„Das Inntal ist ein Nadelöhr“

von Redaktion

Grünen-Experte spricht über Verkehrsproblematik in Kiefersfelden – Bürger fühlen sich alleingelassen

Kiefersfelden – Der Ortsverband der Grünen hatte zur Vorstellung seiner Ideen zur Verkehrsberuhigung und dadurch bedingter Steigerung der Lebensqualität zum Gasthof „Bergwirt“ eingeladen. Trotz äußerst widriger Verkehrsverhältnisse – es gab Eisregen – war der Besucherzuspruch sehr groß.

Der Landtagsabgeordnete und „Grünen-Mobilitätssprecher und Verkehrsexperte“ Dr. Markus Büchler konnte bei seinem Vortrag auf eine Umfrage der örtlichen Grünen in der Kieferer Bürgerschaft aufbauen, die die misslichen Verkehrsverhältnisse an die erste Stelle gesetzt hatten. Das wohl dringendste Problem ist demnach der Durchgangsverkehr. „Das Inntal ist ein Nadelöhr“, wie der Experte eingangs feststellte „und da gibt es nicht so viele Möglichkeiten, den Verkehr anderweitig zu regeln“. Zwar hat die Gemeinde auf gemeindeeigenen Straßen eingreifende Möglichkeiten zur Verkehrsleitung, der zur Sprache stehende Abschnitt ist jedoch die Staatsstraße 2089, und da ist die Straßenverkehrsbehörde am Landratsamt Rosenheim zuständig.

Die Reform der Straßenverkehrsordnung (StVO) im vergangenen Jahr bietet allerdings jetzt den Kommunen die Möglichkeit, im Sinne einer Verkehrsberuhigung tätig zu werden. Denn die Straßenverkehrsbehörde kann die Benutzung bestimmter Straßen oder Straßenstrecken aus Gründen der Sicherheit oder Ordnung des Verkehrs beschränken oder verbieten und sogar den Verkehr umleiten. Allerdings sind hier gewisse Kriterien zu erfüllen, wie sie Büchler vor Ort als gegeben sah: ein hochfrequentierter Schulweg, der die Staatsstraße 2089 quert. Wenn dann mehrere dieser neuen Regelungen zutreffen, könne auch auf der Staatsstraße unter gewissen Umständen eine deutliche Geschwindigkeitsreduzierung erfolgen (Tempo 30). „Das könnte hier am Übergang der Rosenheimer in die Kufsteiner Straße ein wichtiger Ansatzpunkt sein“, erkannte der Experte, zumal dann, wenn noch ein weiterer Fußgängerüberweg (Zebrastreifen) inmitten des Ortes geschaffen werden könnte, weil dann 150 Meter vor und nach dem Zebrastreifen sowieso Tempo 30 gilt. Dann könnte möglicherweise der gesamte Bereich von der ersten Fußgängerampel in der Rosenheimer Straße bis zur letzten Ampel auf der Kufsteiner Straße geschwindigkeitsreduziert werden.

Kiefersfeldens Bürgermeister Hajo Gruber ergänzte dazu, dass die Gemeinde bereits im Juli vergangenen Jahres einen entsprechenden Antrag auf Tempo 30 bei der zuständigen Straßenverkehrsbehörde in Rosenheim gestellt hätte.

In der sich anschließenden Diskussion war jedoch eine gewisse Desillusionierung herauszuhören, denn, wie es Grünen-Gemeinderatsmitglied Albert Weingart auf den Punkt brachte: „Wir haben schon vieles probiert, aber alles wurde abgelehnt.“ Als Hauptursache der Verkehrsproblematik sehen Bürger und Kommunalpolitiker vor allem den örtlichen Durchgangsverkehr, bei dem an manchen Tagen bis zu 13.000 Kraftfahrzeuge gezählt worden sind, wie ein Diskussionsteilnehmer feststellte. Ursächlich dafür sind vor allem der Grenzausweichverkehr sowie die Lkw-Blockabfertigung auf Tiroler Seite. So könnten eigentlich nur Abfahrtsverbote auf der Autobahn A93 in Richtung Kiefersfelden helfen, den Verkehr zu reduzieren. „Das ist die einzige Alternative“, so ein weiterer Teilnehmer. Durch die Bank herrschte ebenso hör- und sichtbare Unzufriedenheit bei den Besuchern der Veranstaltung, was den Fortschritt beim „Brennerbasistunnel“ betrifft. So konnte man deutlich heraushören, dass sich die Kieferer Bürger mit der gesamten Verkehrsproblematik alleingelassen fühlen. Die Rufe nach Berlin, München oder Straßburg bleiben scheinbar ungehört.

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