Riedering – „Unsere gemeinsame Geschichte“, die auch zukünftigen Generationen dient: Riederinger Bürgermeister Christoph Vodermaier sparte bei der Eröffnung der Fotoausstellung im Rathaus nicht mit Lob. Auch die vielen Gäste waren voll des Lobes für die großformatigen Fotos, die nach Themen sortiert, die Etagen und das Treppenhaus zieren. Dabei sind die Fotos nur „Teaser“, Appetitmacher, wie man so schön auf Neudeutsch sagt. 2024 feierten die Ortsteile Neukirchen, Pietzing und Söllhuben 1.100 Jahre, und bei ihren Vorbereitungen stießen die Organisatoren auf zahlreiche fotografische Erinnerungsstücke. Fotos, die das Leben vor 100 Jahren zeigten: Familien, Höfe, das Alltags- und das Arbeitsleben, festliche, lustige, aber auch traurige Ereignisse. Diese Fotos müsste man allen zugänglich machen, eine Idee, die Andreas Hilger aus Söllhuben und Karl Rothmayer aus Albersberg nicht losließ. Er sammle ja schon seit Jahrzehnten Fotos, verriet Hilger bei der Vernissage.
Topothek vor
einigen Jahren gestartet
Aber wie weiter damit verfahren? Schon vor einigen Jahren hat die Nachbargemeinde unter Federführung von Rupert Wörndl die Topothek gestartet, die mittlerweile auch andere Gemeinden im Landkreis betreiben und nun eben auch Riedering. Karl Rothmayer erklärte bei der Ausstellungseröffnung, dass die Topothek ein Archiv ist, in dem man – losgelöst von Öffnungszeiten – bequem von zu Hause oder unterwegs online in den alten Bildern stöbern kann. Dabei kann man nach bestimmten Stichwörtern suchen oder einzelne Themenbereiche ansehen. In der Ausstellung sind rund 50 Fotos zu bewundern: Das Schwaiger Sachl, das letzte Holzhaus in Riedering, das in den 90 er-Jahren abgerissen wurde, aus den Riederinger Buam (das Foto von 1936 zeigt fünf junge Herren, von denen zwei aus dem Krieg nicht mehr heimkehrten) wurden in den 50er-Jahren die Riederinger Sänger, die Schulkinder, die noch in den 30er-Jahren barfuß (!) dem Unterricht im Neukirchener Schulhaus folgten, die mühsame Feldarbeit mit dem Ochsengespann, der Melkkurs, der Millifahrer Martin, der noch 1953 die Milch mit dem Gespann brachte, die Glockenweihe Anfang der 50er-Jahre (nachdem die Glocken im Krieg eingeschmolzen wurden). Selbst als Nicht-Riederinger ahnt man, dass diese Fotos von unschätzbarem Wert sind, spiegeln sie doch die gemeinsame Geschichte wider. Und wer mit wem verwandt und verschwägert ist, wer wer ist, und wem welches Schicksal widerfahren ist, auch dies kam beim Rundgang durch die Ausstellung immer wieder zur Sprache. Berührend das Schicksal von Anne, einer Magd aus Polen, die 1939 zurück nach Polen musste und die im KZ starb. Schmunzeln rief das Foto von der Wirtshausrauferei hervor, und Industriegeschichte spiegeln die Fotos vom Goggomobil auf der Fahrt in den Süden, vom Torfstechen und vom Kiesabbau bei Farnach wider.
Ausstellung ist
jederzeit erweiterbar
Die Ausstellung lässt kurzzeitig Geschichte aufleben, die Topothek setzt diese Erinnerungskultur fort. Und sie ist erweiterbar, warben Hilger und Rothmayer. „Wenn ihr noch Fotos habt oder wenn ihr jemanden auf den Fotos mit Fragezeichen erkennt, dann lasst es uns bitte wissen.“ Seit Anfang Januar ist die Ausstellung online, aus über elf Ländern kam schon Zuspruch und wurden die Seiten angeklickt. Bürgermeister Vodermaier warb ebenfalls um Wertschätzung für die Topothek und um weiteres Mittun: „Gemeinsam schaffen wir ein wertvolles Gedächtnis unserer Gemeinde und bewahren unser kulturelles Erbe.“