Pittenhart – Kürzlich herrschte am Bahnhof in Pittenhart große Begeisterung, als die Schäfflertanzgruppe Wasserburg auftrat. Schon lange vor der angekündigten Zeit füllte sich der Platz um die wärmende Feuerschale im Freigelände und die Halle der Zimmerei Stöcklhuber mit zahlreichen Menschen, die gespannt auf das Eintreffen der von Familie Stöcklhuber gebuchten Tanzgruppe warteten.
Die Spannung stieg, als die ersten Klänge des bayerischen Defiliermarsches erklangen und die Musiker der Stadtkapelle Wasserburg aus der Dunkelheit der Bergländer Straße auftauchten. Mit Applaus begrüßten die Zuschauer die Musikanten und die dahinter schreitende Schäfflertanzgruppe. Trotz der frostigen Temperaturen herrschte große Begeisterung bei den rund 250 Anwesenden, als der Kasperl der Tanzgruppe sie mit einem schwungvollen „Servus Pittenhart“ willkommen hieß.
Beeindruckend war die in der Dunkelheit leuchtende Tracht der Schäffler, das satte Grün der im Rhythmus geschwenkten Buchsbögen und vor allem die verschiedenen Schrittfolgen, Figuren und Tänze. Diese Figuren haben unterschiedliche Bedeutungen, wie das „Durchtanze“ durch die eigenen Bögen, das als Sinnbild für die Überwindung der Pest gedeutet werden kann. Eine Art Neuanfang oder Reinigung soll damit dargestellt werden: Man tritt hindurch und lässt das Vergangene hinter sich.
Für Pittenhart war es eine Premiere, dass der Ort von den Wasserburger Schäfflern, die nur alle sieben Jahre unterwegs sind, besucht wurde. Ein unvergesslicher Tag war es auch für Anna Stöcklhuber, die neunjährige Tochter der Zimmerei Stöcklhuber, die an diesem Tag ihren Geburtstag feierte. Stolz tanzte sie mit ihrem Vater zu den Klängen des Zillertaler Hochzeitsmarsches den Ehrentanz um das Holzfass und den darauf stehenden Oberkasperl.
Die begleitenden Kasperln mischten sich unter die gut gelaunten Zuschauer und sammelten mit ihren Hüten Spenden ein. Für die Zuschauer war es ein sehr fröhlicher und beschwingter Abend, für den bereits im Vorfeld feststand, dass der Erlös einem sozialen Zweck in der Region zugutekommen würde.
Dabei wurde an das verwaiste Geschwisterpaar aus der Gemeinde gedacht. Die Kinder, 16 und zwölf Jahre alt, haben an Weihnachten ihre Mutter verloren, nachdem im September 2016 auch ihr Vater tödlich verunglückte. Die beiden stehen neben der unbeschreiblichen Trauer auch vor großen finanziellen Herausforderungen. Das gesamte Geld, das die Kasperl mit ihren Hüten gesammelt hatten, wanderte in die aufgestellte Spendenbox. Zusätzlich legten auch die Musiker und Tänzer privat noch den einen oder anderen Schein in die Box. Mit den Geldern der Zuschauer kam eine größere dreistellige Summe zusammen, und wie Firmeninhaber Florian Stöcklhuber sagte, wird er die Summe, die den Geschwistern zugutekommt, noch aufrunden.
Für alle, die den Auftritt der Wasserburger Schäfflertanzgruppe und der Stadtkapelle Wasserburg nicht miterleben konnten, bietet sich am Freitag, 13. Februar, um 9.30 Uhr eine weitere Gelegenheit. Dann wird die Schäfflertanzgruppe zusammen mit der Stadtkapelle Wasserburg am Rathausplatz in Obing erwartet. emk