Stephanskirchen: Grünes Licht für neues Radkonzept

von Redaktion

Stephanskirchen soll fahrradfreundlicher werden. Der Gemeinderat hat dafür Ende 2025 die Umsetzung erster Maßnahmen aus dem neuen Radverkehrskonzept beschlossen. Geplant sind unter anderem eine „unechte Fahrradstraße“ und neue Regeln in der Salzburger Straße. Wann die Umsetzung beginnt, ist jedoch noch unklar.

Stephanskirchen – Eineinhalb Jahre suchte ein Verkehrsplanungsbüro nach Lösungen, wie Stephanskirchen sicherer für Radfahrer werden kann. Noch viel länger kämpfte Frank Wiens, Fahrradbeauftragter der Gemeinde, dafür, dass es überhaupt dazu kommt. Immer wieder wandte er sich mit den Anliegen Stephanskirchener Radfahrer an das Rathaus. Solange, bis ihm der damalige Bürgermeister Rainer Auer den Posten des Gemeindebeauftragten verpasste. Unzählige Arbeitsstunden, Konzeptideen und erradelte „Problemstellen“ später ist das Radverkehrskonzept nun fertig.

Bürger brachten Wünsche
und Erfahrungen ein

Bevor die Experten vom Planungsbüro herandurften, konnten die sprechen, die am meisten Erfahrung haben: die Bürger. Vor allem jene, die oft mit dem Rad in der Gemeinde unterwegs sind, wissen am besten, an welchen Stellen sie das Radfahren als gefährlich empfinden. Bei einem Workshop im Oktober 2024 konnten die Bürger Gefahrenstellen auf Gemeindeplänen markieren, ihre Erfahrungen teilen und Wünsche äußern. Insbesondere die Salzburger Straße, die Schloßberg-Abfahrt und die Innbrücke sowie wichtige Schulwege in der Gemeinde rückten in den Fokus.

Die Ergebnisse daraus wurden dann an das im Juli 2024 beauftragte Verkehrsplanungsbüro Kaulen aus München übermittelt. Im September 2025 war das Konzept fertig und Dr. Ralf Kaulen präsentierte in der Oktober-Sitzung dem Umwelt- und Verkehrsausschuss, Behördenvertretern sowie dem Fahrradbeauftragten Wiens 30 Detailmaßnahmen.

In seiner Sitzung Ende Dezember fasste schließlich der gesamte Gemeinderat den Grundsatzbeschluss, das Konzept zu verfolgen. Des Weiteren wurden daraus einzelne Maßnahmen detaillierter beschlossen, die vorrangig und zeitnah umgesetzt werden sollen.

Zunächst soll die Beschilderung überarbeitet und verbessert werden. Damit gut ersichtlich ist, wer wo fahren darf. Gleichzeitig schlägt das Planungsbüro die Umwandlung mehrerer Straßenabschnitte in „unechte Fahrradstraßen“ vor. Ein Novum in der Gemeinde. Begonnen werden soll damit in der Schulstraße/ Kreuther Straße. Wie Brigitte Weber, Sachbearbeiterin für den Bereich Klimaschutz und Mobilität, erläuterte, müsse dafür die derzeit geltende Regel „Rechts vor Links“ aufgehoben und durch eine entsprechende Beschilderung für Rad- und Autofahrer ersetzt werden. Die Zu- und Durchfahrt bleibe damit nur dem Linienbusverkehr und Anliegern vorbehalten.

Auswirkungen auch
auf Elterntaxis

Dieser Schritt hat Auswirkungen auf die Eltern, deren Kinder die Grundschule Schloßberg besuchen und die sie jeden Tag selbst zum Unterricht bringen. Denn es bedeutet auch, dass „Elterntaxis“ nicht mehr auf der Fahrbahn und direkt vor dem Schuleingang halten dürfen. Weber erwähnte dazu auch den Parkplatz am Friedhof direkt gegenüber des Schulgebäudes, um Kinder zu holen oder zu bringen. Denn diesen erreiche man über jede Zufahrt.

Auch in der Salzburger Straße soll sich bald einiges ändern. Das Problem: Der Weg entlang der stark befahrenen Staatsstraße gilt als viel genutzter Schulweg – und gleichzeitig als Gefahrenhotspot für Radler und Fußgänger. Bislang müssen sich beide auf diesem Abschnitt den viel zu schmalen Gehweg teilen. Das Gefahrenpotenzial wird zudem durch die in Seitenstraßen oder auf Parkplätze ein- und ausfahrenden Autos erhöht, die den Geh- und Radweg kreuzen.

Salzburger Straße:
Räte äußern Zweifel

Einen Antrag auf die Einführung von Tempo 30 auf Teilen der Salzburger Straße in den Ortsteilen Gehering und Schloßberg hat die Gemeinde laut Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie Bürger) bereits bei der Unteren Verkehrsbehörde eingereicht. „Eine Rückmeldung steht bislang aber noch aus“, erläuterte der Rathauschef. Gleichzeitig sollen Radfahrer künftig nicht mehr an den Rad- und Fußweg gebunden sein müssen. Durch sogenannte Piktogrammketten, also Markierungen auf der Fahrbahn, sollen sich Radler künftig die Straße mit dem Autoverkehr teilen dürfen.

Eine Idee, die bei einigen Gemeinderäten Zweifel aufkommen ließ. Halten sich alle an die neuen Regeln? Werden plötzlich alle zu Anliegern? Und wird es wirklich sicherer für Radfahrer, wenn sie auf die stark befahrene Hauptstraße ausweichen sollen? Mair und Weber sind sich sicher: Ja. Das Ausweichen der Radfahrer auf die Fahrbahn in der Salzburger Straße sei zusätzlich möglich, aber kein Muss. Diese Möglichkeit sei besonders für Rennrad- oder E-Bike-Fahrer interessant. Die Mutter mit ihren kleinen Kindern könne nach wie vor den gemeinsamen Rad- und Fußweg nutzen. Gleichzeitig, so Mair, hoffe man künftig auf weitere Entlastung entlang der Salzburger Straße durch die Einführung von Tempo 30 sowie durch den Bau der Kraglinger Spange.

Bislang kein
konkreter Zeitplan

Wann genau die Verbesserungen für Radler – und zum Teil auch für Fußgänger – eintreten werden, ist bislang unklar. Wie Regine Falk, Sprecherin der Stephanskirchener Verwaltung, erklärt, könne der konkrete Zeitpunkt für die Umsetzung der ersten Maßnahmen derzeit noch nicht festgelegt werden. „Es steht noch die Rückmeldung verschiedener Akteure und Gremien aus. Erst nach Abschluss dieser Prüfung kann die Gemeinde in die Terminplanung gehen“, so Falk.

Kritik am „offenen
Hintertürchen“

Zudem gibt es, so Falk, noch keinen beschlossenen Haushalt für das Jahr 2026 – und somit noch keine Finanzmittel für die geplanten Maßnahmen. Und genau dieses „Hintertürchen“ lassen sich die Stephanskirchener offen. Denn der Beschluss enthält einen Vorbehalt: Voraussetzung sind ausreichende Personalkapazitäten und die Verfügbarkeit der notwendigen Haushaltsmittel. Ein Punkt, den Janna Miller (Grüne) kritisierte.

Info-Radtour für interessierte Bürger

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