Evenhausens Funkmast liefert noch kein Netz

von Redaktion

Seit Jahren warten die Bürger von Evenhausen auf besseren Mobilfunkempfang. Nun steht zwar ein 40 Meter hoher Mast am Ortsrand der Gemeinde Amerang, doch in Betrieb ist er noch nicht. Eine formale Übergabe vom Betreiber an den Netzanbieter steht noch aus, ein Termin ist unklar.

Amerang – Funklöcher sind immer wieder ein Thema in der Region. Ein Paradebeispiel, wie lange sich ein solches Vorhaben ziehen kann, stellt der kleine Ortsteil Evenhausen im Gemeindegebiet von Amerang dar.

Hier ist seit Jahren die Rede von einem beständigen Netz, das ein rund 40 Meter hoher Mobilfunkmast garantieren soll. Eine schier unendliche Geschichte, deren Ende noch immer nicht absehbar ist.

Funkmast-Chronologie
in Evenhausen

Aufgrund befürchteter Strahlung und der Sorge seitens Funkmastgegnern wurde vor einigen Jahren ein positives Mobilfunkgutachten erstellt. Ebenfalls geprüft wurden in dem Zusammenhang Statik und Brandschutz sowie naturschutzrechtliche Belange.

Bei der Standortfrage setzte sich die Gemeindeverwaltung für eine Grundstückssicherung außerhalb der Ortsmitte ein. Doch vom Stellen eines Bauantrags über die Genehmigung bis zur Fertigstellung inklusive der rein baulichen sowie technischen Maßnahmen floss noch viel Wasser den Inn hinunter.

Denn mit Beginn der ersten Erdarbeiten am Waldrand im Oktober 2025 geriet das Vorhaben erneut ins Stocken. Der Grund: ein kleines Reptil. Das Auffinden der geschützten Zauneidechse an dem Standort führte zu einem sofortigen Baustopp. Eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung wurde notwendig, damit die Baumaßnahme fortgeführt werden konnte.

Wenige Wochen später war die Fertigstellung komplett, selbstverständlich wurden dabei sämtliche vereinbarten Sonderauflagen eingehalten, unterstreicht Eric Löffelmann von „Abel Mobilfunk“. Die Firma in Engelsberg baut zusammen mit dem Funkturmbetreiber „ATC Germany“ Masten in ganz Deutschland und war auch für den Aufbau in Evenhausen zuständig.

Doch der Mast funkt nicht. Eine Erklärung hat „Telefónica“-Sprecher Kenza El Fassi: „Der Mobilfunkstandort wurde durch ‚ATC Germany‘ errichtet, aber noch nicht formal an uns übergeben. Sobald die Übergabe durch den Funkturmbetreiber an uns erfolgt ist, können unsere Mitarbeiter die Installation der erforderlichen Technik umsetzen.“

Die Krux: Der Übergabezeitpunkt sei noch nicht erfolgt, ein entsprechender Termin liege aktuell nicht vor. „Wir stehen in engem Austausch mit ‚ATC Germany‘ und sind zuversichtlich, dass die Übergabe zeitnah terminiert wird. Für uns hat es oberste Priorität, den Ausbau schnellstmöglich voranzutreiben und den Standort in Betrieb nehmen zu können, um unseren Kunden vor Ort ein noch besseres Netz mit 4G/LTE-Netz und dem modernen 5G-Netz zu bieten.“

Es scheint also Licht am Ende des Tunnels zu flackern. Dennoch: Amerang ist nicht die einzige Kommune in der Region, in der der Mobilfunkausbau zäh ist. So war die Gemeinde Vogtareuth über Jahre auf der Suche nach einem geeigneten Standort für den Bau eines Funkmasts. Erst vergangene Woche fiel die endgültige Entscheidung für einen Standort im Staatsforst. Gegen eine Funkantenne auf dem Bauhofgebäude in Unterreit gab es sogar einen Bürgerentscheid. Der Gemeinderat jedoch lehnte das Bürgerbegehren gegen die zwei geplanten Funkmasten in Wang und Unterreit ab.

Beispiele, die natürlich auch in Amerang bekannt sind. Anton Görgmayr von der Gemeindeverwaltung weiß um das berühmt-berüchtigte Sankt-Florians-Prinzip: „Ein jeder möchte ohne Schwierigkeiten telefonieren können, der dafür zuständige Mast aber soll ja nicht vor der eigenen Haustür stehen.“

Görgmayr ist allen Verzögerungen zum Trotz weiter zuversichtlich: „Wir waren stets bemüht, im gesamten Gemeindebereich ein beständiges Netz zu ermöglichen. Nach unseren Informationen gehen wir davon aus, dass der Funkmast im ersten Quartal 2026 in Betrieb genommen wird. Wir sind hoffnungsvoll, dass diese Geschichte bald zu einem positiven Abschluss kommt.“

Tanja Gabler von der Pressestelle des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie (StMWi) zeigt sich mit dem Ausbau in Oberbayern und insbesondere in ländlichen Gegenden insgesamt zufrieden: „Die Versorgung in den städtischen und halbstädtischen Gebieten ist auf einem sehr hohen Niveau. Die ländlichen Regionen haben fast aufgeschlossen. Unsere Bayerische Mobilfunkinitiative hat eine beeindruckende Dynamik ausgelöst.“

In den Jahren 2020 bis 2025 wurden Gabler zufolge in Bayern knapp 32.000 Funksender aus- oder neu gebaut. Stand Oktober 2025 sind laut Bundesnetzagentur (BNetzA) über 99 Prozent der bayerischen Haushalte mit 5G versorgt. Die Flächenversorgung liegt bei etwa 94 Prozent. Im Juli 2023 lag die 5G-Versorgung der bayerischen Landesfläche noch bei 74 Prozent.

Das Ministerium befinde sich im „permanenten, konstruktiven Austausch mit den Mobilfunknetzbetreibern“, um auch Erfahrungen aus der Praxis für die Identifikation von Beschleunigungs- und Optimierungspotenzialen zu nutzen. Dabei seien die Betreiber in der Pflicht, die Mobilfunkversorgung weiter zu verbessern.

Dass der Fund eines geschützten Tieres wie der Zauneidechse in Evenhausen für Verzögerung sorgt, ist dem Ministerium bekannt: „Tatsächlich stoppt die Entdeckung geschützter Arten immer wieder Mobilfunk-Ausbauvorhaben, insbesondere in dünn besiedelten, ländlichen Regionen, wo viele geschützte Arten vorkommen. Der Ausgleich zwischen digitalem Fortschritt und Schutz von Natur wie Artenvielfalt wird angestrebt.“

In Bayern sind das Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie und das Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) im engen fachlichen Austausch zur Beschleunigung der arten- und naturschutzrechtlichen Begleitverfahren.

Die Kriterien zum
Mobilfunkausbau

Wichtigster Faktor des Mobilfunkausbaus sei Gabler zufolge die Standort- beziehungsweise Grundstückssuche. Dann folgen die (Strom-)Anbindung, natur- und artenschutzrechtliche Belange sowie Bürgerinitiativen. „Im ländlichen Raum ist die Anbindung der Standorte aufgrund der Lage besonders teuer. In Landschaftsschutzgebieten gibt es viele geschützte Arten. Eine maximale Versorgung ist in Wäldern, Grenzregionen, Gebirgen und in Naturschutzgebieten kaum zu finden.“

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