junge, attraktive Camperin verdächtigt ihn, sie am gestrigen Abend sexuell belästigt zu haben und entdeckt dazu auch noch bei dem vermeintlichen Sittenstrolch ihren roten BH, der ihr in der vergangenen Nacht entwendet wurde. Die Schlinge zieht sich scheinbar immer mehr zu, als Frau von Greifenklau bei ihm vorstellig wird und ihm ein unverschämt hohes Angebot für den Kauf seiner sauren Wiesn macht. Dem nicht genug, kommt auch noch der Herr Pfarrer mit einem Kaufangebot daher und schlussendlich macht ihm Erna, die eiserne Dorfjungfrau, eine Offerte, die er nicht ausschlagen kann. „20.000 Mark und wir haben einen Deal“, so die scheinbar clevere Jungfrau. Stanglmier willigt überglücklich ein, seine Wiesn zu einem Bombenpreis verkauft zu haben. Leider holen ihn dann wieder so langsam die Ereignisse des vergangenen Abends ein. Vom Landrat wird er plötzlich gelobt für den Gemeinderatsbeschluss, dem investitionswilligen Scheich Ibrahim Hadschi eine Wiese als Bauland zur Verfügung zu stellen, um dort seinen Freizeitpark zu errichten, wobei sich das betreffende Stück Land als eben seine saure Wiesn herausstellt, deren Wert sich über Nacht blitzschnell auf mehr als 300.000 Mark verzigfacht.

Der Bürgermeister wittert das Geschäft seines Lebens, wird aber von seinem Sohn Kilian zunächst einmal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Bandelt der doch mit der jungen Camperin an und sogar von Hochzeit ist die Rede. Der Bauer schäumt vor Wut, bringt „die doch nix mit in die Ehe“. Ganz anders sieht das der Herr Papa, der Landrat. Und als das dem gestressten Bürgermeister klar wird, dreht sich das Fähnchen um 180 Grad, die Hochzeitsglocken klingen schon in seinen Ohren.

Und nicht nur die klingen, denn plötzlich steht Scheich Ibrahim Hadschi in der guten Stube, mit Harem und Haremswächter und erläutert seine großartigen Investitionspläne. Ein luxuriöses Freizeitzentrum will er bauen und dazu braucht er eben das Grundstück. Der Bürgermeister sieht seine bisher eher verschlafene Gemeinde schon als exklusiven Kurort und schnell sind bei ihm alle zurückliegenden Turbulenzen vergessen. Nicht so bei seiner Frau Rosalinde. Auf der Bühne entwickelte sich im finalen Stadium ein buntes, schillerndes Potpourri verschiedenster Charaktere und Personen.

Die 17 Laienschauspieler der Heimatbühne bekleiden ihre Haupt- und Nebenrollen mit viel Witz, Gefühl und vor allem Talent; keine Rolle spielte bei der Premiere des 161. Stücks dagegen die Langeweile. Die kam auch in den Pausen nie auf, denn die Theaterbesucher, unter ihnen auch Bürgermeister Hajo Gruber, wurden von der „Familienmusik Schmid“ wiederum bestens unterhalten.

Franz Hoffmann

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