Keine Zeremonie ohne Musik.
Geladene Gäste mit Durst.
Das Brannenburger Brautpaar gibt sich vor versammelten Gästen den ersten Kuss. Fotos Thomae
Brannenburg – Jedes Brautpaar wünscht sich für den schönsten Tag seines Lebens sonniges und strahlendes Wetter. Dieser Wunsch geht jedoch keinesfalls immer in Erfüllung. Doch genau das kann positiv gesehen werden: An diesem so besonderen Tag auch bei schlechtem Wetter gemeinsam nicht nur die Haltung, sondern sogar gute Laune zu wahren, ist bereits das erste Unterpfand für eine glückliche Ehe.
Feier im
Schnee
Von daher wird das Brannenburger Bettelhochzeitspaar, die „großbrazade Wascheline“ und der „Schmalbrust Fuchs aus der bichlerischen Dynastie“, zweifellos nicht nur bis zum Kehraus am morgigen Dienstag, dem nächsten großen Festereignis, durchhalten, sondern wohl auch bis zur nächsten Bettelhochzeit in fünfundzwanzig Jahren. Denn das Wetter hatte über Nacht umgeschlagen und war am Tag der Tage am besten mit dem klassischen Spruch zu beschreiben: Ski, Rodel und Schneemannbauen gut, Hochzeit eher Sch…eibenkleister.
Doch ein echtes Brannenburger Brautpaar ließ sich von solchen Lappalien nicht irritieren, und die Gäste taten es ihm gleich. Wie viele gekommen waren, ob tausend, zweitausend oder mehr, war schwer abzuschätzen, denn die Mühlenstraße, die am Altar vorbeiführt, war dicht gesäumt von Menschen und das ganze Feld vor dem Misthaufen – der übrigens ein echter war – sowieso. Sie alle fieberten dem Moment herbei, bis endlich auch die Braut in ganzer Schönheit zu sehen wäre, denn diese war bis dahin, auch während der eigentlichen Trauungszeremonie, tief verschleiert. Doch das dauerte seine Zeit, denn schließlich waren sich selbst der Bürgermeister und der Standesbeamte nicht sicher, ob sie das Brautpaar nicht doch besser vom Bund der Ehe abhalten sollten, um beider Seelenheil willen. Sie sparten deshalb nicht mit warnenden Worten. Doch vergebens, wobei der Bürgermeister, auf die Schönheit der beiden Bezug nehmend, es sich nicht verkneifen konnte, zu sagen: „Die beiden sind der beste Beweis dafür, dass Liebe tatsächlich blind macht.“
Doch die Trauungszeremonie ist, das weiß jeder, der einmal bei einer Hochzeit dabei war, beileibe nicht der Höhepunkt des Tages, sondern eher die Hürde, die überwunden werden muss, bis so richtig hemmungslos gefeiert werden kann. Bis es aber in und vor allem auch um die Wendelsteinhalle zum Hochzeitsmahl ging, zogen die Gäste zunächst noch einmal durch Brannenburg. Dieser Zug zog sich, denn die Hochzeitsgäste waren von weit her, um nicht zu sagen von überall her gekommen: Aus England, Afrika und dem wilden Westen Amerikas, ja selbst aus Raubling, Nussdorf, Flintsbach, Niederaufdorf, Derndorf, Litzldorf und anderen fernen Gegenden waren Gäste anwesend, auch aus Großholzhausen.
Großholzhausener
stiften Hochzeitsbaum
Die Großholzhausener waren es übrigens auch, die den Hochzeitsbaum gestiftet hatten, den sie dann am Freitag vor dem Haus des Bräutigams aufstellten. Spätestens da war allen Zaungästen klar: Die Brannenburger Bettelhochzeit würde ein echtes Großereignis werden, schließlich hatte schon der Hochzeitsbaum die Dimensionen eines ausgewachsenen Maibaums, wenn auch nicht ganz dessen geradlinigen Wuchs. Und auch der Hochzeitstag selbst hielt, was man sich von ihm versprochen hatte: Er war ein Ereignis, so besonders, dass man von dem Erlebten wirklich wieder ein Vierteljahrhundert zehren können wird, bis es dann zum vierten Mal heißen wird: In Brannenburg ist Bettelhochzeit.