Und plötzlich fährt der Bus nicht mehr

von Redaktion

In Schnaitsee warteten Dutzende Schüler nach den Weihnachtsferien vergeblich auf den Bus, nachdem die Linie 9413 plötzlich eingestellt wurde. Nun gibt es Kritik an der Kommunikation und am ÖPNV im ländlichen Raum.

Wasserburg/Schnaitsee – Öffentlicher Nahverkehr (ÖPNV) auf dem Land ist schwierig, zwischen Schnaitsee und Wasserburg wird es jetzt noch schwieriger. Davon ist Gudrun Peteranderl überzeugt. Denn seit dem Fahrplanwechsel Ende Dezember ist die Linie 9413 zwischen Schnaitsee und Wasserburg Geschichte.

Fünfmal am Tag fuhr die Linie bislang und stellte laut Peteranderl eine wichtige Verbindung zwischen den Orten her. Seit einigen Wochen ist damit Schluss. „Aus betriebswirtschaftlichen Gründen“, heißt es seitens des Landratsamts Traunstein, habe sich der Aufwand für den Betreiber, die Regionalverkehr Oberbayern GmbH (RVO), nicht mehr gelohnt.

Besseres Angebot
Voraussetzung für Umstieg

Für Peteranderl ist die Einstellung trotzdem ein Unding. „Damit wird der ländliche Raum wieder einmal im Bereich ÖPNV abgehängt“, sagt sie und kritisiert, dass es hier um eine „selbsterfüllende Prophezeiung“ handle: „Natürlich nutzen die Leute den öffentlichen Nahverkehr nicht, wenn sie nicht wissen, wie sie nach Hause kommen.“ Es brauche zunächst ein besseres Angebot auch auf dem Land, um die Menschen zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen.

Ärgern muss sich Peteranderl auch über die Kommunikation rund um das Aus für die Buslinie. Bislang habe ihr Sohn, Schüler am Gymnasium Wasserburg, regelmäßig diesen Bus genommen. Dass die Linie 9413 in Zukunft nicht mehr existiere, sei vor den Weihnachtsferien nicht kommuniziert worden. „Es gab keinen Zettel von der Schule, keine Nachricht im Gemeindeblatt“, sagt Peteranderl. Auch an der Bushaltestelle selbst sei nichts gestanden. Die Familie habe davon erst erfahren, als der Bus am ersten Schultag nach den Weihnachtsferien nicht kam. 20 Minuten habe ihr Sohn mit zehn, 15 weiteren Schülern in der Kälte gestanden und gewartet, erzählt Peteranderl: „Dass die Linie nicht mehr existiert, haben wir dann irgendwo in der MVV-App gelesen.“

Für Peteranderls Sohn, der bereits einen Führerschein besitzt, heißt dies nun: Umstieg auf das Auto. „Er ist 18 und wir haben das Glück, mehr als ein Auto zu besitzen“, berichtet Peteranderl, „aber das hat nicht jede Familie.“

Für andere Schüler und Personen, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen seien, gebe es jetzt nur noch eine Möglichkeit, nach Wasserburg zu kommen: „Sie müssen nach Frabertsham fahren und dort in den Bus nach Wasserburg umsteigen.“ Das Problem: Die Umstiegszeit sei hier teilweise sehr knapp und die Busse würden nicht immer aufeinander warten. „Im schlimmsten Fall strandet man in Frabertsham“, so Peteranderl, das sei in ihrer Familie auch schon passiert. Auch das sei wieder ein Faktor für die „selbsterfüllende Prophezeiung“. „Wenn ich nicht weiß, dass ich sicher nach Hause komme, nutze ich natürlich nicht den ÖPNV.“

Auf Anfrage bestätigt das Landratsamt Traunstein das Einstellen der Buslinie 9413 (Wasserburg – Schnaitsee – Waldhausen) zum Ende des Jahres 2025. „Inhaber der Genehmigung und eigenwirtschaftlicher Betreiber der Linie war die Regionalverkehr Oberbayern GmbH (RVO)“, so die Behörde. Dieser habe dem Landkreis im Laufe des Jahres mitgeteilt, dass aus betriebswirtschaftlichen Gründen der Betrieb der Linie dauerhaft eingestellt werden soll.

Nach dieser Mitteilung habe der Landkreis Traunstein umgehend mit Planungen begonnen, um die Schülerbeförderung auf dieser Strecke weiterhin sicherzustellen. Der Schülerverkehr zwischen Wasserburg und Waldhausen könne seitdem über eine Kombination aus umliegenden Linienverkehren sowie durch einen eigens eingerichteten freigestellten Schülerverkehr gewährleistet werden. Teilweise seien hierfür Umstiege erforderlich. Der Betrieb dieser Ersatzlösung wurde am 7. Januar 2026 aufgenommen. Nach den ersten Betriebstagen hätten sich noch einzelne Optimierungsbedarfe gezeigt; entsprechende Verbesserungen und kleinere Anpassungen seien eingeleitet und umgesetzt worden, so das Landratsamt: „Ziel ist es weiterhin, dass sich der Betrieb – insbesondere im Hinblick auf die Umstiege – stabil einspielt.“

Personal- und
Betriebskosten zu hoch

Die Schüler und Erziehungsberechtigten seien über die Einstellung der Linie sowie über die Ersatzlösung am 17. Dezember 2025 informiert worden, teilt das Landratsamt mit. „Sollte diese Information einzelne Beteiligte nicht erreicht haben, steht das Sachgebiet Mobilität im Landratsamt für Rückfragen gerne zur Verfügung.“

Eine Wiederaufnahme des Linienbetriebs sei nicht vorgesehen. Hintergrund seien unter anderem fehlende Personalressourcen bei den Busunternehmen sowie erheblich gestiegene Personal- und Betriebskosten für den Betrieb einer zusätzlichen Linie. Zudem habe der Landkreis Rosenheim eine notwendige Beteiligung an einem gemeinwirtschaftlich subventionierten Betrieb der Linie frühzeitig abgelehnt.

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