Neubeuern – Der Faschingssonntag hat in Neubeuern wieder gehalten, was er verspricht: ein voller Marktplatz, beste Stimmung und ein Zug, der einfach Laune macht. Schon lange vor dem Eintreffen der ersten Gruppen standen die Besucher dicht gedrängt rund um den Platz. Über den Köpfen spannte sich ein Dach aus bunten Girlanden, zwischen Kirche, Maibaum und historischen Fassaden wurde aus dem Ortszentrum ein Kessel voller Lachen, Applaus und Stimmengewirr.
Mit dabei waren heuer rund 400 Aktive, die mit Wagen, Kostümen und Inszenierungen für Abwechslung sorgten – mal farbenfroh, mal frech, mal richtig musikalisch. Und genau das machte den Reiz aus: Neubeuern zeigt beim Fasching nicht nur Masse, sondern Ideen – sichtbar bis ins Detail.
Musikalisch bekam der Gaudiwurm schnell Druck: Eine gelb gekleidete Formation mit Trommeln und Bläsern brachte Samba-Feeling in den Markt. Der Rhythmus hallte zwischen den Häuserfronten, und spätestens nach wenigen Metern wippte der ganze Platz mit. Der Zug kam nicht einfach vorbei – er rollte durch Neubeuern, getragen von Musik, Applaus und Jubelrufen.
Ein optischer Höhepunkt folgte kurz darauf: Der Prinzenwagen, gezogen von einem Oldtimer-Traktor, kam in diesem Jahr als riesiger, leuchtend roter Papagei daher – ein echter Hingucker mit kräftigem Federkleid und mächtigem Schnabel. Obenauf grüßten Prinz Christoph I. und Prinzessin Lena I., die diesen Moment sichtlich genossen. Der Applaus riss nicht ab, Süßigkeiten flogen, Kinder streckten die Hände aus – Fasching in Bestform.
Für Lacher sorgten auch Wagen, die Alltagsärger satirisch verarbeiteten. Besonders treffend nahm eine Gruppe die schleppende Digitalisierung aufs Korn: Unter dem Motto „Digitales Bayern – Fax voraus“ und mit der Einblendung „Verbindung fehlgeschlagen“ wurde der Traum vom schnellen Netz persifliert – inklusive Spruch „Download läuft seit 1995 …“ und dem Versprechen „Breitband kommt, versprochen!“ Genau dieser Mix aus Lokalkolorit und Zeitgeist machte den Neubeurer Faschingszug so unterhaltsam.
Neben den großen Bildern lebte der Zug von seinen satirischen Spitzen. Wortspiele und aktuelle Themen wurden humorvoll verarbeitet – und auch ein ganz regionaler Aufreger bekam sein Fett weg: Die jüngste „Bärsichtung“ am Samerberg, die vor ein paar Wochen für Gesprächsstoff sorgte, wurde augenzwinkernd aufgegriffen. Eine Gruppe ließ den „Bären“ gleich mehrfach auftreten – inklusive Schildern, Sprüchen und einer gehörigen Portion Selbstironie. So hieß es im Dialekt: „Bei de Samer … steppt da Bär – mim Tourismus geht nix mea“ – ein Seitenhieb, der beim Publikum genau den richtigen Ton traf: frech, aber nie bösartig. Auch vermeintliche „Tipps“ zur Bär-Begegnung wurden als Gag verarbeitet und sorgten für Lacher am Streckenrand.
Was die Fotos zeigen, sind nicht nur Totale und Wagen, sondern auch die Menschen im Fasching: Gardemädchen mit Federkronen, aufwendige Kopfschmucke, Make-up bis ins kleinste Detail – und immer wieder diese stillen Momente mitten im Trubel, wenn sich Familien, Freunde und ganze Gruppen für ein Foto sammeln. Genau diese Nähe zeigte: Fasching ist hier nicht Kulisse, sondern Gemeinschaft.
Dass bei aller Ausgelassenheit alles geordnet blieb, lag auch an den vielen Helfern im Hintergrund: Ordner entlang der Strecke sowie der Rettungs- und Sanitätsdienst waren sichtbar präsent – das gehört zu einem Zug dieser Größenordnung dazu und sorgt dafür, dass das Feiern sicher und entspannt bleibt. Nach dem Zug war für viele noch lange nicht Schluss: Beim anschließenden Hofball ging es weiter, wo die Neubeurer Faschingsgesellschaft und zahlreiche Gastgilden aus dem Landkreis den Abend nochmals richtig in Schwung brachten. Unterm Strich bleibt: Neubeuern kann Fasching. Der Marktplatz war bis auf den letzten Platz gefüllt, die Stimmung durchgehend stark – und der Zug zeigte einmal mehr, dass Fasching hier mehr ist als ein Termin im Kalender: ein Lebensgefühl. Ein herzliches Vergelt’s Gott gilt allen Aktiven, Helferinnen und Helfern sowie den Organisatoren, die mit Ideen, Einsatz und Herzblut diesen Faschingssonntag möglich gemacht haben.
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