Grausame Bilder am Bahndamm in Schechen

von Redaktion

Mindestens sieben Igel bei Vegetationsarbeiten brutal getötet – Peta erstattet Strafanzeige

Schechen – Mindestens sieben Igel sollen bei Vegetationsarbeiten am Bahndamm in Schechen durch Maschinen getötet worden sein. Die Tierrechtsorganisation Peta hat bei der Staatsanwaltschaft Traunstein Strafanzeige wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Tierschutzgesetz erstattet. Auslöser war ein Zeugenhinweis, nach dem zwischen dem 6. und 11. Dezember 2025 bei Heckenschnittarbeiten am Bahndamm in Schechen-Hochstätt mindestens sieben Igel getötet wurden.

Tiere wohl im
Winterschlaf überrascht

Fotos dokumentieren die mutmaßlich durch Schneidemaschinen verstümmelten Tiere. „An einem Bahndamm wurden Büsche und Sträucher großflächig entfernt“, teilt Peta mit. Vermutlich seien die Tiere im Winterschlaf überrascht worden.

Der Bahndamm liegt an der Bahnstrecke Rosenheim–Mühldorf. Ein Sprecher der Deutschen Bahn erklärt auf OVB-Anfrage: „Die Bahn führt regelmäßig Vegetationsarbeiten entlang ihrer Gleise durch, um das Schienennetz witterungsfest zu halten. Rückschnitte werden von Bahn-Mitarbeitern und beauftragten Firmen durchgeführt.“ Grünstreifen neben den Gleisen dienten häufig als Betriebsfläche, Inspektionsweg oder Evakuierungszone. Deshalb müsse die Vegetation bodennah geschnitten werden, um Stolperfallen zu vermeiden.

„Sollten bei diesen Arbeiten Igel zu Schaden gekommen sein, bedauern wir dies sehr“, betont der Bahnsprecher. Umwelt- und Artenschutz seien der Bahn bei der Vegetationspflege sehr wichtig. Der Rückschnitt entlang der Gleise stehe im Einklang mit den gesetzlichen Vorgaben, darunter der Lärmverordnung sowie dem Umwelt- und Naturschutz.

Radikale Rückschnitte sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz zwar vom 1. Oktober bis 28. Februar erlaubt, jedoch durch die Bundesartenschutzverordnung eingeschränkt. Diese verbietet das Töten wild lebender, besonders geschützter Arten durch elektrische Maschinen. Deshalb werden auch bei der Bahn tiefgreifende Rückschnitte außerhalb der Brut- und Setzzeit von März bis September durchgeführt.

„Auch andere Tiere wie Eidechsen oder Igel versuchen wir bestmöglich zu schützen“, versichert der Sprecher. Bahn-Mitarbeiter und Nachunternehmer würden regelmäßig geschult und sensibilisiert.

Peta-Fachreferent Peter Höffken reagierte auf den Vorfall in Schechen fassungslos: „Diese Tragödie hinterlässt uns sprachlos. Den Verantwortlichen muss doch bewusst gewesen sein, dass das radikale Abholzen der Hecken Todesopfer fordern könnte.“ Er fragt sich, ob die Arbeiter beim Fund der ersten toten Igel einfach weitergemacht hätten. Die Bahn betont dagegen: „Wenn Tiere entdeckt werden, werden die entsprechenden Bereiche ausgespart oder die Tiere vor den Arbeiten umgesetzt.“

Am 19. Januar 2026 erstattete Peta Strafanzeige gegen unbekannt, da unklar ist, ob die Bahn selbst oder ein Subunternehmen mit den Arbeiten beauftragt war. „Die Staatsanwaltschaft muss nun ermitteln, wer verantwortlich ist“, erklärt Höffken.

Die Staatsanwaltschaft Traunstein bestätigt, dass ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt läuft. Die Polizeiinspektion Rosenheim führt die Ermittlungen durch. Erst nach deren Abschluss werde über einen hinreichenden Tatverdacht entschieden.

Igel ist
„potenziell gefährdet“

Der Igel steht in Bayern auf der Vorwarnliste gefährdeter Säugetiere, die Weltnaturschutzunion stuft ihn in der Roten Liste der bedrohten Arten als „potenziell gefährdet“ ein. Zum Schutz des Tieres setzt die Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Landkreises Rosenheim auf Aufklärung und Information: „Vor Mulch- und Mäharbeiten sollten Flächen nach versteckten Tieren abgesucht werden. Bereiche können ausgespart, Tiere umgesiedelt oder Mäharbeiten mit Mindestbodenabstand durchgeführt werden“, erklärt eine Sprecherin. Um Igel zu schützen, sollten Mähroboter und Motorsensen nicht abends oder nachts eingesetzt werden. Außerdem sollte vor dem Einsatz von Mährobotern das Areal nach Igeln abgesucht werden.

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