Furiose Jagd nach Pokalen im Flutlicht

von Redaktion

Oberaudorf rüstet sich für die Nacht der Geschwindigkeit am kommenden Mittwoch – Weltcup-Atmosphäre am Hocheck

Oberaudorf – Am Erlebnisberg Hocheck ist die Nacht nicht nur dunkel, sondern schnell – sehr schnell. Am Mittwoch, 21. Januar 2026, lädt der WSV Oberaudorf gemeinsam mit dem Skiverband München wieder zur „Nacht der Geschwindigkeit“ ein, jenem Super-G-Klassiker, der seit 2005 fest zum Wintersportkalender gehört. Gefahren wird auf Deutschlands längster Flutlichtpiste, rund zwei Kilometer lang, eine Strecke, die eigens für diesen Abend besonders hart und rasant präpariert wird – und die in den vergangenen Jahren immer wieder Zeiten hervorgebracht hat, bei denen selbst routinierte Rennläufer kurz schlucken.

Dabei steht die Veranstaltung in Oberaudorf nicht nur für sportliche Härte, sondern auch für die Eigenheiten des Winters im Inntal. „Heuer sind wir im 21. Jahr“, heißt es aus dem Umfeld der Organisatoren – und trotz einiger Absagen in der Vergangenheit, wenn der Schnee nicht reichen wollte, habe das Hocheck meist doch seinen Ruf als „Schneeloch“ bestätigt. Der Charakter des Rennens bleibt unverändert: ein Speed-Event, das ambitionierte Fahrerinnen und Fahrer aus vielen bayerischen Vereinen anzieht und regelmäßig die Marke von über 100 Teilnehmenden überschreitet.

Neu ist 2026 jedoch ein Akzent, der über reine Zeitenlisten hinausweist: Erstmals wird der große Mannschaftspokal als „Hannes Rechenauer Memorial Cup“ vergeben – für das beste Team, bestehend aus drei Männern und zwei Frauen. Der Name ist ein Zeichen der Erinnerung: Noch im vergangenen Jahr wurde Hannes Rechenauer für seine langjährige Unterstützung der „Nacht der Geschwindigkeit“ geehrt. Daneben bleibt die bewährte Teamwertung bestehen, bei der drei Zeiten zählen, darunter mindestens eine weibliche – zuletzt hatte hier das Team Oberaudorf die Nase vorn.

Zum besonderen Reiz des Abends gehört seit jeher die Mischung aus sportlichem Ernst und selbstironischem Spektakel. Neben Jugend- sowie Damen- und Herrenklassen gehen auch Journalisten an den Start, getrennt in eine Frauen- und zwei Männerklassen – samt eigener Teamwertung und dem Privileg, vorneweg ins Rennen zu gehen. Das Motto, seit Jahren mit einem Augenzwinkern gepflegt: Nicht nur gescheit daherreden, selber runterfahren.

Wer sich am Hocheck auskennt, weiß: Ein paar Namen stehen für den lokalen Kern dieses Abends. Unter den Rennläufern gilt Josef „Seppi“ Gschwendtner als einer, der seit Jahren vorne mitmischt und zugleich dort hilft, wo es anpackende Hände braucht.

Christian Flühr bettet diesen Abend in ein größeres persönliches Projekt ein. Er arbeitet in dieser Saison an einer Extremleistung, die in Richtung Weltrekord zielt – Millionen Höhenmeter, akribisch geplant. In Oberaudorf will er mit seinem Team am Renntag eine enorme Zusatzdistanz sammeln und die Flutlichtrunden mit dem Super-G verbinden.

So wird die „Nacht der Geschwindigkeit“ auch 2026 das bleiben, was sie seit über zwei Jahrzehnten ist: ein Abend, an dem sich Oberaudorf für ein paar Stunden wie ein kleiner Weltcup-Schauplatz anfühlt – schnell, laut, hell erleuchtet und getragen von genau jener Mischung aus Ehrgeiz, Vereinsgeist und Humor. stv

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