Stephanskirchen – Tonies, Tiptoi-Bücherei sowie viele Klassiker und Neuheiten aus Kinder-, Jugend- und Erwachsenenliteratur: Die Gemeindebücherei im roten Schulhaus in Stephanskirchen ist ein beliebter Treffpunkt für Leserratten jeden Alters. Und das bereits seit 100 Jahren. Denn so lange gibt es die Bücherei inzwischen. Was als Bücherverleih mit Karteikarten im Keller des alten Pfarrhauses begann, hat sich inzwischen zu einer Institution für Stephanskirchener Lesefreunde entwickelt. Genau das will die Gemeinde feiern – mit einem bunten Programm für Jung und Alt.
2025 Rekordjahr
bei den Ausleihen
Der Kopf hinter allem ist Ursula Dreischl. Neben der Betreuung von Sozialaufgaben in der Verwaltung leitet sie seit zehn Jahren die Gemeindebücherei. Gemeinsam mit ihrem Team von 15 Frauen, die sich allesamt ehrenamtlich engagieren, kümmert sie sich liebevoll um den Bücherbestand, organisiert Veranstaltungen und sorgt dafür, dass Lesefans kostenfreien Zugriff auf Literatur haben.
Und das mit Erfolg. 2025 sei mit rund 33.000 Ausleihen ein Rekordjahr gewesen, berichtet Dreischl. „Damit sich der Büchereibetrieb lohnt, sollten die Ausleihen mindestens doppelt so hoch sein wie der Bestand“, erklärt die Büchereileiterin. Bei 11.000 Medien wurde dieses Ziel sogar übertroffen.
Bei der Auswahl der Bücher achtet Dreischl besonders auf Aktualität. Doch in den Regalen landen nicht nur die neuesten Bestseller und Krimis. Auch Neuerscheinungen bei Sachbüchern und Kinderliteratur finden ihren Weg in die Regale und Bücherboxen. Die Leser haben aber auch die Möglichkeit, ihre Lesewünsche über das „Wunschbuch“ zu äußern. „80 bis 90 Prozent davon werden angeschafft“, verspricht die Büchereileiterin. Auch Dreischl hat als Kind selbst viel vorgelesen bekommen, so die Liebe zum Lesen entwickelt und später an ihre eigenen Kinder weitergegeben. Und welchen Status Bücher vor allem für Kinder trotz fortschreitender Digitalisierung haben, erlebt sie regelmäßig in der Bücherei. „An den Wochenenden kommen viele Familien. Sie schmökern durch die Regale, machen es sich in den Sitzsäcken gemütlich und lesen“, freut sich Dreischl.
Die Gründung der Bücherei geht auf eine Initiative der Kirche zurück, erklärt Karl Mair. Der ist nicht nur Stephanskirchens Bürgermeister, sondern auch Heimatpfleger in Stephanskirchen und Rosenheim, wo er vormals das Stadtarchiv leitete. Der Michaelsbund, ein Medienhaus der Erzdiözese München und Freising, und dessen Landesfachstelle betreuen und unterstützten als ältester bayerischer Büchereiverband gemeinsam mit der Münchner Büchereizentrale rund 1.100 Mitgliedsbüchereien in ganz Bayern, unter anderem beim Bestandsaufbau. „Bis heute gehört die Gemeindebücherei in Stephanskirchen dazu.“ Die erste öffentlich zugängliche Bücherei sei damals im Keller des Pfarrhauses gestanden, bevor sie 1970 in das „neue“ Pfarrheim in Schloßberg zog, das inzwischen aber auch nicht mehr steht. Ab 1974 sei die Bibliothek von Kirche und Verwaltung gemeinschaftlich geführt worden. „1982 zog die Bücherei dann in das rote Schulhaus, welches ab 2008 zum Bürgerhaus umgebaut wurde“, sagt Mair. Zuvor waren dort unter anderem Lehrer-Wohnungen, die Mittagsbetreuung der Grundschule Schloßberg und ein Jugendtreff untergebracht. Seit Anfang der 1980er-Jahre leitete Erika Neser die Bücherei – über 30 Jahre, bis zum letzten großen Umbau 2016. Im Zuge dessen wurde die Ausleihe digitalisiert. Vorangetrieben und unterstützt wurde der Umbau damals auch vom ehemaligen Bürgermeister Rainer Auer. „Die Bücherei war sein Herzensprojekt“, sagt Mair.
Angebot für
Jung und Alt
Das Bücherei-Jubiläum begehen wollen die Stephanskirchener mit einem Programm für Jung und Alt, das sich über die gesamte erste Jahreshälfte erstreckt. Neben Mitmach-Aktionen für Kinder im Grundschul- und Kindergartenalter soll auch die „Walpurgisnacht“, die bereits während des Preußler-Jahres 2024 anlässlich des 100. Geburtstags des Stephanskirchener Kinderbuchautors stattfand und ein großer Erfolg bei den Besuchern war, im Schulhof der Grundschule Schloßberg wiederholt werden. Neben dem Festabend am 23. April, wo Gemeindebürger aus Büchern lesen werden, in denen Stephanskirchen erwähnt wird, sind auch bekannte Autoren geladen.
Am 27. Februar liest Stephan R. Meier aus seinem Buch „Riviera Express – Der Traum von Grimaldi“. In den zehn Euro Eintrittspreis ist die Verköstigung mitsamt dem ehemals „wertvollsten Wein der Welt“ inklusive. „Welcher das ist, bleibt aber noch geheim“, scherzt Ursula Dreischl. Am 10. Juni sollen die Erinnerungen an den Stephanskirchener Kinderbuchautor und Ehrenbürger Otfried Preußler aufleben. Autor und Journalist Tillmann Spreckelsen liest bei freiem Eintritt aus der Biografie „Otfried Preußler: Ein Leben in Geschichten“.
Die Abschlussveranstaltung am 26. Juni lenkt nochmals den Blick auf Stephanskirchen: Unter dem Titel „Grüße aus der Sommerfrische“ wird Karl Mair im Simssee Biergarten Texte über den Simssee vorlesen. Dabei handelt es sich um Berichte von Städtern, die mit dem Zug für den Sommerurlaub nach Stephanskirchen kamen, die Eindrücke über die Anfänge des Tourismus am Simssee liefern.