Abschied von der Griabe Marie von Hartmannsberg

von Redaktion

Maria Söldner, die älteste Mitbürgerin der Marktgemeinde Bad Endorf, stirbt mit 103 Jahren

Bad Endorf/Stephanskirchen bei Hemhof Die älteste Mitbürgerin der Marktgemeinde Bad Endorf, Maria Söldner, bekannt als Griabe Marie von Hartmannsberg, verstarb am 31. Dezember. Am 8. Februar wäre sie 104 Jahre alt geworden. Nach Empfang der hl. Sterbesakramente durfte sie im Kreise ihrer Familie friedlich zu Hause einschlafen, so wie sie es sich gewünscht hatte.

Ihr Leben prägten Gebet, Arbeit und Einfachheit genauso wie ihr reges Interesse am Weltgeschehen, Meinungsstärke, Geselligkeit und Hilfsbereitschaft. Geboren wurde Maria Söldner 1922 in Forchtenegg bei Halfing. Sie wuchs mit vier Geschwistern auf einem kleinen Bauernhof auf, drei Geschwister verstarben bereits im Kleinkindalter. Noch im Alter von 100 Jahren schilderte sie eindrücklich die Zeit zwischen den zwei Weltkriegen mit Not, Geldentwertung und dem Aufkommen der Nazis mit Bedrohung, Sanktionen und Angst vor Verrat. Man habe aufpassen müssen, zu keinem ein falsches Wort zu sagen. Deutschland – eigentlich ein Denkervolk, dass hier die Nazis die Leute so dressieren konnten, dass man die anderen beseitigt, könne man kaum glauben, meinte Maria Söldner rückblickend.

Mit 15 Jahren kam sie als Magd bei einem Bauern in Halfing in den Dienst. 1946 bat ihre Mutter sie, zur Tante und deren Mann nach Hartmannsberg bei Hemhof zu ziehen, denn dem Paar waren alle neun Kinder verstorben und eine Arbeitskraft zur Mithilfe auf dem kleinen Hof war dringend nötig. Tante und Onkel wirtschafteten und lebten noch ganz im alten Stil. Da habe sie erst recht das Nachgeben gelernt. Aber ein Gutes habe es auch gehabt: Der Onkel sei Gemeindediener gewesen und dem habe sie auch helfen müssen. So sei sie viel zu den Leuten gekommen und fast in jedes Haus. Und nach dem Krieg, bei den ersten „sensationellen Hochzeiten“, habe sie von denen, die zum Tanzen kamen, Geld für die Gemeindekasse kassieren geholfen.

Am 8. Juni 1953 heiratete sie ihren Mann Hans. Beide nahmen beim 1. Landestreffen der KLJB am 1. Mai 1953 in Altötting teil, Maria war aus Hemhof hingefahren, Hans aus seiner Heimat Niederbayern. Er fuhr anschließend mit dem Bus nach Hemhof mit. Aus der Ehe gingen zwei Söhne und drei Töchter hervor, denen sie eine herzensgute Mutter war. Später durfte sie sich über ihre acht Enkelkinder freuen. Auf Betreiben ihres Mannes machte Maria Söldner als eine der Ersten den Autoführerschein. Auch wenn er dann immer beklagte „Seit du a Auto hast, bist oiwei dahi“, hat sie sich nicht aufhalten lassen. Mit über 80 fungierte sie noch immer gerne als „Taxi“ für ältere Mitbürgerinnen.

Maria Söldner war gesellig und reiselustig. 1950 konnte sie an einer Pilgerfahrt mit dem Zug nach Rom teilnehmen, der Onkel übernahm die Hälfte der 300 Mark für die Reise, damals sehr viel Geld. Weitere Pilgerreisen führten sie nach Lourdes, Assisi und 1972 nach Israel. Der Besuch der Gedenkstätte Yad Vashem dort sei ihr durch und durch gegangen, berichtete sie.

Maria Söldner konnte auf ein Jahrhundert Entwicklung und Veränderungen zurückblicken und hinterfragte vieles kritisch. Sie war belesen und meinte, der Fernseher habe gute und schlechte Seiten.

Maria Söldner war eine leidenschaftliche und versierte Gartlerin und besuchte gerne die Veranstaltungen des Gartenbauvereins Hemhof genauso wie die bayerischen Singstunden im Gemeindegebiet. Getragen fühlte sich Maria Söldner von Glauben, Gebet und ihrer Verbundenheit mit Gott.

Ein Anker im Alltag war ihre Mitgliedschaft und Mitgestaltung bei der Franziskanischen Gemeinschaft seit 83 Jahren. Kirchenbesuche waren für sie wie ein Urlaub, eine Pause von Alltag und Arbeit. Gottvertrauen und die Überzeugung, man könne nur die guten Werke mit in die Ewigkeit nehmen, begleiteten sie. Sie freute sich darüber, in den letzten sechs Jahren wöchentlich die Krankenkommunion empfangen zu können, begleitet von ihren Söhnen Sepp und Hans.

Der feierliche Trauergottesdienst in der Kirche St. Rupertus in Stephanskirchen wurde von Pater Livio und Pfarrer Kronast gehalten und vom Kirchenchor musikalisch umrahmt. Tochter Elisabeth schilderte den Lebenslauf, Tochter Marianne verlas persönlich von der Mutter verfasste Dankesworte an die Pfarrgemeinde.

Mit wertschätzenden Worten nahm eine Vertreterin der franziskanischen Gemeinschaft am Grab Abschied. Maria Söldners Aufgewecktheit, ihre Heiterkeit und ihr feiner Humor sowie ihre Freundlichkeit werden in dankbarer Erinnerung bleiben.

Artikel 1 von 11