Fest verwurzelter Teil der Ortsgeschichte

von Redaktion

Nachruf Abschied von Anna Hamberger – Älteste Frasdorferin mit 101 Jahren verstorben

Frasdorf – Anna Hamberger – zeitlebens Nani genannt und in Frasdorf nach ihrem Elternhaus, dem Nigglhof in Pfannstiel, nur als Niggl Nani bekannt – ist im gesegneten Alter von 101 Jahren gestorben. Als viertes von sechs Kindern der Niggl-Familie ist sie am 7. Dezember 1924 zur Welt gekommen. Als sie gerade zwei Jahre alt ist, stirbt ihr Vater mit 51 Jahren. Mehrere Jahre muss die Mutter mithilfe von Dienstboten den Hof alleine führen, ehe sie fünf Jahre später erneut heiratet. Die Mutter muss eine starke Persönlichkeit gewesen sein, sodass sie den Hof mitsamt der Kinderschar, die alle innerhalb von sieben Jahren zur Welt kamen, gut über die Runden brachte.

Drei Geschwister
führten den Hof

Als dann der Stiefvater kam, zu dem alle Kinder ein herzliches Verhältnis hatten, wurde es ein bisschen leichter. Allerdings mussten dann Bruder Lorenz und schließlich auch Josef in den Krieg einrücken. Nanis um ein Jahr jüngerer Bruder Josef hatte schon als Kind seine künstlerischen Fertigkeiten gezeigt, indem er vom Brotteig seiner Mutter kleine Figuren formte. Er wurde der bekannte Bildhauer Josef Hamberger, der vor wenigen Wochen 100 Jahre geworden wäre.

Nani half zunächst auf dem Hof mit, dann, als die Familie die Landwirtschaft allmählich aufgab, machte sie noch eine Ausbildung zur Schwesternhelferin. Als solche arbeitete sie bis zur Rente im Priener Krankenhaus. Geheiratet hat sie, wie auch ihre Geschwister Gretl und Lorenz, nie. Gemeinsam führten die drei den Hof.

Die größte Leidenschaft der Nani war das Singen. Wie ihre Schwester Gretl ging sie schon als Jugendliche zum Frasdorfer Kirchenchor, den damals Alois Osterhammer leitete. Die Mutter hatte es erlaubt, weil sie ja „zur Ehre Gottes“ singen sollten. Bis in die 1960er-Jahre wurde noch jeden Sonntag in Frasdorf beim Hochamt mit dem Chor gesungen, gelegentlich auch noch während der Woche, etwa bei Engelämtern. Den Osterhammer Lois, wie er genannt wurde, bewunderte Nani wie alle damaligen Chormitglieder sehr.

73 Jahre
im Kirchenchor

Umso schwerer war es dann, als Anfang der 1970er-Jahre mit Fritz Zimmermann ein pensionierter Schullehrer, der erst zugezogen war und natürlich ganz andere musikalische Vorstellungen hatte, das Zepter übernahm. Auf einmal wurde der Singchor von einer Schar junger Mädchen bevölkert, für die alteingesessenen Chorsängerinnen nicht ganz einfach.

Aber Nani, wie auch ihre Schwester Gretl, mit der sie zeitlebens untrennbar verbunden war, fügte sich allmählich in die neu entstehende Singgemeinschaft ein, und beide wurden dann treue Mitglieder, die auch bei allen Ausflügen und Vereinsfestlichkeiten mitmachten. Bis ins hohe Alter waren die beiden aktive Sängerinnen, insgesamt 73 Jahre lang.

Ihr Gesang war
weit zu hören

Kürzlich erzählten sie, dass sie auch daheim gerne gesungen haben. Manchmal sind sie auf der Hausbank gesessen und haben gesungen, sodass man sie im gegenüberliegenden Ort Ginnerting noch gehört hat. Das wurde dann aber mit dem Autobahnbau nicht mehr möglich.

Zum Thema Autobahnbau wie auch zu den Verhältnissen während und nach dem Krieg in Frasdorf oder zur bäuerlichen Arbeit konnte die Nani mit ihrer Schwester Gretl noch als 100-Jährige ausführlich und interessant berichten. Die beiden scheuten sich auch nicht, mit Zeitungsredakteuren oder Rundfunk- und Fernsehleuten zu reden. So sind unersetzliche Dokumente nicht nur für die Familien- und Hofgeschichte, sondern auch für die Frasdorfer Ortsgeschichte entstanden.

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