Ein Visionär für Flintsbach und die Region

von Redaktion

Ex-Landrat und Alt-Bürgermeister Wolfgang Berthaler feiert seinen 70. Geburtstag – Schäffler und Bürgermeisterchor gratulieren

Flintsbach – Der Bürgermeisterchor des Landkreises tritt nur sehr selten auf. Wenn er deshalb zu hören ist, muss es sich schon um eine ganz außergewöhnliche Veranstaltung handeln. Am vergangenen Sonntag nun war er in Flintsbach und das nicht von ungefähr: Dort feierte Wolfgang Berthaler, Altbürgermeister von Flintsbach und bis zu einem Arbeitsunfall 2018 Landrat des Landkreises Rosenheim, seinen 70. Geburtstag.

Damit ehrte auch der Chor einen Menschen, den man nur als Ausnahmepersönlichkeit bezeichnen kann. Der Ort Flintsbach zeigt das deutlich – er wäre ohne das Wirken von Wolfgang Berthaler schlicht nicht das, was er heute ist. Beweise dafür sind nicht zuletzt all die Örtlichkeiten und Institutionen, die Berthaler nicht nur vor dem Niedergang bewahrt hat, sondern ihnen auch neues und dauerhaftes Leben einhauchte. Zu nennen sind da – unter vielem anderen – etwa das Christliche Sozialwerk Degerndorf – Brannenburg – Flintsbach oder die Burgruine Falkenstein, das Wahrzeichen Flintsbachs. Ohne Berthaler hätte das Sozialwerk, das 2002 kurz vor der Insolvenz stand, nicht überlebt und es wäre schon gar nicht dort zu finden, wo es heute angesiedelt ist: Ohne Berthaler wäre die Fläche, auf denen sich bis 2009 das Kloster der Marienschwestern vom Berg Karmel befand, in die Hand irgendeines Investors geraten und entsprechend bebaut worden: Ganz sicher mit dem Blick auf maximierten Gewinn und sehr wahrscheinlich ohne Berücksichtigung gemeindlicher, sprich sozialer Bedürfnisse. So aber ist das Sozialwerk Degerndorf – Brannenburg – Flintsbach zu „einem Leuchtturm nicht nur für den Landkreis, sondern für ganz Südbayern“ geworden, wie es Landtagspräsidentin Ilse Aigner einmal auf einer Jubiläumsfeier des Sozialwerks nannte: Zu einem Leuchtturm, der weithin zeigt, wie man mit einer modern geführten ambulanten Pflege vielen älteren Menschen das ermöglichen kann, was für diese ein zentrales Gut ist: Möglichst lang in den eigenen vier Wänden bleiben zu können.

Dafür den gesicherten Grundstock gelegt zu haben – allein das wäre schon eine große, bewundernswerte Leistung: Die Ausgangslage war prekär und auch der Erwerb des Grundstücks ein Rennen gegen die Zeit.

Zu gewinnen nur, weil Wolfgang Berthaler, der vor seinem Leben in der Politik bei der Sparkasse Großkredite betreute, es verstand, für Gemeindeprojekte jede nur erdenkbare Geld- und Spendenquelle anzuzapfen und dabei auch unter Zeitdruck einen klaren Kopf zu bewahren. Sprich: nicht nur nicht den Überblick zu verlieren, sondern im Stress der aktuellen Entscheidungen immer auch das große Ganze, die Zukunft im Blick zu behalten.

„Geht nicht, gibt’s nicht“, auch so könnte man das Handeln Wolfgang Berthalers beschreiben. Und diese Maxime kam auch beim Erhalt der Burg Falkenstein zum Tragen.

Denn auch sie wäre ohne sein Bemühen nicht im Besitz der öffentlichen Hand, sprich der Umwelt-Kultur und Sozialstiftung im Landkreis Rosenheim, sondern im Besitz irgendeines Investors. Und auch das Geld, das nötig war, um sie so zu präsentieren, wie sie heute dasteht, hat maßgeblich Wolfgang Berthaler mit aufgetrieben.

Schließlich ist auch der Ort, an dem die Geburtstagsfeierlichkeiten stattfanden, die Alte Post zu Fischbach, im Grunde ein Kind Berthalers, vielleicht sogar das ureigenste: Er hat es geschafft, dass das Gebäude, das vor seiner Renovierung langsam und allmählich einem zunehmenden Verfall entgegendämmerte, in ein prachtvolles Schmuckstück zu verwandeln. Und dabei darf man diesen Personenbezug durchaus auch wörtlich nehmen. Denn das Vorhaben war für die Gemeinde finanziell nur zu stemmen, wenn bürgerliche Eigenleistung bei der Entkernung mit eingerechnet werden konnte. Und Wolfgang Berthaler war sich nicht zu schade, selbst die Schaufel in die Hand zu nehmen – nicht nur einmal und nicht nur für einen Fototermin: Er stand mit seinen Einsatzstunden an der Spitze all derer, die hier zusammenhalfen. Denn ein Kernsatz von Wolfgang Berthaler lautete und lautet seit jeher: „Man muss an seine Visionen glauben, wenn man Zukunft gestalten will.“

Johannes Thomae

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