Buchausleihe voller Vertrauen

von Redaktion

Aschauer Bibliothek ist ein Anziehungspunkt für kleine und große Leser aus der Region

Aschau – Seit weit über 15 Jahren gibt es im Haus des Gastes neben dem Aschauer Rathaus eine Vertrauensbücherei. Das Besondere daran ist, dass sie Montag bis Freitag durchgehend von 9 bis 18 Uhr geöffnet ist, und dass man ohne Formalitäten „einfach so“ Bücher ausleihen kann. Eine der Bibliothekarinnen, Ute Schwartz, bittet dennoch: „Bevor Sie abreisen oder Ihre Bücher ausgelesen haben, bringen Sie diese bitte wieder zurück.“ Eine Bitte, die sich natürlich auch an alle anderen Nutzer der Bücherei, seien es Leser aus dem Ort oder aus der Umgebung, richtet. Der Buchbestand setzt sich aus Zuwendungen und Schenkungen zusammen.

Jährlicher Obolus
von der Gemeinde

Die Gemeinde Aschau gibt jährlich einen Obolus dazu. Früher waren es 1000 Euro, jetzt sind es 500 Euro jährlich. Davon gehen Schwartz und Co-Bibliothekarin Christl Lenhard einkaufen, schauen sich bei der Frankfurter und Leipziger Buchmesse, beim Bayerischen Literaturpreis und natürlich im örtlichen Buchladen Buch & Café um. Insgesamt verfügt die Vertrauensbibliothek über ein interessantes und vielseitiges Angebot, finden die beiden, die selbst Viel-Leserinnen sind. Allein schon die Entstehungsgeschichte der Vertrauensbibliothek ist eine Geschichte wert. Angefangen hat es 2008 mit dem überkonfessionellen Lese- und Gesprächskreis der Frauen, die sich – damals noch bei Pfarrerin Annelie Freund – im evangelischen Gemeindehaus trafen. Den gibt es auch heute noch. Doch wohin mit den vielen ausgelesenen Büchern? Schon kurz nach der Gründung präsentierte Pfarrerin Freund der Gemeinde die Idee, den Lesesaal im Haus des Gastes attraktiver zu gestalten und zur Bibliothek aufzuwerten. Und so kam eins zum anderen. Die Räume bekamen Regale, das Untergeschoss wurde nach dem Umbau 2017 zusätzlich zur Bibliothek umfunktioniert. Mittlerweile ist die Bücherei komplett ins lichte Untergeschoss gezogen, der obere Raum soll ein Trauzimmer werden.

„Nun sieht man umso mehr, wie viele Schätze wir haben“, betont Lenhard. Und wer betreut die Bücherei? Seit Anbeginn sind sie und Schwartz mit dabei, „wir waren die Jüngsten“, versehen die abgegebenen Bücher mit Stempeln und Aufklebern („Eigentum Vertrauensbibliothek Aschau i. Chiemgau“), sortieren ein und um und überlegen sich, welche Bücher neu angeschafft werden könnten. So manches abgegebene Buch muss allerdings, wenn zu arg abgegriffen, in den Papiercontainer, sagt Schwartz. Auch wenn sicher viel Herzblut beim vormaligen Besitzer mit dranhing. Die Vertrauensbibliothek bietet Bücher aller Genres, ob für Erwachsene oder für Kinder. Gemütliche Sitzecken und eine Spielecke laden zum Verweilen ein, und einmal monatlich trifft sich hier Leselust. Man liest sich bei diesen Treffen füreinander aus Lieblingsbüchern vor, dazu gibt es Getränke und den Austausch untereinander.

Die knapp fünfstellige Anzahl an Bänden gliedert sich in Romane, Krimis und Thriller, humoristische Literatur, Kinder- und Jugendbücher, Kunst- und Kulturgeschichte, Heimatkunde, Biografien, Theologie, Meditatives, Bücher zu Ökologie sowie zur Lebensgestaltung und Sinnfragen. Auch DVDs liegen aus. Kommt denn alles wieder zurück? Sehr vieles, es heiße nicht umsonst Vertrauensbibliothek, lächeln die beiden Damen.

Ein wirklich
guter Beweis

Lenhard erinnert sich noch gut, wie einmal eine Bücherspende mit über 20 Kinderbüchern aus der Baumhaus-Reihe abgegeben wurde. Nicht einmal einen Tag später waren alle, wirklich alle, weg.

Doch kurze Zeit später standen alle 20 Bände wieder im Regal. Vertrauen schafft Vertrauen – die Aschauer Vertrauensbibliothek ist der beste Beweis.

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