Ramerberg – Die Kitzrettung Ramerberg sucht weiterhin aktive Retter, um die eingespielten Teams aus Drohnenführer und Kitz-Berger zu verstärken und vor allem den enormen Zeitdruck aus der Suchaktion nach den Kitzen zu nehmen. Gerade zu Anfang der Saison müssen oft 30 Wiesen an einem Tag abgesucht werden. Jede Ungenauigkeit bei der Suche kann den Tod eines Kitzes bedeuten.
Je mehr Helfer unterwegs sind, desto sicherer ist es für die Kitze. Ein Kitz in den Armen zu halten und in Sicherheit zu bringen, ist für viele Retter ein großes Glück. Anita und Rupert Forstner sind schon seit Jahren dabei und berichten von ihren Erfahrungen. Anita Forstner: „Wie hat es angefangen mit dem Retten? Ich habe im Gemeindeblatt gelesen, dass Retter gesucht werden, und habe mir gedacht, das kannst du leicht lernen.“
Drohnen erleichtern
die Arbeit enorm
Als Anita Forstner mit ihrem Engagement begann, gab es noch keine Unterstützung durch Drohnen. Damals mussten Menschenketten die Wiesen abschreiten. Dies ist auch heute noch notwendig, wenn mittags und nachmittags die Sonne die Wiesen so weit erwärmt hat, dass die Wärmebildkamera die Körperwärme eines Kitzes nicht mehr erkennen kann. Dann heizen sich auch Erdhügel und größere Pflanzen auf, die als Wärmepunkte erscheinen.
Den ersten Fund vergisst
Anita Forstner nie
Die Kitzrettung kann ein mühsames Unterfangen sein, doch sie ist auch ein richtiges Abenteuer. Anita Forstner erinnert sich noch genau an ihr erstes Kitz: „Das Gras war hüfthoch und der Untergrund uneben. Das war schon anstrengend, und nach ein paar Stunden war ich total fertig. Und dann hieß es – die Wiese war schon abgegangen – da muss noch ein Kitz sein, denn meistens sind es zwei und nur eines war gefunden worden. Dann habe ich es gesehen: genau vor meinen Füßen. Das hat mich total gefreut. Erst habe ich mich nicht getraut, es aufzunehmen. Aber dann habe ich es mit Gras umfasst. Es war sehr zart und klein und hat geschrien. Es hat auch gezappelt, bis ich es in die Box bringen konnte, wo es sich dann beruhigt hat.“
Frisch geborene Kitze sind gerade einmal eine Handvoll. Anita Forstner betont: „Das sind so zarte und liebe Wesen. Dafür lohnt es sich, sich einen Ruck zu geben und schon mal morgens um 5 Uhr loszugehen.“ Zu dieser frühen Stunde sind die Temperaturunterschiede noch sehr hoch, was die Genauigkeit der Wärmebildkamera in der Drohne unterstützt. Anita Forstner ergänzt: „Da ist es zwar elendiglich kühl, aber wenn es neblig ist und dann die Sonne aufgeht, fühlt man sich mehr mit der Natur verbunden. Es darf natürlich nicht so kalt sein, dass der Reif auf dem Gras das Kitz vollständig verdeckt – was leider in der vergangenen Saison passiert ist. Dieses Kitz haben wir leider nicht gefunden…“ Zu früh zu suchen, hat also auch keinen Sinn. Der Zeitdruck bleibt stets bestehen, besonders wenn zehn Wiesen in nur zwei Stunden abzusuchen sind. Mit jeder Saison gewinnen die Kitzretter neue Erfahrungen. „Der Zeitdruck kann einen schon nervös machen“, sagt Rupert Forstner, der eigens einen Drohnenführerschein gemacht hat. Forstner erklärt: „Unterwegs ist man übrigens mit einem ganzen Kofferraum voller Equipment. Eine Powerbank sorgt dafür, dass die Akkus schnell wieder aufgeladen werden können. Gut, dass es inzwischen Wechselakkus gibt.“ Er navigiert die Drohne, wobei jedes Absuchen in einem Flugbuch aufgeschrieben und dokumentiert wird.
Helfer müssen
flink und fit sein
Eine Kitzsuche muss gut vorbereitet sein. Die Kommunikation erfolgt mittels Walkie-Talkie. Rupert Forstner fügt hinzu: „Mit der Drohne kann man auch Hasen wegjagen und aus der Gefahrenzone bringen, auch wenn größere Hasen vor sich hin essen und sich nicht von der Drohne stören lassen.“
Wenn Rupert Forstner ein Kitz ausfindig gemacht hat, lässt er die Drohne über dem Fundort stehen. Die Person, die das Kitz aus der Wiese holt, sollte flink und fit sein. Daher ist ein Team von drei bis vier Personen ideal. Rupert und Anita Forstner sind sich einig: „Man hat etwas Sinnvolles getan.“ Dies sei in der heutigen Zeit selten.