Junge Menschen sorgen sich um politische Einflussmöglichkeiten

von Redaktion

Erstwähler diskutieren mit Rohrdorfer Bürgermeisterkandidaten – Informationsveranstaltung zur Wahl

Rohrdorf – „Glaubt Ihr, dass Ihr mit Eurer Wahlentscheidung etwas ausrichten könnt?“ Mit dieser Frage sah sich unlängst eine Gruppe von Erstwählern, aber auch jüngeren Jugendlichen konfrontiert. Gestellt wurde sie auf einer Infoveranstaltung zur Wahl, die die Jugendbeauftragten der Gemeinde, Nadine Salomon und Vitus Schauer, ausgerichtet hatten.

Dabei zeigte sich: Sehr viel über ihre Wahl zu verändern, hofften die Jugendlichen nicht, als sie sich entlang einer Schnur aufstellten, die gedacht von den beiden Extremen „Gar nichts ausrichten“ bis „Viel ausrichten“ reichte. Immerhin aber gab es auch niemand, der meinte, seine Beteiligung an der Kommunalwahl sei von vornherein völlig für die Katz. Nur acht junge Leute hatten sich zu der Veranstaltung eingefunden, obwohl es in Rohrdorf über 250 Erstwähler gibt, die über Social Media und persönliche Ansprache eingeladen worden waren.

Auf der Habenseite aber kann man verbuchen, dass die, die da waren, die Veranstaltung allesamt als Gewinn bezeichneten. Wissenswertes gab es so einiges. Wie etwa die Frage nach der Zuständigkeit beim öffentlichen Nahverkehr zeigte, sind oft mehrere Verwaltungseinrichtungen beteiligt, die sich die Aufgabe teilen: Für reine Schulbusse etwa ist die Gemeinde zuständig, für alle anderen der Landkreis, bei größeren Verkehrsverbünden spielt unter Umständen sogar das Land noch mit. Was dabei auch klar wurde: Kommunale Entscheidungen sind in aller Regel „nicht einfach so“ und frei nach dem Gutdünken des Gemeinderats zu treffen. Sie sind vielmehr eingebunden in das Netz der Zuständigkeiten und zudem eingeschnürt von jeder Menge bürokratischer Vorgaben. Auch dafür gab es praktische Beispiele. Die Jugendlichen konnten auf vier Tafeln zu den Themen Freizeit, Mobilität, Wohnen und Beteiligungsmöglichkeiten das aufschreiben, was sie sich von ihrer Kommune für die Praxis wünschten.

Natürlich war auch da ein besserer Nahverkehr dabei, vor allem an den Wochenenden und vor allem in den Abend- und Nachtstunden: Wie sollte man sonst als junger Mensch zu irgendwelchen Veranstaltungen kommen. Nur leider liegt die Lösung dieses Problems entweder nicht in der Hand der Gemeinde – der Nahverkehr ist Sache des Landkreises – oder es stehen bürokratische Regeln gegenüber: Einen gemeindeeigenen Busdienst einzurichten, scheitert schon an der Tatsache, dass die gemeindeeigenen Kleinbusse Rohrdorfs Schulbusse sind, die aus bürokratischen – hier steuerlichen – Gründen nicht „zweckentfremdet“ werden dürfen.

Weil die Jugendlichen aber über ihre Wunschzettel direkt mit den drei anwesenden Bürgermeisterkandidaten Simon Hausstetter, Maria Haimmerer und Josef Höß sprachen, gab es Aha-Erlebnisse auf allen Seiten. Auch die Bürgermeisterkandidaten gewannen neue Erkenntnisse. So zeigte sich, dass ein „Ab-und-Zu-Busdienst“, mit dem spezielle Feste angefahren würden, für die Jugendlichen nicht einmal die zweite Wahl wäre, an ihren Bedürfnissen also ziemlich vorbeiginge: Sie wollen selbst und individuell entscheiden, auf welches Fest sie wann gehen, brauchen also gewissermaßen einen individuell nutzbaren öffentlichen Nahverkehr.

Das vielleicht wichtigste Ergebnis dieses Nachmittags: Die Jugendlichen erlebten, dass auch sie mit Kommunalpolitikern reden können und schon dadurch „der Politik“ keineswegs ausgeliefert sind.

Öfter eine direkte Gesprächsrunde der Jugendlichen mit denen, die im Gemeinderat und Verwaltung Verantwortung tragen, abzuhalten, das hielten alle Beteiligten deshalb für eine prima Idee. jt

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