Metzgerei Leitner zieht nach Prutting

von Redaktion

Metzgermeister Vinzenz Leitner musste seine Metzgerei in Schloßberg zum Jahresende 2025 schließen. Grund ist ein Streit mit den Vermietern über notwendige Sanierungen. Für den Ort ist es ein Verlust, doch Leitner hat bereits neue Pläne und zieht mit seinem Betrieb nach Prutting um.

Stephanskirchen – Die Ladentür der Metzgerei Leitner (ehemals Bauer) am Schloßberg ist verschlossen, die Lichter sind aus. Auf einem Aufsteller steht mit Kreide geschrieben: „Wir sind auf dem Parkplatz.“ Auf der Parkfläche an der Salzburger Straße hinter dem Gebäude steht ein mobiler Verkaufswagen. Die Schlange ist lang. Und immer wieder kommen neue Kunden. Noch bis voraussichtlich März 2026 bleibt der Wagen dort stehen, sagt Betreiber und Metzgermeister Vinzenz Leitner. Danach zieht er mit seinem Geschäft nach Prutting.

Vermieter verweigert
Kostenbeteiligung

Entgegen vieler Metzger, die aus Mangel an Nachwuchs und steigendem Konkurrenzdruck durch Discounter ihre Betriebe aufgeben, ist das bei Vinzenz Leitner anders. Der 29-jährige Metzgermeister hat im März 2023 die Metzgerei übernommen – dem Metzgereisterben zum Trotz. Schon damals sei das Gebäude in einem sanierungsbedürftigen Zustand gewesen. Zwar habe Leitner das Geschäft begutachten lassen. Als das Veterinäramt dann zur Kontrolle kam, habe es zahlreiche Beanstandungen gegeben.

Die Ausstattung war stark in die Jahre gekommen, die brandschutzrechtlichen Vorgaben waren nicht erfüllt, und auch das alte Gebäude entsprach nicht mehr den Standards für einen Metzgerbetrieb. „Es gibt keinen zweiten Eingang oder Aufenthaltsraum, was inzwischen beides Pflicht ist“, so Leitner auf Nachfrage des OVB. Nachdem der Besitzer des Gebäudes kurz nach der Übernahme durch Leitner gestorben sei, hätten zwei Enkel des Mannes die Immobilie geerbt.

Mit den Erben habe Leitner keine Lösung für den Umbau finden können, eine Kostenbeteiligung hätten sie verweigert. „Sie haben sich auf eine Klausel im Mietvertrag berufen, dass alle Kosten für Sanierungs- und Umbauarbeiten vom Mieter selbst zu tragen sind“, so der Metzgermeister. Zu viel für den jungen Mann, der sein Geschäft gerade erst richtig aufbauen wollte. An Pfingsten 2025 habe er auf eigene Kosten eine neue Fleischtheke einbauen müssen, da die alte kaputtgegangen war. Im November sei dann die Kündigung zum Jahresende 2025 gekommen.

Stephanskirchens Bürgermeister Karl Mair bedauert die Schließung: „Es ist ein großer Verlust für die Nahversorgung in Schloßberg“, sagt er auf Nachfrage des OVB. Ende 2022 schloss die Metzgerei Bufler. Mit der Schließung der Metzgerei Leitner sterbe der letzte familiengeführte Betrieb für Wurst- und Fleischwaren im bevölkerungsreichsten Ortsteil der Gemeinde. Lediglich eine Filiale der Metzgerei Hilger in Kragling gibt es noch im gesamten Gemeindegebiet.

Einen anderen Laden innerhalb der Gemeinde, der für Leitners Betrieb infrage käme, gebe es aktuell nicht. „Die Anforderungen sind hoch. Ein Objekt, das diese Voraussetzungen für einen Metzgerbetrieb erfüllen würde, steht aktuell nicht zur Verfügung“, so Mair. Und da Vinzenz Leitner in Stephanskirchen keine Alternative für sein Geschäft finden konnte, wagte er einen Blick in die Nachbargemeinde Prutting.

Dort sucht Bürgermeister Johannes Thusbaß bereits seit geraumer Zeit nach einem Nachfolger für die Metzgerei Maier. Ende 2024 schloss Georg Maier nach über 30 Jahren seinen Betrieb. Gleichzeitig sollte der leer stehende Gasthof, der ebenfalls Maier gehört und den er lange betrieben hatte, wiederbelebt werden – mit Erfolg. Seit Juni 2025 begrüßen die Wirtsleute Ingrid und Julien Graveleine dort wieder Gäste. Für die Metzgerei konnte zunächst kein Nachfolger gefunden werden. Bis jetzt. „Ich freue mich natürlich“, sagt Thusbaß. Bei einer Veranstaltung im Mai 2025 habe er Vinzenz Leitner kennengelernt. Damals habe der Metzgermeister noch nicht gesucht. Monate später – nach der Kündigung – habe Leitner sich dann aber bei Thusbaß gemeldet. Derzeit laufen die Umbauarbeiten. Während Leitner auf eine Eröffnung im März 2026 hofft, spricht Thusbaß von Mai 2026.

Die Angestellten
gehen mit

Seine drei Angestellten werden mit Vinzenz Leitner nach Prutting ziehen. Bis dahin arbeiten sie weiterhin im Verkaufswagen und versorgen so noch eine Weile die Schloßberger. Denn neben frischen Wurst- und Fleischwaren bot Leitner einen Partyservice sowie warmes Mittagessen an. „Für uns ist es ein großer Verlust“, sagt eine Frau in der Schlange des Trucks. Der Mann hinter ihr stimmt nickend zu: „Immer mehr Geschäfte schließen und die Orte sterben aus“, bedauert er.

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