Aschau – Die Kampenwand war ihr Trainingsberg und Zuhause. Von den ersten Schwüngen als Kind in Aschau führte der Weg der Skifahrerin Tatjana Mittermayer zu Olympiagold und zahlreichen Weltcupsiegen. Immer wieder kehrte die Ausnahme-Athletin auf ihren Hausberg zurück.
Eine Ausnahme-Athletin
aus Aschau im Chiemgau
Mitglied der Nationalmannschaft Alpin, später Buckelpiste von 1979/80 bis 2001/2002, Olympia- und Weltmeisterschaftsmedaillengewinnerin, 22 Weltcupsiege, zwölfmal deutsche Meisterin – all diese Titel finden sich in ihrer Erfolgsliste. Die Rede ist von Tatjana Mittermayer: Die gebürtige Aschauerin ist nach wie vor in Aschau dahoam und ist als B-Trainerin und Skilehrerin dem Skisport nach wie vor mit Haut und Haar verschrieben.
Heute organisiert sie in ihrer eigenen Skischule unter anderem Kurse für Skifahrer, die nach Verletzungen oder mit neuen künstlichen Gelenken wieder zurück auf die Ski wollen. Dafür hat Tajana Mittermayer ein spezielles Programm entwickelt. Darauf hat sie sich aufgrund eigener mehrmaliger Kreuzbandrisse und zweier neuer Knie „ein wenig spezialisiert“, wie sie selbst sagt. Bei einem Gespräch mit dem OVB in ihrer gemütlichen Wohnküche erzählt sie, wie alles begann und warum die Kampn – wie die Kampenwand liebevoll genannt wird – für sie nach wie vor ein besonderer Ort ist.
Schon als Kind begeisterte
Wintersportlerin
Tatjana Mittermayer stand schon mit drei Jahren auf Skiern. Ihre Mama war Skilehrerin, gab Skikurse in Gschwendt. Und da der Papa als Berufsjäger viel unterwegs war und sich niemand sonst um die Kleine kümmern konnte, nahm sie die Mutter halt mit.
Und so kam eins zum anderen. Bei den deutschen alpinen Skimeisterschaften auf der Kampn 1967, so hat die Mutter ihr erzählt, sei Tatjana zu Rosi Mittermeier gegangen und habe ihr gesagt: „Du, ich heiße auch Mittermayer und ich werde auch Skifahrerin.“ Und so kam es auch. Sie trainierte viel, vornehmlich auf der Kampn. Gleich nach der Schule ging es auf die Piste. Ein Trainer vom SC Aising-Pang hatte ihre Mutter bestärkt, dass ihre Tochter dranbleiben und weiter Rennen fahren sollte. Als sie später wegen mehrerer Kreuzbandrisse aus dem B-Kader im alpinen Skisport genommen wurde, war das für sie erst einmal „ein Weltuntergang.“ Doch beim Skitesten im Kaunertal ohne Kaderstatus für ihre damalige Skifirma fand sie schnell eine neue Leidenschaft: das Buckelpistenfahren. Die österreichischen und schwedischen Kader trainierten dort gemeinsam: „Eine Buckelpiste muss man sich teilen.“ Schnell habe sie gelernt, dass auch mehrere Knie-Operationen für das Buckelpistenfahren kein Hindernis sind. Die Kampn, vornehmlich der berühmt-berüchtigte „deutsche Hang“ im Norden, wurde ihre Spielwiese. Und wieder kam eins zum anderen: Nationalkader, 1988 die erste Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Calgary, 1998 Silber bei Olympia in Nagano im Buckelpistenfahren. Selbst nach der Geburt ihrer ersten Tochter Natalja (1998) fuhr sie drei Monate später bei der Weltmeisterschaft in Meiringen-Hasliberg in der Schweiz mit und kam auf den sechsten Platz.
Stützpunkt „Buckelpiste“
gegründet
Nach Beendigung ihrer aktiven Skikarriere im Jahr 1999 engagierte sie sich im Wintersportverein Aschau als Trainerin Ski alpin. Nach der Geburt ihrer Tochter Anastasia (2005) gründete sie in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Skiverband einen Stützpunkt „Buckelpiste“ in Aschau. Für sie, wie sie sagt, „eine neue Berufung“.
Das Trainieren liegt ihr im Blut. Gemeinsam mit ihrem Mann Mario Weinhandl und anderen ehemaligen Skiprofis betreibt sie ihre eigene Skischule, das Skicamp in Aschau. Auch Weinhandl ist im Skisport kein Unbekannter. Er war unter anderem Rennleiter der Hahnenkammrennen und ehemaliger Trainer von Linus Straßer. In ihren Skicamps in den österreichischen Alpen vermitteln sie die Faszination fürs Skifahren. Gleichzeitig sichten sie dort potenzielle Nachwuchsfahrer.
Auf der Kampn
geht einem das Herz auf
Auch ihre beiden Töchter Natalja und Anastasia sind begeisterte Skifahrerinnen, haben eine Skilehrerausbildung in Österreich. Aber Profis wollten sie nicht werden. „Leistungssport ist aber auch kein Muss“, betont die Olympiasiegerin. Schon als Kind müsse man dafür brennen. Wenn sie dahaom ist, geht Tatjana Mittermayer auf ihren Berg. „Die Kampn ist mein Hausberg. Wenn ich da oben stehe, geht mir das Herz auf.“