Aschau – Die Notwendigkeit und der Bedarf spiegelten sich in den vielen Besuchern wider, die sich anlässlich der Vorstellung des Prientaler SeniorenForums in der Aschauer Prientalhalle eingefunden hatten.
Fachreferenten aus dem Landkreis Rosenheim und aus Aschau berichteten aus ihrer Arbeit, von den Fortschritten beim Aufbau einer Sorgegemeinschaft Priental, von ersten Erfolgen und Weichenstellungen. Das Prinzip „ambulant vor stationär“, abgestimmt auf die ganz individuellen Ansprüche von Menschen, die Hilfe benötigen, egal welchen Alters, eingebunden in ein Netzwerk aus „Profis“ und Ehrenamtlichen, stellt alle Organisatoren vor große Herausforderungen. Eingeladen hatte der Aschauer Seniorenbeirat.
„Aschau ist
sehr gut aufgestellt“
Philipp Ramming, der Seniorenbeauftragte der Gemeinde Aschau, zeigte sich angesichts der gut einhundert Interessierten überrascht über den Besucheransturm. Ramming stellte die Referenten vor und unterstrich als Zielvorgabe des Projekts, dass wohl „alle zuhause altern wollen“. Daher gelte es, die Lebensbedingungen entsprechend zu gestalten. „Aschau ist da schon sehr gut aufgestellt“, so Ramming, der die verschiedenen Einrichtungen vorstellte. Er stellte unter anderem den Seniorenbeirat vor, der alle über 60-Jährigen anspreche und dessen Arbeit ehrenamtlich und unpolitisch sei.
Dr. Dr. Klaus Piwernetz, Vorsitzender des Aschauer Kneippvereins und Fachreferent bei „Monitor Versorgungsforschung“, berichtete über die drei Fachtagungen mit den Schwerpunkten Wohnen, Ehrenamt und Altersarmut beziehungsweise Einsamkeit und konzentrierte sich besonders auf das Thema „Digitalisierung“. Viele ältere Menschen hätten damit Probleme. Er stellte eine thematische Verbindung zwischen der fortschreitenden Digitalisierung und Gesundheit her. „Niemand darf aufgrund fehlender Digitalisierung von einem selbstbestimmten Leben abgehalten werden“, so seine zentrale Forderung, für die er viel Applaus bekam.
Als erste Referentin stellte die Leiterin des Pflegestützpunkts Rosenheim, Nicole Hübel, die Arbeit des Stützpunkts vor. Als Schwerpunkte nannte sie unter anderem die kostenlose Beratung und die breit aufgestellte Angebotspalette. Gerade durch Hausbesuche könnten die Mitarbeiter den Hilfesuchenden Tipps und Tricks geben. Die Umsetzung müssten die Ratsuchenden jedoch selbst bewerkstelligen.
Elmar Stegmeier, Gesundheitswissenschaftler und im Ehrenamt Vorsitzender des Ökumenischen Sozialdienstes Priental sowie Leiter der Fachgruppe Patientenlotsen der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management (DGCC), gab den aktuellen Stand zum Aufbau eines Gesundheits- und Pflegenetzwerks für das Priental bekannt. Zuvor erläuterte er unter anderem den Begriff der Sorgegemeinschaft als wichtige Säule, um „möglichst lange, gut versorgt daheim leben zu können“. Er machte deutlich, dass es sich bei den Zielgruppen nicht nur um ältere Menschen, sondern genauso um jüngere Betroffene handele. Er ging auf die Definition des Begriffs „Sorgeraum“, die Bedeutung eines Versorgungskonzepts, den Aufbau eines Netzwerks von Fachstellen und Ehrenamtlichen sowie die Zielsetzung ein. Außerdem erinnerte Elmar Stegmeier an den Gemeinderatsbeschluss von Aschau und Frasdorf als erklärten politischen Willen zur Unterstützung und Umsetzung. „Aber wir haben noch viel Arbeit vor uns“, konstatierte Stegmeier.
Das OVB hatte im vergangenen Jahr ausführlich über die Aufbauarbeit berichtet und auch über die auftretenden Probleme eines Modells, das als „Blaupause“ für die gesamte Bundesrepublik dienen könnte. Daher haben sich die Organisatoren auch hohe Hürden gelegt, wie eine fachlich gut recherchierte Bestandsaufnahme des Bedarfs. Ralf Ahlmann, Sprecher des Seniorenbeirats, ging auf die Zahlen in der Gemeinde ein. Auf Aschau bezogen lebten hier 37 Prozent, die älter als 60 Jahre sind (bei einem Bevölkerungsstand von 5.829 Einwohnern).
Ehrenamtliche werden
dringend gebraucht
Ehrenamtlich seien jedoch nur 20 Prozent engagiert, so Ahlmann. Eine Herausforderung sei, dass viele keine Kinder oder weitere Familienangehörige im näheren Umfeld haben, da sie erst nach Aschau zugezogen seien. Daher warb er um mehr Ehrenamtliche als Helfer und verwies auch auf die beiden Fahrzeuge, die von montags bis freitags Menschen mit eingeschränkter Mobilität unterstützten. Allein im Jahr 2025 seien sie für 2.760 Fahrten unterwegs gewesen.
Bürgermeister Simon Frank wies in seiner Ansprache auf die gemeindliche Unterstützung durch Elisabeth Linhuber von der Verwaltung und die Behindertenbeauftragte Christa Ramsauer hin. Sein Dank galt den Organisatoren des Nachmittags. Der Aschauer Bürgermeister ging auf Faktoren ein, wie den barrierefreien Zugang zu wichtigen Einrichtungen, bauliche Maßnahmen (wie das Absenken von Bordsteinkanten), aber auch auf Entscheidungen wie den Ausstieg beim Mobilitätskonzept „ROSI“. Aus der Fragerunde entwickelte sich schnell die erste Bürgerversammlung für ältere Mitbürger und zeigte, dass auch in diesem Punkt Aschau durchaus als „Blaupause“ dienen könnte.