„Wir haben den Hebel umgelegt“

von Redaktion

Staatsminister Thorsten Glauber war im Raublinger Werkhaus zu Gast. Bei einem Infoabend sprach der Umweltminister über Energiepolitik, Naturschutz und ein großes Anliegen der Raublinger: die umstrittene Wiedervernässung der Moore.

Raubling – Zu einem gut besuchten Informationsabend der Freien Wähler kam der bayerische Staatsminister für Umwelt- und Verbraucherschutz, Thorsten Glauber, in das Raublinger Werkhaus. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen kommunalpolitische Themen, Umwelt- und Energiepolitik sowie der direkte Austausch mit den Bürgern.

Einst wegen Autopanne
in Raubling gestrandet

Glauber stellte zu Beginn eine persönliche Verbindung zu Raubling her: Als Kind sei er mit seiner Familie hier „gestrandet“, nachdem das Auto seines Vaters an der Ausfahrt Raubling liegen geblieben sei. Trotz dieses eher ungünstigen Starts habe er der Gemeinde positive Erinnerungen bewahrt. In der Folge gab der Minister einen Überblick über seinen persönlichen Werdegang, die Arbeit seines Ministeriums und seine politischen Grundwerte. Der Minister berichtete, wie viele im Publikum, aus einer naturnahen Landwirtschaft zu stammen. Er selbst sei auf einem Nebenerwerbshof aufgewachsen und habe erst auf dem zweiten Bildungsweg Architektur studiert und ein eigenes Architekturbüro aufgebaut. Seit etwa 30 Jahren sei er kommunalpolitisch als Gemeinderat in Oberfranken aktiv – ein Grund, warum ihm die kommunale Ebene besonders am Herzen liege. Gleichzeitig mahnte er, dass Bürger nach Wahlen die gemachten Versprechen auch einfordern würden. Inhaltlich ging Glauber auf die zentralen Themen seines Ministeriums ein. Beim Thema Energie lobte er Sepp Lausch in dessen Funktion als energiepolitischer Sprecher der Freien-Wähler-Fraktion im Landtag. Bayern stehe klar hinter den erneuerbaren Energien und nehme bei Photovoltaik, Wasserkraft, Biomasse und Biogas bundesweit eine Vorreiterrolle ein.

Auch bei der Windkraft habe man mit der Abkehr von der 10H-Regel einen Kurswechsel vollzogen. „Heute haben wir die schnellsten Genehmigungsverfahren in Deutschland – wir haben den Hebel umgelegt“, so Glauber. Wärmepumpen seien bei Neubauten inzwischen Standard, zudem würden neue Technologien wie See- und Geothermie sowie die sogenannte Hot-Rock-Technik weiterentwickelt.

Beim Naturschutz betonte Glauber die Verantwortung gegenüber kommenden Generationen. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass sich Umweltstandards in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert hätten. „Wasser, Luft und Umwelt sind heute wesentlich sauberer als noch vor 50 Jahren“, meint er.

Besonders emotional äußerte sich der Minister zum Thema Wasser. Gerüchte über eine Privatisierung wies er entschieden zurück: „Wasser wird nicht privatisiert. Dafür stehe ich als Umweltminister.“ Auch die Abfallwirtschaft sprach er kurz an und erklärte, dass neben bestehenden Deponien die thermische Verwertung von Müll weiter ausgebaut werde.

Von Baukosten
bis Klimaanpassung

Ein weiteres Thema waren die steigenden Baukosten. Als einen Hauptgrund nannte Glauber den Mangel an Erdverfüllungsmöglichkeiten im Landkreis, wodurch große Mengen Aushub mit Lastwagen in andere Regionen transportiert werden müssten. Zum Ausstieg aus der Atomkraft erläuterte er den Bau eines neuen Strahlenschutzlabors, das prüfen solle, ob Materialien aus stillgelegten Kernkraftwerken noch belastet seien. In den meisten Fällen sei dies nicht so, sodass eine Wiederverwertung, etwa im Straßenbau, möglich sei.

Auch der Verbraucherschutz fand Erwähnung. Glauber sprach über Lebensmittelverschwendung, die Förderung von Repair-Cafés und Maßnahmen gegen Fast Fashion. „Wir müssen da ein neues Mindset aufbauen“, forderte er. Abschließend ging der Minister auf Naturgefahren ein, insbesondere auf das Thema Hochwasser. Insgesamt investiere der Freistaat 1,3 Milliarden Euro in Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Klimawandel, etwa ein Drittel davon in die Klimaanpassung.

Wiedervernässung
des Moores im Fokus

Aus eigener Erfahrung berichtete Glauber von der gegenteiligen Problematik in seinem oberfränkischen Wahlkreis, wo Trockenheit und Niederschlagsarmut vorherrschten. „Niederschlag ist Leben“, betonte er.

In der anschließenden Fragerunde dominierte ein Thema: die Folgen und die Notwendigkeit der Wiedervernässung des Moores. Während einige Raublinger die Renaturierung für „absolut zwingend halten“, haben andere Anwohner weiterhin Sorgen. Glauber sicherte zu, dass keine Entscheidungen getroffen würden, bevor ein neues Gutachten vorliege. Gleichzeitig machte er deutlich, dass man sich der Situation stellen müsse – auch wenn dies Kosten verursache und Maßnahmen wie den Bau von Deichen beinhalte, die nicht überall auf Zustimmung stoßen würden.

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