Krafttraining ist auch im Alter sinnvoll

von Redaktion

Für den Samerberger Rudolf Pallauf gehört Krafttraining seit einem Bandscheibenvorfall zum Alltag. Mit 66 Jahren geht er noch ins Fitnessstudio. Warum das seinem Rücken hilft, wieso gerade ältere Menschen davon profitieren und was sie dabei beachten sollten.

Samerberg/Rosenheim – Sport im Fitnessstudio und insbesondere Krafttraining liegen im Trend – vor allem bei jungen Menschen. Dabei bietet das auch für ältere Menschen viele Vorteile. Der Samerberger Rudolf Pallauf geht deshalb mit 66 Jahren noch ins Fitnessstudio.

Angefangen mit dem Krafttraining hat er im Alter von 58 Jahren. „Damals war ich aufgrund meiner Rückenschmerzen beim Arzt“, sagt Pallauf. Die Diagnose: Bandscheibenvorfall. „Manche wollen das gleich operieren“, sagt Pallauf. Sein Hausarzt motivierte ihn jedoch lieber zum Sport, genauer gesagt zum Krafttraining. „Er sagte, bevor man 50 Jahre alt wird, wäre es sinnvoll, Sport zu betreiben. Und nach 50 ist es unbedingt notwendig, etwas für die Muskulatur zu tun“, betont der heute 66-Jährige. Deshalb habe er dann mit dem Training begonnen.

Hilft Krafttraining bei
Bandscheibenvorfall?

Im Fitnessstudio hat sich Pallauf extra einen individuellen Trainingsplan erstellen lassen. „Nach regelmäßigem Training habe ich eine Verbesserung meiner Beschwerden wahrnehmen können“, so Pallauf. Das habe nur etwa einen Monat gedauert.

Tatsächlich kann Krafttraining bei Bandscheibenvorfällen helfen, wie Annika Albert auf OVB-Anfrage erklärt. Sie leitet die Physiotherapie am Romed-Klinikum Bad Aibling. „Durch gezieltes Krafttraining können Schmerzen verringert und Beweglichkeiten verbessert werden“, sagt sie. Bei einem Bandscheibenvorfall werde dadurch der entsprechende Rückenbereich stabilisiert. Für den Menschen bedeutet das, „dass er weniger beziehungsweise keine Schmerzmedikamente mehr braucht und seine Alltagshandlungen wieder leichter werden“.

Rudolf Pallauf geht auch heute noch dreimal in der Woche ins Fitnessstudio. „Während des Trainings muss ich natürlich aufpassen, dass ich nicht zu viel Gewicht auflege. Ich bin ja keine 20 mehr“, sagt Pallauf. Dabei ist ihm wichtig, dass er mehr Wiederholungen mit weniger Gewicht macht, anstatt viel Gewicht zu verwenden. Dadurch sinke das Verletzungsrisiko deutlich.

Vor dem eigentlichen Training geht Pallauf zehn Minuten auf den Stepper, ein Fitnessgerät, das Treppenstufen simuliert. So wärmt er sich auf. An insgesamt zehn verschiedenen Geräten trainiert der 66-Jährige danach. Pro Gerät absolviert er drei Übungen und jede davon etwa 15-mal. Der Samerberger trainiert allerdings nicht nur den Rücken. „Ich mache auch Übungen für den Oberkörper, also für die Arme, den Bauch und auch für die Beine“, sagt er.

Für den Bauch könne er Gewichte von etwa 40 oder 50 Kilo verwenden. Den Rücken und die Beine trainiere er mit leichteren Hantelscheiben. „Damit nichts kaputtgeht“, erklärt Pallauf. Ihm ist es sehr wichtig, auch im Alter noch etwas für den Körper zu tun. „Wenn man nichts macht, wird man stocksteif und kann irgendwann gar nichts mehr machen“, betont der 66-Jährige.

Wie das Training am besten aussieht, darüber weiß Physiotherapeutin Annika Albert Bescheid. „Da ein älterer Mensch nicht mehr an seine Belastungsgrenze gehen sollte – dies steigert das Verletzungsrisiko –, kann er auch ohne großes Aufwärmen seine Bewegungen beginnen“, erklärt sie. Beim Krafttraining für ältere Menschen stehe dabei vor allem Beweglichkeit mit leichteren Gewichten und dafür mehr Wiederholungen im Vordergrund. „Dies fördert die Motorik“, erklärt Albert.

Wie oft ältere Menschen in der Woche trainieren sollten, darauf gibt es laut Albert keine klare Antwort. „Ein älterer Mensch sollte jeden Tag etwas für seinen Körper tun“, betont die Physiotherapeutin. Am besten nicht jeden Tag das Gleiche, sondern immer eine neue Beanspruchung. „Zum Beispiel wäre denkbar, dass er einen Tag eine längere Strecke geht, den nächsten Tag Übungen für die Arme macht, am dritten Tag Übungen für die Beine, am vierten für den Rücken und den Bauch, und so weiter“, zählt Albert auf.

Jede Art von Bewegung sei im Alter wichtig und bringe durchaus Vorteile. „Unser Körper baut leider im Alter in allen Bereichen ab. Je inaktiver ein Mensch wird, umso schneller schreitet dieser Prozess voran“, erklärt die Spezialistin. Durch Krafttraining könne man vor allem die Muskelgruppen, die im Alter nicht so aktiv seien, gezielt aktivieren und fordern – und somit seine körperliche Fitness aufrechterhalten. Auch das Herz-Kreislauf-System werde dadurch verbessert. „Vorbeugend können durch regelmäßiges Training Stürze vermieden werden“, betont Albert.

Allerdings eignet sich solches Krafttraining nicht für jeden Senior. „Der ältere Mensch sollte natürlich geistig in der Lage sein, Anweisungen umzusetzen, und je nach Gebrechlichkeit bedarf es gegebenenfalls einer Eins-zu-eins-Betreuung“, betont Albrecht. Insgesamt sei es enorm wichtig, dass Krafttraining individuell angepasst und unter Anleitung erfolgt. Ansonsten bestehe auch die Gefahr von Schäden wie etwa einem Sehnenabriss.

Nach dem Training
energiegeladen

Rudolf Pallauf sieht sich im Fitnessstudio durch seinen individuellen Trainingsplan gut unterstützt. Die Einheiten dort regelmäßig durchzuziehen, fällt ihm leicht. „Man muss sich das einfach vornehmen“, erklärt Pallauf. Die ersten Geräte und Übungen seien manchmal ein bisschen blöd. „Aber wenn du dann dabei bist, läuft es“, betont der Samerberger. Hinzu kommt, dass er sich nach dem Training immer gut fühle, energiegeladen. Außerdem habe er im Fitnessstudio schon ein paar Gleichgesinnte kennengelernt, mit denen das Training noch mehr Spaß mache.

Der Samerberger ist seinem Arzt heute noch dankbar, dass er ihm ans Herz legte, Krafttraining zu machen. „Es ist eine schöne Beschäftigung, die zudem noch guttut“, betont der 66-Jährige. Er hat heute, fast zehn Jahre nach dem ersten Training, gar keine Rückenprobleme mehr.

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