Die Ochsen „Wastl“ und „Robin“ zogen die bunt geschmuckte Brautkutsche durchs Dorf.
Raubling/Pfraundorf – Lampionfest, das kann die Jungbauernschaft Pfraundorf, wie hinlänglich bekannt ist. Nun hat sie ihrem regen Vereinsleben einen weiteren Höhepunkt obendrauf gesetzt. Die Bettelhochzeit am vergangenen Sonntag war nicht nur eine Faschingsgaudi, sondern ein Spektakel der Güteklasse mit Stern, wie es der Raublinger Ortsteil Pfraundorf bisher noch nicht gesehen hat.
Zentrum war der Misthaufen beim „Schwoaga z’Pfraundorf“, am Anwesen von Rita Schwaiger und ihrem Sohn Toni, auf dem die „Braut Petra Dunkelberger, Schluckspechtin aus dem untergrünen Tal der Schande“, alias Peter Hellthaler, und ihr „Bräutigam Herbert Wolfram, Kräuter-Italiano, Weberknecht aus Bratzlhausen“, alias Marinus Rechenauer, auf einer Traktorgabel unter tosendem Applaus zur Trauungszeremonie eingeflogen wurden.
„Hoch tobe das Brautpaar“ kündigte ein Plakat auf dem „Hochzeitsbaum“ an, dessen „Schmuck“ seinesgleichen sucht. Pünktlich um 11.11 Uhr leitete die „Blechhauser Hoizmusi“ das Spektakel ein, ehe „Pfarrer Strasser“ (Vitus Mayer), „Hochzeitslader Stephan Hembi“ (Stephan Hemberger) und „Bürgermeister Hans Schneider (Thomas Mühlbauer) die ersten „narrischen Worte“ an die meist einfallsreich maskierten, gut über 1.000 Zuschauer richteten.
Namentlich begrüßt wurden die „Verwandtschaften, Zigeuner, Schweden, Ägypter, aus dem Ostblock, Italiener, Ortsfeuerwehr, Cowboys, Indianer, Mexikaner und auch Schotten“, ein kreativ geschmücktes Narrenvolk, das selbst die „weiteste Anreise“ nicht scheute, um mitzufeiern. „Heit wird net nur g’feiert, sondan a g’heirat, net aus Not, wia sunst, sondan aus purer Tradition“, kündigte der „Bürgermeister“ an: „Schaut’s es eich o, er mit einem Charme wia a Hoizspoiter und sie mit da Eleganz wia a frisch pflasterte Hofeinfahrt.“
Um „Andacht“ bat schließlich „Hochwürden“, da es sich nicht vermeiden ließ, die beiden zu vermählen. Zum Trauakt bat er die engste Verwandtschaft, „Rosi Feichtmeier“ (Tomi Mayer) und „Jakob Guglberger“ (Martin Schulte), Brauteltern, sowie „Josefa Gerndupfer“ (Toni Schwaiger) und „Antonius Niastehter“ (Toni Maurer), Eltern des Bräutigams an der Spitze, auf das Misthaufenpodium. „Kreszenzia Himmellang“, die „Ehrmutter“ lässt sich entschuldigen, „sie hot’s net so mim Fasching“, worauf lautstarkes „ooooh“ ertönte. „Dass di oana mog, kon koana vasteh“, richtete der Pfarrer seine Worte an die Braut. Den Bräutigam stellte er vor mit: „Der immer geile, selten nüchterne, aber stets arbeitsscheue Herbert is nur mit vui Müah von da Braut fernzuhoitn.“ Es sei aussichtslos für beide, den Bund des Streitens und Raufens nicht einzugehen. „Führe uns nicht in Versuchung, nach Hause zu gehen“, schloss er das „Schlussgebet“, ehe sich der Faschings-Hochzeitszug formierte und mit 14 kreativ dekorierten Faschingswagen, Fußvolk und Musikkapellen durch den Ort schlängelte.
Selbst die absoluten „Schwergewichte“, die beiden Ochsen „Wastl“ und „Robin“ vom Ochsencenter Helmut Stocker aus Landsham in der Nähe von Kirchheim bei München, waren bis in die Hörnerspitzen blumengeschmückt und zogen die Festkutsche mit dem Brautpaar an den jubelnden Zuschauern vorbei.
Wie es der Brauch ist, fand die „Hochzeitsfeier“ im eigens aufgestellten Festzelt neben dem Friedhof seinen Fortgang, mit Ehrtänzen, Gastgeschenken, Showeinlagen, begleitet von der Musi „Blechchaos“, eine irrsinnige Menge an bunten und lustigen Faschingseindrücken. Ob es womöglich der Ursprung eines zukünftigen Pfraundorfer Faschingszugs war?