Für die Fläche des einstigen Sachranger Hofs liegt seit 2020 ein gültiger Bebauungsplan vor. Foto Huber Planungs-GmbH
Aschau – Kein neuer Sachranger Hof, kein Linner-Areal: Im vergangenen Jahr sind gleich zwei Zukunftsprojekte für das Bergsteigerdorf Sachrang gescheitert. Darüber informierte Bürgermeister Simon Frank jetzt auf der Bürgerversammlung.
So plante die Maro-Genossenschaft am Linnerhof in Sachrang den Bau von 28 Wohneinheiten, von denen die Hälfte einkommensorientiert gefördert werden sollte. Für das Vorhaben hatte die Gemeinde mit der Maro einen Erbpachtvertrag abgeschlossen. Der Baubeginn war für 2025 vorgesehen, die Fertigstellung und der Bezug der Wohnungen für 2026 und 2027.
Erbbaurechtsvertrag
wurde aufgehoben
Doch 2024 durchkreuzte das Insolvenzverfahren der Genossenschaft die Pläne. Zwar konnte die Insolvenz im vergangenen Jahr noch abgewendet werden, für das Projekt in Sachrang gibt es dennoch keine Perspektive mehr. „Wir haben den Erbbaurechtsvertrag mit der Maro zum 28. Oktober 2025 aufgehoben“, informierte Simon Frank. Der Gemeinde sei dadurch kein finanzieller Schaden entstanden.
Damit ist eine Belebung des weitläufigen Linner-Areals vorerst in weite Ferne gerückt. Die Gemeinde muss nun wieder bei null beginnen und sich auf die Suche nach einem neuen Projektpartner machen.
Zwangsvollstreckung
am 12. März
Auch beim Sachranger Hof geht es nicht voran. Für den geplanten „Logenplatz Sachrang“ mit alpinen Lodges liegt zwar seit Längerem eine Baugenehmigung vor. Im Dezember 2025 wurde jedoch bekannt, dass die Grundstücke und Immobilien an der Dorfstraße 3 im Zuge einer Zwangsvollstreckung öffentlich versteigert werden sollen.
Die „Springwater Group“ will den „Logenplatz Sachrang“ nach eigenen Angaben jedoch nicht aufgeben und die Kredite bei jener Bank ablösen, die die Zwangsvollstreckung betreibt. Auf Anfrage des OVB machte das Kreditinstitut unter Verweis auf das Bankgeheimnis keine Angaben zum aktuellen Stand der Verhandlungen.
Vorerst bleibt es damit bei dem angesetzten Termin: Am 12. März soll der einstige Sachranger Hof im Kurhaus Bad Aibling unter den Hammer kommen. Bis dahin haben Bank und Investor jedoch noch Zeit, eine Lösung zu finden. Wie das Amtsgericht mitteilte, kann der Termin bis zum Tag der Versteigerung jederzeit aufgehoben werden.
Indes haben sich bereits mehrere potenzielle Bieter bei der Gemeindeverwaltung Aschau gemeldet. „Sie wollten sich darüber informieren, welche Nutzungsmöglichkeiten das Areal in Sachrang bietet“, berichtet Bürgermeister Simon Frank.
Interesse an
Nutzungsmöglichkeiten
Für die 800 Quadratmeter große Fläche liegt seit 2020 ein gültiger Bebauungsplan vor, der im Sondergebiet eine „Fremdenbeherbergung“ mit Gästezimmern, Personalwohnungen und Gaststättenbetrieb vorsieht. „Möglicherweise müssen wir hier zum Wohle des Ortes flexibler sein und den Bebauungsplan etwa um ein Wohn- und Geschäftshaus erweitern“, so Frank.
Eine endgültige Entscheidung werde der neue Gemeinderat treffen. Der Bürgermeister hofft jedoch, dass sich möglicherweise auch durch eine Kombination von Sachranger Hof und Linner-Areal neue Chancen für die Ortsentwicklung ergeben – etwa für Gastronomie, Beherbergung, ein Bettenhaus und Mitarbeiterwohnungen. „Wir müssen uns Zeit für eine sinnvolle Entwicklung nehmen“, betont er.
Der Verkehrswert von Grundstück und Gebäuden an der Dorfstraße 3 wurde von einem Gutachter auf knapp 600.000 Euro geschätzt.
Gemeinde kann
nicht mitbieten
Eine Beteiligung der Gemeinde an der Versteigerung sei nicht möglich, machte Simon Frank auf OVB-Anfrage deutlich. Zum tatsächlichen Kaufpreis – dem Zuschlagswert der Zwangsversteigerung – kämen noch Kosten für Abbruch und Bodenaustausch hinzu. „Da ist man schnell bei einer Million Euro“, schätzt Bürgermeister Simon Frank. „Das ist für die Gemeinde absolut nicht machbar.“