Neubeuern – Getragen von einer großen Trauergemeinschaft wurde Sepp Fischbacher aus Neuwöhr am Friedhof in Altenbeuern zu Grabe getragen. Ein Leben, geprägt von Beständigkeit, Verlässlichkeit, Arbeitswillen und Freude an der Geselligkeit, zeichnete den Verstorbenen aus. Vielen Mitbürgern, vor allem im Stadtbereich Rosenheim, ist er auch als „Palmkatzl Sepp“ bekannt, war er doch über viele Jahrzehnte am „Grünen Markt“ eine vertraute Persönlichkeit. Wenn er sein „Produkt“ anbot, mit einem verschmitzten Lächeln, konnte man sich auch einem „Ratsch“ mit ihm nicht entziehen.
In Neuwöhr auf dem landwirtschaftlichen Anwesen geboren, mit Schwester und Bruder, blieb er ein langes Leben Teil dieser Dorfgemeinschaft. Zusammen mit seiner Frau Eugenie bewirtschaftete er den Hof im Nebenerwerb. Sein Arbeitsleben bestimmte die PWA in Redenfelden, wo er 40 Jahre zuverlässiger Mitarbeiter war, Jahrzehnte auch im Schichtdienst. Seinen Arbeitsweg legte er in all diesen Jahren mit dem Radl zurück.
Dem Trachtenverein Edelweiß Neubeuern, dem er 70 Jahre angehörte, galt sein großer Einsatz. Aktiv in jungen Jahren als Vorplattler, übernahm er als Zweiter Vorsitzender mit Hans Bergmeister die Verantwortung im Verein. Sein Arbeitseinsatz bei Vorbereitungen zu Festen zog andere mit. Das Tragen der Tracht, der Erhalt von Traditionen war für Sepp Fischbacher bestimmender Lebensmittelpunkt. Der Verein ehrte ihn mit der Ehrenmitgliedschaft, der Trachtengau mit dem goldenen Gauehrenabzeichen. Kein Trachtenfest in näherer, aber auch weiterer Entfernung, welches von Sepp Fischbacher nicht besucht wurde. Und das fast immer mit dem Radl.
Man kannte ihn, schätzte seine Zuverlässigkeit und Freundlichkeit. Ein Herbstfest in Rosenheim ohne ihn, fast undenkbar. Am dortigen Stammtisch beim Flötzinger mit seinen Freunden kannte man ihn über viele Jahre.
Nach dem Arbeitsleben fand er vielfältiges Gefallen an Bergtouren, Wanderungen, dem Leben in der Natur. Sein ständiger Begleiter, sein Radl, mit dem er bis in das Tiroler Nachbarland unterwegs war.
Im ehrenden Nachruf am offenen Grab meinte sein ehemaliger langjähriger Vorsitzender Erich Rasinger, mit dem Radl war der Sepp viel mehr unterwegs als andere Leute mit dem Auto. Auch Regen und Schnee konnten ihn nicht abhalten. Erst in sehr späten Jahren wechselte er sein altes Gefährt, mit einem E-Radl war er fortan weit unterwegs. Für den familiären Kreis mit Ehefrau, Tochter, Enkel und fünf Urenkeln war er hilfreicher Partner und beschützender Opa.
Ein intensiv geführtes Leben wurde seit zwei Jahren beeinträchtigt von der Krankheit des Vergessens. Sepp Fischbachers Kreise wurden kleiner, einem Ratsch auf der Hausbank war er aber nicht abgeneigt.
Nach kurzem Aufenthalt verstarb er im Beisein der Angehörigen im Krankenhaus.
Die Beerdigungsfeier, zelebriert von Pfarrer Christoph Rudolph, wurde vom Chor und der Beerdigungsmusik mitgestaltet. Die Fahnenabordnungen seines Trachtenvereins Neubeuern und vom Trachtenverein Höhenmoos, dem Veteranenverein Neubeuern und der Freiwilligen Feuerwehr neigten sich als Gruß am Grab. Eine dreifacher Ehrensalut, auch für die 50-jährige Mitgliedschaft im Veteranenverein, war eine Ehrenbekundung. swt